Harald Welzer ist Leiter der Gruppe „Erinnerung und Gedächtnis“ und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Forschungskolleg für Kulturwissenschaften in Essen und ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke. Seine Schwerpunkte liegen bei der Erinnerungs- und Gedächtnisforschung, der Tradierungs- sowie der Gewaltforschung.
Sein Ziel ist es, gestützt auf die neuesten und zentralen Befunde und Konzepte der Gehirn- und Gedächtnisforscher, dar zu stellen, wie unser Gedächtnis arbeitet. Hierbei hebt er den Einfluss der Kommunikation besonders hervor. Oder wie es sich ab dem Zeitpunkt bewussten Wahrnehmung im Kindesalter durch einen Wechsel von verschiedenen Einflüssen entwickelt. Einflüsse auf die Erinnerung können dabei sowohl vererbt, als auch von außerhalb kommen und sich entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
II. Das Gedächtnis ist erfinderisch
III. Lernen, sich zu erinnern
VI. Die Macht der Gefühle
VII. Fräulein Smillas Gespür für die Gefühle der anderen. Über kulturelle Rahmen und Schemata
VIII. Der Stoff, aus dem die Lebensgeschichten sind
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Harald Welzers Theorie des kommunikativen Gedächtnisses auseinander, um aufzuzeigen, wie soziale, neuronale und kulturelle Prozesse unser Erinnerungsvermögen konstruieren und verändern. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit Erinnerung als soziale Konstruktion zu verstehen ist, die sich permanent an den aktuellen Anforderungen des Ichs orientiert.
- Die neuronale und psychologische Arbeitsweise des menschlichen Gedächtnisses.
- Die Rolle der Kommunikation und des „memory talk“ bei der Erfahrungsbildung.
- Die dialektische Beziehung zwischen autobiographischem, kollektivem und kulturellem Gedächtnis.
- Der Einfluss von Medien, Narrativen und Emotionen auf die Stabilität und Manipulierbarkeit von Erinnerungen.
- Die Bedeutung von sozialen Kontexten, wie der Familie, für die Identitätsstiftung durch Erinnerung.
Auszug aus dem Buch
Die kommunikative Vergegenwärtigung in der Familie
[...] die kommunikative Vergegenwärtigung von Vergangenem in der Familie ist kein bloßer Vorgang der Weitergabe von Erlebnissen und Ereignissen, sondern immer auch eine gemeinsame Praxis, die die Familie als eine Gruppe definiert, die eine besondere Geschichte hat, an der die einzelnen Mitglieder teilhaben und die sich nicht zu verändern scheint.
Zusammenfassung der Kapitel
II. Das Gedächtnis ist erfinderisch: Dieses Kapitel erläutert, wie das Gedächtnis aktiv Informationen verarbeitet und wie sich individuelle Erinnerungsleistungen bereits in der frühen Kindheit durch Interaktion entwickeln.
III. Lernen, sich zu erinnern: Hier wird der komplexe Prozess der neuronalen und kognitiven Gedächtnisbildung thematisiert, wobei die Rolle der Sprache und des Ich-Bewusstseins hervorgehoben wird.
VI. Die Macht der Gefühle: In diesem Abschnitt wird die Theorie des emotionalen Körpergedächtnisses nach Damasio diskutiert und wie Emotionen als zentrale Faktoren die episodische Erinnerungsbildung beeinflussen.
VII. Fräulein Smillas Gespür für die Gefühle der anderen. Über kulturelle Rahmen und Schemata: Dieses Kapitel beleuchtet anhand des Familiengedächtnisses, wie soziale Gruppen durch den Austausch von Erinnerungen eine gemeinsame Wir-Identität stabilisieren.
VIII. Der Stoff, aus dem die Lebensgeschichten sind: Hier wird analysiert, wie mediale Inhalte und Erzählungen als Scripts dienen, die das individuelle autobiographische Gedächtnis prägen und assoziative Muster vervollständigen.
Schlüsselwörter
Kommunikatives Gedächtnis, Autobiographisches Gedächtnis, Familiengedächtnis, Soziale Identität, Erinnerungskultur, Neurobiologie, Emotionen, Narrativität, Gedächtnisbildung, Erfahrungsbildung, Wissenskonstruktion, Kulturelles Gedächtnis, Identitätsstiftung, Kommunikation, Gedächtnisforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Zusammenfassung und kritische Diskussion der zentralen Thesen aus Harald Welzers Werk „Das kommunikative Gedächtnis“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von individuellen Gedächtnisprozessen, soziokulturellen Einflüssen, der Rolle von Emotionen und der Bedeutung von Kommunikation bei der Entstehung von Erinnerungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Gedächtnis als ein dynamisches System funktioniert, das unsere Vergangenheit kontinuierlich an unsere gegenwärtige Identität anpasst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur, ergänzt durch die Analyse von Modellen und Beispielen aus der Gedächtnis- und Sozialpsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des autobiographischen Gedächtnisses, die Relevanz des sozialen Umfelds, die biologischen Voraussetzungen der Hirnreifung und die mediale Beeinflussung von Lebensgeschichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie kommunikatives Gedächtnis, Identitätskonstruktion, Erfahrungsbildung und den Einfluss sozialer Kontexte geprägt.
Warum betont Welzer die „Fiktionalität“ des autobiographischen Gedächtnisses?
Weil das Gedächtnis Vergangenheiten nicht objektiv speichert, sondern diese so umschreibt, dass sie dem aktuellen Selbstbild und den Bedürfnissen des erinnernden Individuums entsprechen.
Wie beeinflussen Medien unsere persönliche Erinnerung?
Mediale Narrative dienen laut Welzer als „Scripts“, die uns helfen, eigene Erlebnisse in einen erzählbaren Zusammenhang zu bringen und Gedächtnislücken assoziativ zu schließen.
Welche Rolle spielt die Familie beim Erinnern?
Die Familie fungiert als eine „Erinnerungsgemeinschaft“, die durch das regelmäßige Erzählen gemeinsamer Geschichten eine Gruppenidentität stiftet und aufrechterhält.
Was unterscheidet das kommunikative vom kulturellen Gedächtnis?
Das kommunikative Gedächtnis ist flüssig und an den Alltag gebunden, während das kulturelle Gedächtnis als „geronnener“ Zustand festere, tradierte Wissensbestände einer Gesellschaft repräsentiert.
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- Tonia Bernhardt (Author), 2007, Zusammenfassung und kritische Diskussion des Buches von Harald Welzer „Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94593