Frumentationes – staatliche Getreideverteilungen für die Bürger der Stadt Rom – waren in der römischen Republik eine umstrittene Maßnahme. Den gesellschaftlichen Normen nach gehörte Fürsorge in den privaten Bereich der Patron-Klienten-Beziehung. Somit empfanden die antiken Autoren die staatlichen Eingriffe als eine Verletzung der Norm und kommentierten die Gesetze mit großer Ablehnung. Livius bezeichnete zum Beispiel die gracchischen Verteilungen als perniciosae leges, Cicero nannte sie largitiones maximas. Er war der Ansicht, C. Gracchus habe durch die Getreidevergabe den öffentlichen Besitz (patrimonium publicum) verschleudert und die Staatskasse erschöpft. Das Volk habe er dem Arbeitseifer entwöhnt, zu Müßiggang erzogen und damit insgesamt dem Gemeinwesen geschadet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I. Die lex Sempronia frumentaria: Die Institutionalisierung der staatlichen Getreidevergabe
- II. Lex Clodia frumentaria: Die unentgeltliche Vergabe von Getreide
- III. Die cura annonae des Pompeius: Getreide für ganz Italien
- IV. Die Bedeutung der drei Getreidegesetzgebungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit den drei prominenten staatlichen Getreideverteilungen der römischen Republik: der lex Sempronia frumentaria (123), der lex Clodia frumentaria (58) und der cura annonae des Pompeius aus dem Jahr 57. Ziel ist es, die konkreten Maßnahmen, die durch diese Gesetze ergriffen wurden, im Detail zu analysieren und diese unter politischen und sozialen Gesichtspunkten zu bewerten.
- Die Institutionalisierung der Getreidevergabe durch die lex Sempronia frumentaria
- Die unentgeltliche Getreidevergabe durch die lex Clodia frumentaria
- Die Bedeutung der cura annonae des Pompeius für die Getreideversorgung Italiens
- Der politische und soziale Wandel, der durch die Getreideverteilungen reflektiert wird
- Die politische Brisanz des Getreidethemas in der späten Republik
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Kontroverse um staatliche Getreideverteilungen in der römischen Republik und zeigt die unterschiedlichen Perspektiven der antiken Autoren auf.
- I. Die lex Sempronia frumentaria: Dieses Kapitel analysiert die lex Sempronia frumentaria des C. Gracchus aus dem Jahr 123, die erstmals Getreideverteilungen gesetzlich regelte und damit institutionalisierte. Es beleuchtet den sozialen Charakter des Gesetzes und die Kriterien für die Empfänger.
- II. Lex Clodia frumentaria: Hier wird die lex Clodia frumentaria des P. Clodius Pulcher aus dem Jahr 58 näher betrachtet, die Getreide erstmals unentgeltlich vergab. Die Kapitel beleuchtet die radikale Veränderung, die diese Maßnahme darstellte.
- III. Die cura annonae des Pompeius: Dieses Kapitel analysiert die Sondervollmacht für die Getreideaufsicht in Italien, die Pompeius im Jahr 57 vom Senat verliehen bekam. Es untersucht, wie der erfolgreiche Feldherr die politische Situation mit der Getreidesituation in Verbindung brachte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit behandelt die Themen staatliche Getreideverteilungen, frumentationes, lex Sempronia frumentaria, lex Clodia frumentaria, cura annonae, C. Gracchus, P. Clodius Pulcher, Pompeius, politische Instrumentalisierung, soziale Maßnahme, Versorgung der römischen Bevölkerung, Getreidemarkt, antike Quellenkritik.
Häufig gestellte Fragen
Was waren die „frumentationes“ in der römischen Republik?
Unter frumentationes versteht man staatliche Getreideverteilungen an die Bürger der Stadt Rom, die zur Sicherung der Versorgung und als politisches Instrument dienten.
Was regelte die lex Sempronia frumentaria des C. Gracchus?
Dieses Gesetz von 123 v. Chr. institutionalisierte die Getreidevergabe erstmals gesetzlich und legte Kriterien für die berechtigten Empfänger fest.
Warum war die lex Clodia frumentaria von 58 v. Chr. so radikal?
Unter P. Clodius Pulcher wurde Getreide erstmals völlig unentgeltlich an die Bürger abgegeben, was eine massive finanzielle Belastung für den Staat darstellte.
Welche Rolle spielte Pompeius bei der Getreideversorgung?
Pompeius erhielt 57 v. Chr. die „cura annonae“, eine Sondervollmacht zur Getreideaufsicht für ganz Italien, um Versorgungsengpässe politisch und logistisch zu lösen.
Warum kritisierten antike Autoren wie Cicero die Getreidegesetze?
Sie sahen darin eine Verschwendung öffentlicher Mittel, eine Verletzung der traditionellen Patron-Klienten-Beziehung und eine Erziehung des Volkes zu Müßiggang.
- Quote paper
- Michael Kunth (Author), 2006, Staatliche Getreideverteilungen in der römischen Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94581