Die vorliegende Arbeit begleitet den Relaunch vom Jugendmagazin KeeX zum Hochschulmagazin 2tausend3. Sie entstand parallel zu Abläufen auf den Ebenen Theorie, Konzeption, Empirie sowie Produktion. Ihre inhaltliche Unterteilung spiegelt diese Komplexe wider.
„Was lest ihr denn da?“, fragte uns mal ein Sitznachbar wä̈hrend einer Vorlesung. Wir reichten ihm das dünne Heft im A5-Format herüber. „KeeX – was ist das? Muss ich das kennen?“ wollte er wissen, während er sichtlich gelangweilt durch die Seiten blätterte. Seine Miene erhellte sich kaum, als wir ihm erklärten, dass das ein Studentenmagazin sei, das wir selbst produziert hatten. „Respekt für das Engagement, aber eine Unicum ist euer KeeX noch lange nicht.“
Aussagen wie diese waren es, die uns nachdenken ließen, wie wir das Magazin verbessern könnten – waren wir uns der Mängel doch selbst bewusst. Ein so genannter Relaunch müsste die Lösung sein, überlegten wir weiter; eine ganzheitliche Neugestaltung des Hefts und seines Inhalts. Doch wie mussten wir dazu vorgehen? Schnell wurde uns klar, dass zu einem Relaunch mehr gehört, als Texte zu verbessern und mit dem Layoutprogramm QuarkXPress umzugehen. Wir brauchten einen konzeptionellen Überbau, eine Produktdefinition, mussten eine Zielgruppe festlegen und diese in der Neuordnungsprozess einbeziehen, ein Produktmuster erstellen, etc.
Im ersten, theoretische Teil, bieten wir eine grundlegende Einführung zum Begriff Zeitschrift. Geschichtliche und ökonomische Aspekte kommen darin ebenso vor wie Abhandlungen zum Zeitschriftenlayout oder zur Typologie der Zeitschriften. Wir fokussieren schließlich auf die Gruppe der Studentenmagazine.
Wie wir verfahren sind, um aus der KeeX ein besseres Produkt zu machen, darüber gibt der zweite große Abschnitt Auskunft. Der von uns zusammengestellte Ablaufplan für einen Relaunch sollte sich auf andere Zeitschriften übertragen lassen.
Die Arbeit gipfelt in einem großen Empirieteil. Er verrät, was Leser in Thüringen von einem Studentenmagazin erwarten. Anschauliche Diagramme zeigen, wie sie den vollzogenen Relaunch des Magazins KeeX bewerten und ob sich unser Engagement gelohnt hat?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIEKOMPLEX
2.1. Zeitschrift
2.1.1. Historie
2.1.2. Begriffsdefinition
2.2. Medienökonomische Überlegungen
2.2.1. Publizistische Besonderheiten von Zeitschriften
2.2.2. Ökonomische Besonderheiten von Zeitschriften
2.2.3. Strukturelle Kopplung: Werbe- und Rezipientenmarkt
2.3. Finanzierung von Zeitschriften
2.3.1. Distributionsmodelle
2.3.2. Anzeigenverkauf / Werbung
2.3.3. Weitere Finanzierungsmodelle
2.4. Grundlagen der Zeitschriftenherstellung
2.4.1. Papier
2.4.2. Drucktechniken
2.4.3. Zusammenfügen zum Produkt
2.5. Layout
2.5.1. Kommunikationsziel und Wahrnehmung
2.5.2. Format
2.5.3. Redaktioneller Aufbau und Dramaturgie
2.5.4. Seitentypen
2.5.5. Typografie und Satzspiegel
2.5.6. Text
2.5.7. Bilder vs. Anzeigen
2.5.8. Farbigkeit
2.6. Zeitschriftentypologie
2.6.1. Fachzeitschriften
2.6.2. Kundenzeitschriften
2.6.3. Mitarbeiterzeitschriften
2.6.4. Konfessionelle Zeitschriften
2.6.5. Verbands-, Gewerkschafts- und Vereinszeitschriften
2.6.6. Amtliche Blätter und kommunale Amtsblätter
2.6.7. Supplements
2.6.8. Offerten- und Anzeigenblätter
2.6.9. Publikumszeitschriften
2.7. Studentenmagazine in Thüringen
2.8. Die Zielgruppe für Studentenmagazine
3. KONZEPTIONELLER KOMPLEX
3.1. Das Hochschulmagazin KeeX
3.1.1. Ursprung und Entwicklung von KeeX
3.1.2. Stärken-Schwächen-Analyse des Magazins KeeX
3.1.3. Zielsetzungen für den Relaunch
3.2. Ablaufplan für einen Relaunch
3.2.1. Warum ein Relaunch?
3.2.2. Relaunch-Studie
3.2.3. Produktneudefinition
3.2.4. Das Dummy-Heft
3.2.5. Finanzierung
4. EMPIRISCHER TEIL
4.1. Relaunch-Studie für das Magazin KeeX
4.1.1. Methodenauswahl und Umfragedesign
4.1.2. Grundgesamtheit und Stichprobenerhebung
4.1.3. Konzeption und Fragebogenaufbau
4.1.4. Fragenkonstruktion
4.1.5. Durchführung
4.1.6. Auswertung der Ergebnisse
4.2. Ergebnisse der Leserbefragung
4.3. Ergebnisse der Zielgruppenbefragung zu KeeX
4.4. Auswertung der Ergebnisse zu 2tausend3
4.5. Auswertung der Ergebnisse der Kontrollgruppe
5. FAZIT
6. ANHANG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Bestehende Hochschulmagazin "KeeX" und erarbeitet auf Basis einer empirischen Relaunch-Studie ein Konzept zur Neugestaltung und Optimierung, um ein konkurrenzfähiges, zielgruppengerechtes Produkt ("2tausend3") zu entwickeln.
- Theoretische Grundlagen des Zeitschriftenwesens und Layouts
- Stärken-Schwächen-Analyse des bestehenden Magazins "KeeX"
- Konzeptioneller Ablaufplan für einen Relaunch
- Empirische Untersuchung der Zielgruppe in Thüringen
- Entwicklung und Evaluation eines Dummy-Hefts
Auszug aus dem Buch
2.5.1. Kommunikationsziel und Wahrnehmung
Die leitende Frage beim Gestaltungsprozess lautet: Was will ich erreichen? Das Kommunikationsziel ist oberste Richtschnur für die gesamte Gestaltung. Design, das sich über die Kommunikation erhebt, ist untauglich und wird im besten Fall zur Kunstform. Damit wird sie allerdings kaum dem Leser gerecht. „Der visuelle Auftritt darf nicht im Vordergrund stehen, er besitzt eine ordnende und dienende Rolle.“ Mediendesign ziele weder auf den Gestalter noch auf den Autor oder den Anzeigenkunden – es müsse dem Leser gerecht werden. Layout als Brücke zwischen einer Kluft: das Experiment auf der einen und die Konvention auf der anderen Seite. Wer mit seinem Publikum kommunizieren will, muss es kennen. Layout lässt sich leichter konzipieren, wenn bekannt ist, wie viel Neuerung und Überraschung der Leser verträgt. Magazinmacher sollten Turtschis Definition von Layout beherzigen: „Design also hat die Aufgabe, den redaktionellen Inhalt zielgruppengerecht und konsumfreundlich in dramaturgisch spannender Form aufzubereiten.“
Werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf die Wahrnehmung. Wie funktioniert er, wie kann er verbessert werden? Eine simple Verkettung veranschaulicht dies:
AUFFALLEN. Der Leser nimmt Informationen über visuelle Reize auf. Die Augen scannen das Produkt oberflächlich und selektieren. Emotionale, bildhafte oder plakative Gestaltungselemente heben sich ab. Auf Außerbewusstes Registrieren folgt außerbewusstes Bewerten: relevant oder nicht relevant.
BEWUSST WAHRNEHMEN. „Ah, da ist etwas, das mich reizt.“ Was interessant erscheint und eine Stärkung seines Wohlbefindens (siehe weiter unten) verspricht, zieht den Blick des Lesers auf sich und wird eher gelesen – wir nehmen selektiv wahr.
LESEN. Erst der starke Reiz löst den eigentlichen Lesevorgang aus.
VERSTEHEN. Assoziative Verknüpfung, gestalterisch unterstützt, befördert die Information ins Langzeitgedächtnis.
BEWEGEN. Meinungen und Einstellungen beim Leser ändern sich, man liefert ihm einen Kaufreiz oder er befriedigt seine Lust, z.B. Leselust.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autoren schildern die Entstehung der Arbeit aus der Motivation heraus, das bestehende Studentenmagazin "KeeX" durch einen fundierten Relaunch zu verbessern.
2. THEORIEKOMPLEX: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis über Zeitschriften, deren wirtschaftliche Finanzierungsmodelle, medienökonomische Besonderheiten, Drucktechniken und gestalterische Layout-Prinzipien.
3. KONZEPTIONELLER KOMPLEX: Hier wird der Status quo von "KeeX" analysiert und ein konkreter Ablaufplan für die Neukonzeption inklusive Zieldefinition und Erstellung eines Prototyps (Dummy) erarbeitet.
4. EMPIRISCHER TEIL: Dieser Abschnitt beschreibt die durchgeführte Leserbefragung zur Evaluierung von "KeeX" und des neuen Entwurfs "2tausend3", wobei Zielgruppenbedürfnisse und Gestaltungspräferenzen im Mittelpunkt stehen.
5. FAZIT: Die Autoren reflektieren ihre Arbeit, bestätigen die Notwendigkeit empirischer Leserforschung für Relaunch-Projekte und geben einen Ausblick auf die weitere Umsetzung.
6. ANHANG: Dieser Teil beinhaltet die verwendeten Fragebögen, die zur Datenerhebung der Relaunch-Studie dienten.
Schlüsselwörter
Relaunch, Studentenmagazin, Medienökonomie, Zeitschriftenlayout, Zielgruppenbefragung, Printproduktion, Zeitschriftenmarke, Leserbindung, Mediaplanung, Corporate Identity, Empirische Sozialforschung, "2tausend3", "KeeX", Hochschulmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Konzeption und Durchführung eines Relaunch-Projekts für das Hochschulmagazin "KeeX" an der TU Ilmenau, um dessen Qualität und Attraktivität für die studentische Zielgruppe zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen der Zeitschriftenproduktion und des Layouts mit einer praktischen Konzeption und einer empirischen Zielgruppenbefragung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftlich fundierte Analyse und einen strukturierten Prozess (Relaunch) ein neues, modernisiertes Magazin-Produkt ("2tausend3") zu definieren, das den Bedürfnissen der studentischen Leser entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine schriftliche, strukturierte Leserbefragung (Teilerhebung) durchgeführt, um Einstellungen und Präferenzen zur Gestaltung und zu Inhalten von Hochschulmagazinen zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen (Medienökonomie, Layout, Druck), den konzeptionellen Relaunch-Plan sowie die Durchführung und Auswertung der empirischen Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Relaunch, Studentenmagazin, Medienökonomie, Zeitschriftenlayout, Zielgruppenbefragung, Printproduktion und Leserbindung.
Wie unterscheidet sich "2tausend3" vom ursprünglichen "KeeX"?
Das neue Konzept "2tausend3" sieht unter anderem eine höhere Auflage, ein einheitliches zweispaltiges Layout, einen durchgängigen Vierfarbdruck und eine professionellere inhaltliche Strukturierung vor.
Was ergab die Untersuchung zur Zahlungsbereitschaft der Studenten?
Überraschenderweise zeigte die Befragung, dass zwei Drittel der Studenten bereit sind, einen Betrag zwischen null und zwei Euro für ein qualitativ überzeugendes Studentenmagazin zu zahlen.
Welche Rolle spielt das Layout nach Einschätzung der Autoren?
Das Layout wird nicht als reine Geschmackssache gesehen, sondern als strategisches Mittel, um redaktionelle Inhalte zielgruppengerecht und konsumfreundlich aufzubereiten und Aufmerksamkeit zu binden.
Warum wird die Kontrollgruppe in der Studie einbezogen?
Die Kontrollgruppe dient dazu, die Ergebnisse der Hauptbefragung zu validieren, wobei sie den Dummy ohne den direkten Vergleich zum ursprünglichen, als eher mangelhaft empfundenen "KeeX" bewertete.
- Quote paper
- Dipl.-Medienwiss. Thomas Guttsche (Author), Markus Hevesi (Author), 2004, Relaunch eines Hochschulmagazins, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94317