Ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit ist die Grundvoraussetzung für den Schutz der Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt. Aufgrund dieser Globalisierung hat sich der Druck auf die deutschen Automobilhersteller (OEMs) in den letzten Jahren deutlich erhöht. Diese nutzen jedoch ihre Marktmacht, um diesen Druck auf ihre Zulieferbetriebe abzuwälzen. Die OEMs geben immer mehr Wertschöpfung an Zulieferer ab, sowohl im Bereich der Teilezulieferung als auch im Bereich Forschung und Entwicklung und reduzieren somit ihre eigene Wertschöpfung. Den Großteil ihrer Teile beziehen OEMs von First-Tier-Lieferanten (Modul-/ Systemlieferanten), die wiederum von Second-Tier-Lieferanten und diese wiederum von Third-Tier-Lieferanten beliefert werden.
Der Fokus der Arbeit liegt auf den Zulieferern der 2. und 3. Stufe. Diese meist mittelständisch geprägten Unternehmen besitzen zwar hohe Kompetenzen im Kern, jedoch fehlt es an Ressourcen, um im zunehmend beschleunigten Innovationswettlauf mithalten zu können. Das firmeneigene Know-how reicht oft nicht für komplexe und übergreifende Innovationen aus, die aufgrund der aktuellen Automobiltrends Mechatronik, neue Materialien und komplette Vernetzung im Automobil vonnöten wären. Darüber hinaus besitzen diese Unternehmen nur sehr begrenzte personelle, technische und finanzielle Mittel, um den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden. Daher sind die 2nd und 3rd- Tier- Lieferanten besonders darauf angewiesen, das eigene Know-how mit dem komplementären Wissen anderer Organisationen zu verbinden. Das Eingehen von Kooperationen entlang des gesamten Wertschöpfungsprozesses ist unumgänglich. Diese Arbeit soll insbesondere Kooperationen in der Ideen- und der Umsetzungsphase des Innovationsprozesses beleuchten, da diese das größte Potenzial zur Verbesserung der Innovationsfähigkeit bieten.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, das Kooperationsverhalten der Automobilzulieferer der zweiten und dritten Stufe im Bundesland Nordrhein Westfalen in der Ideen- und Umsetzungsphase des Innovationsprozesses zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Problemstellung
1.2 Aufbau der Diplomarbeit
2 Grundlagen und Begriffe
2.1 Grundlagen der unternehmerischen Innovationstätigkeit
2.1.1 Begriff und Charakteristika der Innovation
2.1.2 Ziele und Aufgaben des Innovationsmanagements
2.1.3 Ideengewinnung
2.1.3.1 Ideensammlung
2.1.3.2 Interne Ideengenerierung
2.1.3.3 Externe Ideengenerierung
2.1.4 Ideenbewertung
2.1.5 Umsetzung
2.1.5.1 Besonderheiten von Innovationen und Arbeitsformen zu deren Umsetzung
2.1.5.2 Bestandteile des Projektmanagements
2.1.6 Bedeutung der Ideen- und Umsetzungsphase
2.2 Grundlagen kooperativer Arrangements
2.2.1 Kennzeichnung des Kooperationsbegriffs
2.2.2 Klassifikationskriterien von Kooperationen
2.2.3 Kooperationsformen
2.3 Das Tier-Konzept und die Zulieferpyramide
3 Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase
3.1 Kooperationsmotive
3.1.1 Kostengründe
3.1.2 Zeitliche Gründe
3.1.3 Qualitätsgründe
3.2 Gestaltung von Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase
3.2.1 Denkbare Kooperationsobjekte
3.2.2 Denkbare Kooperationspartner
3.3 Barrieren bei Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase
3.4 Thesenbildung
4 Überprüfende empirische Untersuchung zu Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase
4.1 Empirische Erhebung
4.1.1 Erhebungsverfahren und Aufbau des Fragebogens
4.1.2 Grundgesamtheit und Stichprobenauswahl
4.1.3 Ablauf der Datenerhebung
4.1.4 Methodik der Datenauswertung
4.2 Ergebnisse der empirischen Erhebung
4.2.1 Charakterisierung der Stichprobe
4.2.1.1 Brancheneingrenzung und Größenverteilung des Samples
4.2.1.2 F&E-Verhalten des Samples
4.2.2 Kooperationen im Allgemeinen
4.2.2.1 Kooperationspartner, -intensität und –bereiche
4.2.2.2 Kooperationsmotive
4.2.3 Ideenphase
4.2.3.1 Ideenherkunft
4.2.3.2 Ideenprozess
4.2.3.3 Kooperationspartner und -intensität
4.2.4 Umsetzungsphase
4.2.4.1 Aufbau des Projektmanagements
4.2.4.2 Kooperationspartner und –intensität
4.2.4.3 Suche und Aufbau von Partnerschaften
4.2.5 Widerstände und Hindernisse bei Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase
4.2.5.1 Hindernisse
4.2.5.2 Gründe für das Nichtzustandekommen von Kooperationen mit den verschiedenen Partnern
5 Zusammenfassung der bedeutsamsten Resultate und ein möglicher Lösungsansatz
Zielsetzung & Forschungsgegenstand
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, das Kooperationsverhalten von Automobilzulieferern der zweiten und dritten Stufe (Second- und Third-Tier-Lieferanten) im Bundesland Nordrhein-Westfalen innerhalb der Ideen- und Umsetzungsphase des Innovationsprozesses wissenschaftlich zu analysieren. Es soll geklärt werden, wie diese Unternehmen ihre Kooperationen praktisch gestalten und welche Schwierigkeiten oder Hindernisse dabei auftreten, um daraus Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Innovationsfähigkeit abzuleiten.
- Analyse des Kooperationsverhaltens von KMUs in der Automobilzulieferindustrie.
- Untersuchung der Motive für Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase.
- Identifikation von Barrieren und Hindernissen bei der praktischen Umsetzung.
- Evaluierung der aktuellen Kooperationsintensität und -formate.
- Entwicklung eines Lösungsansatzes zur Steigerung der Kooperationsaktivitäten (z. B. durch Cluster-Bildung).
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Kostengründe
Wie bereits anhand mehrer Studien erwiesen wurde, haben kleine und mittelständische Unternehmen Schwierigkeiten, Innovationsvorhaben zu finanzieren. Wie bereits in Punkt 2.1.7 angesprochen, kommt der Ideen- und der Umsetzungsphase unter monetären Gesichtspunkten daher eine besondere Rolle zu. Zum einen wird in der Ideenphase ein Großteil der zukünftigen Projektkosten geplant. So kann bereits zu Anfang eines Innovationsprozesses auf eine Kostenreduzierung eingegangen werden. Zum anderen entsteht während der Umsetzungsphase der Hauptteil an Projektkosten. Auch hier ist wieder ein Ansatzpunkt, um die anfallenden Kosten zu reduzieren.
Als erstes Motiv ist die Schonung finanzieller Kapazitäten zu nennen. Durch Kooperationen weist dieser Aspekt sowohl in der Ideen- als auch der Umsetzungsphase diverse Vorteile auf. Gerade in der Ideenphase ist ein fundiertes und breites Know-How vonnöten. Durch eine Kooperation können beide Partner ohne zusätzliche Kosten Wissen austauschen. Ohne eine Kooperation müssten beide Unternehmen dieses Know-how kaufen oder sich kostspielig selbst aneignen. In der Umsetzungsphase ist eine Kooperation ebenfalls vorteilhaft. Zum einen werden die anfallenden Projektkosten unter den Kooperationspartnern aufgeteilt. Zum anderen besteht die Möglichkeit, in einem Unternehmenszusammenschluss andere Finanzierungsmittel nutzen zu können als ohne Kooperationspartner.
Als zweites Motiv ist die eigene Risikoverteilung bzw. –minderung zu nennen. Die Vorteilhaftigkeit dieses Motivs gilt gleichermaßen für beide Phasen. Sowohl in der Ideen- als auch in der Umsetzungsphase werden im Falle eines Scheiterns die Verluste zwischen beiden Partnern aufgeteilt. Zu welchen Teilen jeder Partner verantwortlich ist, ist bei jeder Kooperation unterschiedlich. Zudem mindert das breitere Wissen, welches man durch die Kooperation gewonnen hat, die Wahrscheinlichkeit, dass das Innovationsprojekt misslingt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert den Aufbau der Diplomarbeit sowie die zentralen Forschungsfragen.
2 Grundlagen und Begriffe: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Innovationstätigkeit, des Innovationsmanagements sowie die Kriterien und Formen von Kooperationen.
3 Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase: Hier erfolgt eine Verknüpfung der Innovationsphasen mit Kooperationsmotiven, Gestaltungsmöglichkeiten und den relevanten Barrieren für Zulieferbetriebe.
4 Überprüfende empirische Untersuchung zu Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase: Dieses Kapitel stellt die Methodik der empirischen Erhebung bei Automobilzulieferern dar und analysiert detailliert die Ergebnisse hinsichtlich Partnern, Motiven, Prozessen und Hindernissen.
5 Zusammenfassung der bedeutsamsten Resultate und ein möglicher Lösungsansatz: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammen und präsentiert mit dem Clustermodell einen Lösungsansatz zur Verbesserung der Kooperationsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Automobilzulieferer, Innovationsprozess, Ideenphase, Umsetzungsphase, Kooperation, Innovationsmanagement, KMU, Forschungs- und Entwicklungskooperation, Projektmanagement, Innovationsfähigkeit, Nordrhein-Westfalen, Unternehmenskooperation, Wissensmanagement, Risikomanagement, Clusterbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Kooperationsverhalten von mittelständischen Automobilzulieferern in Nordrhein-Westfalen innerhalb der kritischen Ideen- und Umsetzungsphasen des Innovationsprozesses.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind Innovationsmanagement, die Ausgestaltung von unternehmensübergreifenden Kooperationen sowie die spezifischen Barrieren und Motive, die bei der Zusammenarbeit in der Automobilzulieferkette auftreten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine empirische Bestandsaufnahme zu verstehen, wie und warum Automobilzulieferer kooperieren, um daraus Strategien für eine verbesserte Innovationskraft abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine deskriptive empirische Untersuchung durch, basierend auf einer Online-Fragebogenaktion mit 256 teilnehmenden Unternehmen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit inhaltlich ab?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Innovation und Kooperation, eine detaillierte Analyse der Kooperationsmotive und -barrieren sowie die Auswertung der empirischen Daten zu Partnern, Prozessen und Projektmanagement.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Automobilzulieferer, Innovationsphasen, Kooperationsmanagement, KMU, Projektmanagement, Risikoverteilung und Netzwerkbildung.
Welche Rolle spielt die "Zulieferpyramide" für die Argumentation des Autors?
Die Arbeit fokussiert sich bewusst auf die zweite und dritte Stufe der Zulieferpyramide, da diese Unternehmen zwar hohe Kernkompetenzen besitzen, aber oft über begrenzte Ressourcen für komplexe Innovationen verfügen.
Welchen Lösungsansatz schlägt der Verfasser zur Stärkung der Kooperationsaktivitäten vor?
Als Lösungsansatz wird die Bildung von Clustern empfohlen, um Synergieeffekte zu nutzen, Wissenstransfer zu fördern und gemeinsam Zugang zu Infrastruktur und Fördermitteln zu erhalten.
- Quote paper
- Christoph Hesse (Author), 2008, Kooperationen in der Ideen- und Umsetzungsphase des Innovationsprozesses bei mittelständischen Automobilzulieferern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94266