In dieser Projektarbeit wurde der Zusammenhang der Körpergröße einer Person mit den Persönlichkeitsmerkmalen der Big-Five näher untersucht. Dabei ging es vor allem um die Persönlichkeitsdimension Extraversion, die eine der fünf Persönlichkeitsmerkmale darstellt. Die Forschungsfrage war folglich: Gibt es einen einen Zusammenhang zwischen der Körpergröße und dem Persönlichkeitsmerkmal Extraversion? Grundlage für die Untersuchung waren zwei theoretische Ansätze. Zum einen gibt es das alltagspsychologische Klischee sowie den wissenschaftlichen Beweis dafür, dass größere Menschen durchsetzungsstärker und erfolgreicher im Beruf sind. Zum anderen besagt der Napoleon Komplex, dass kleinere Männer ihre kleine Körperstatur und ein damit einhergehenden Minderwertigkeitskomplex mit dem Streben nach Macht beantworten. Die beiden Theorien setzten die Grundlage, zu untersuchen, ob generell Persönlichkeitsmerkmale mit der Größe eines Menschen korrelieren. Die Stichprobe setzte sich aus 181 Versuchspersonen (56,9% weiblich, 43,1% männlich) im Alter von 20 bis 75 Jahre zusammen. Die Probanden bearbeiteten den Big-Five-Persönlichkeitstest (B5T) von Satow, der neben Extraversion auch weitere Persönlichkeitsdimensionen testet. Zudem gaben die Probanden soziodemografische Daten an. Es zeigte sich, dass bei Frauen wie auch bei Männern kein Zusammenhang zwischen ihrer Körpergröße und dem Persönlichkeitsmerkmal Extraversion besteht. Ferner konnte jedoch belegt werden, dass es bei Frauen einen geringen bis mittelgroßen negativen Zusammenhang zwischen der Körpergröße und dem Bedürfnis nach Macht und Einfluss gibt. Der Prädiktor Größe leistet einen signifikanten Beitrag zur Vorhersage des Bedürfnisses nach Macht und Einfluss. Hinsichtlich der Auswertung der männlichen Probanden konnten keine signifikanten Ergebnisse ermittelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Ansatz
2.1 Begriffsbestimmung – Das Konstrukt der Persönlichkeit
2.1.1 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit
2.1.2 Das Konstrukt der Extraversion
2.2 Überblick zum Zusammenhang von Körpergröße und Persönlichkeit
2.3 Überblick zum Zusammenhang von Körpergröße und Berufserfolg
2.4 Der Napoleon Komplex
3 Forschungsfrage und Datenerhebung
3.1 Hypothesen
3.2 Methodische Vorgehensweise
3.3 Forschungsfeld und Untersuchungsgruppe
3.4 B5T Big-Five Persönlichkeitstest
4 Ergebnisse und Interpretation
4.1 Ergebnisse
4.1.1 Korrelationen
4.2 Weitere Untersuchungen
4.2.1 Zusammenhang zwischen Körpergröße und dem Bedürfnis nach Macht und Einfluss
4.3 Interpretation
5 Diskussion
5.1 Kritik und Ausblick
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht wissenschaftlich, ob ein statistischer Zusammenhang zwischen der Körpergröße einer Person und ihrer Ausprägung im Persönlichkeitsmerkmal Extraversion sowie dem Bedürfnis nach Macht und Einfluss besteht. Dabei werden alltagspsychologische Klischees wie der "Napoleon-Komplex" empirisch hinterfragt.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Körpergröße und Extraversion
- Empirische Untersuchung des sogenannten Napoleon-Komplexes
- Evaluation des Einflusses der Körpergröße auf das Machtbedürfnis
- Vergleich der Ergebnisse zwischen männlichen und weiblichen Probanden
- Einsatz des Big-Five-Persönlichkeitstests (B5T) zur Datenerhebung
Auszug aus dem Buch
2.4 Der Napoleon Komplex
Die vorgestellten Forschungsergebnisse in Bezug auf Körpergröße und beruflichen Erfolg werfen die Frage nach einer möglichen Diskriminierung kleinerer Männer auf, welche zu einer weiteren Theorie führt, dem sogenannten Napoleon-Komplex. Der Napoleon-Komplex, auch Short Man Syndrom genannt, wurde von Alfred Adler geprägt, der annimmt, dass ein Minderwertigkeitskomplex mit dem Streben nach Macht beantwortet wird (vgl. Adler, 2008, 70ff). Kleinere Männer fühlen sich durch ihre kleine Körpergröße demnach ungenügend („inadequate“), was ein Minderwertigkeitsgefühl und ein aggressiveres Verhalten hervorruft (Adler, 1956, Martel & Biller, 1987, zitiert nach Judge und Cable, 2004). Männer minderer Körpergröße versuchen diese also durch „von außen sichtbare Erfolge und Statussymbole zu kompensieren“ (Stangl, o.D.). Der Wille zur Macht stellt nach Bleidick eine Form der Kompensation von Minderwertigkeitserlebnissen dar (Bleidick 1989, zitiert nach Hillenbrand, 2011, S. 159). Wird die Minderwertigkeit zu übersteigert wahrgenommen, kann sie zu einem Minderwertigkeitskomplex führen (Hillebrand, 2011, S. 159). „Das Ergebnis einer nicht vollständigen gelungenen und in das Sozialgefüge produktiv eingeordneten Überkompensation“ können sogar in Verhaltensstörungen enden (Bleidick 1989, zitiert nach Hillenbrand, 2011, S.160). Der Machtwille bzw. ein Geltungsbedürfnis entsteht also aus einem Minderwertigkeitskomplex, welcher bei Napoleon, dem Namensgeber für dieses Phänomen, wohl durch dessen Körpergröße ausgelöst wurde. Auch wenn heute angenommen wird, dass Napoleon mit einer Größe von 1,67 Metern dem damaligen Durchschnitt entsprach, so werden heutzutage seine erfolgreichen militärischen Eroberungen als Kompensation für den vermuteten Minderwertigkeitskomplex erklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Körpergröße im Kontext von Führungspositionen und die Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Napoleon-Komplexes.
2 Theoretischer Ansatz: Erläuterung der Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie, des Fünf-Faktoren-Modells, des Konstrukts der Extraversion sowie bestehender Forschung zum Zusammenhang zwischen Körpergröße und Berufserfolg.
3 Forschungsfrage und Datenerhebung: Formulierung der Hypothesen sowie detaillierte Beschreibung der methodischen Vorgehensweise bei der Datenerhebung mittels einer Online-Umfrage und dem B5T-Test.
4 Ergebnisse und Interpretation: Darstellung und statistische Analyse der erhobenen Daten, inklusive der Korrelationsanalysen zwischen Körpergröße, Extraversion sowie dem Bedürfnis nach Macht und Einfluss.
5 Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund bestehender Theorien, Diskussion von Einschränkungen der Studie sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Körpergröße, Persönlichkeit, Extraversion, Big-Five, Napoleon-Komplex, Machtbedürfnis, Einfluss, Berufserfolg, Führung, Psychologie, Empirische Untersuchung, B5T, Korrelation, Diskriminierung, Minderwertigkeitskomplex.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht den wissenschaftlich oft diskutierten, aber empirisch schwer belegbaren Zusammenhang zwischen der Körpergröße einer Person und ihren Persönlichkeitsmerkmalen, insbesondere Extraversion und Machtstreben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das Big-Five-Modell der Persönlichkeit, der Einfluss der physischen Erscheinung auf die Wahrnehmung im Beruf sowie psychologische Erklärungsansätze für Verhaltenskompensationen bei kleinerer Körpergröße.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob signifikante Korrelationen zwischen Körpergröße und Extraversion bestehen und ob der sogenannte Napoleon-Komplex empirisch gestützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittsuntersuchung mittels einer Online-Befragung durchgeführt, bei der die Daten mit dem B5T-Persönlichkeitstest erhoben und mittels R statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen zur Persönlichkeit dargelegt, die Datenerhebungsmethoden beschrieben und die empirischen Ergebnisse in Bezug auf Korrelationen sowie Regressionsanalysen detailliert dargestellt und interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Körpergröße, Persönlichkeit, Big-Five, Napoleon-Komplex, Machtbedürfnis und Extraversion sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.
Warum konnte kein Zusammenhang bei Männern im Hinblick auf den Napoleon-Komplex gefunden werden?
Die Studie konnte entgegen der Erwartungen bei männlichen Probanden keine signifikante Korrelation zwischen Körpergröße und Machtorientierung feststellen, was im Widerspruch zur klassischen Theorie des Napoleon-Komplexes steht.
Welches unerwartete Ergebnis ergab sich bei den weiblichen Probanden?
Es wurde eine signifikante negative Korrelation bei Frauen festgestellt: Kleinere Frauen wiesen ein stärkeres Bedürfnis nach Macht und Einfluss auf als größere Frauen.
Welche Kritik übt die Autorin am gewählten Studiendesign?
Die Autorin weist auf die geringe Kontrollierbarkeit der Erhebungssituation bei einer Online-Befragung sowie auf mögliche Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit und eine nicht repräsentative Stichprobe hin.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Der Zusammenhang zwischen Körpergröße und den Big-Five Persönlichkeitsmerkmalen. Eine empirische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937900