In dieser Arbeit wird die Struktur der Liturgie der orthodoxen Kirche auf ihre historische Wandelbarkeit hin untersucht.
Dabei werden zu Beginn einige theologische Präsumtionen –mitsamt deren konkreten Erscheinungsformen – zur Rolle der Liturgie in der orthodoxen Kirche herausgestellt. Anhand dieser Erscheinungsformen soll anschließend gezeigt werden, inwiefern auch unter orthodoxen Theologen das Narrativ der Göttlichen Liturgie als eines homogenen und durch alle Zeiten hindurch unveränderlichen rituellen Gebildes dominant ist.
Daran anknüpfend wird dieses verbreitete Narrativ einer Untersuchung über historische Veränderungsprozesse in Struktur, Erscheinung und Text der Göttlichen Liturgie gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung soll den inhaltlichen Schwerpunkt der Ausarbeitung bilden. Insbesondere wird dabei gezeigt, ob die von vielen orthodoxen Theologen kolportierte Unwandelbarkeit der Göttlichen Liturgie mit der historischen Realität als kongruent einzustufen ist.
Als zentrale Bezugsquellen der geschichtlichen Auseinandersetzung mit der Göttlichen Liturgie wird sich dabei primär auf die Ausführungen Ivan Dmitrevskijs (19.Jahrhundert) und Robert Tafts (21.Jahrhundert) berufen, welche die Göttliche Liturgie in ihrer jeweiligen Zeit aus einer historisch-kritischen Perspektive heraus beleuchtet haben.
Jedoch werden zunächst einige grundlegende Charakteristika des orthodoxen Liturgieverständnisses benannt, die für eine differenzierte Beschäftigung mit dem Spannungsverhältnis von Tradition und Erneuerung im Zusammenhang mit der Göttlichen Liturgie nicht ausgespart werden dürfen.
Inhaltsverzeichnis
- Die Göttliche Liturgie in der orthodoxen Kirche
- Vorüberlegungen
- Herausragende Stellung der Liturgie
- Eschatologisches Liturgieverständnis
- Sacramentum vs. Mvστηpiov
- Eigenarten und Erscheinungsformen
- Verbindung von Liturgie und Wahrheit
- Enge Traditionsbehaftung
- Rückzug ins Muστηpiov
- Einstellung zu Wandel und Erneuerung
- Bereitschaft zu liturgischem Wandel?
- Abgrenzungsmentalität
- Behauptung liturgischer Kontinuität
- Historischer Wandel in der Göttlichen Liturgie
- Beispiele für Wandel in der orthodoxen Liturgie
- Geschichtliche Hintergründe zum Wandel
- Historisch-kritische Liturgiedeutung
- Robert Taft und die Chrysostomos-Liturgie
- Erklärungsversuche einer einseitigen Perspektive
- Identitätsstiftung durch Abgrenzung
- Historische Vorbehalte gegen den Westen
- Wandel durch Erneuerungsbewegungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Ausarbeitung analysiert das Spannungsverhältnis von Tradition und Erneuerung in der Göttlichen Liturgie der orthodoxen Kirche. Ziel ist es, die Rolle der Liturgie innerhalb der orthodoxen Theologie und Praxis zu beleuchten und die historische Wandelbarkeit der Göttlichen Liturgie zu untersuchen.
- Die herausragende Stellung der Liturgie in der orthodoxen Kirche und ihre Verbindung zu Spiritualität und Glauben.
- Das eschatologische Verständnis der Liturgie als Ausdruck der Umgestaltung und Erneuerung der Welt.
- Die traditionellen Eigenarten und Erscheinungsformen der Göttlichen Liturgie sowie die Behauptung einer unveränderlichen Liturgie.
- Die historische Entwicklung der Göttlichen Liturgie und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven auf den Wandel.
- Die Rolle von Identitätsstiftung durch Abgrenzung und die historische Vorbehalte gegen den Westen im Kontext des Wandels.
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel widmet sich dem Stellenwert der Göttlichen Liturgie in der orthodoxen Kirche. Es werden zentrale theologische Präsumtionen zum Verständnis der Liturgie als Ausdruck des orthodoxen Glaubens und zum eschatologischen Charakter der Liturgie erläutert. Das zweite Kapitel untersucht den historischen Wandel in der Göttlichen Liturgie. Es werden historische Beispiele für Veränderungen in Struktur, Erscheinung und Text der Liturgie aufgezeigt sowie die Perspektive von Ivan Dmitrevskij und Robert Taft auf die historische Entwicklung der Göttlichen Liturgie vorgestellt.
Schlüsselwörter
Orthodoxe Kirche, Göttliche Liturgie, Tradition, Erneuerung, Liturgieverständnis, Eschatologie, Historischer Wandel, Identitätsstiftung, Abgrenzung, Historische Vorbehalte, Robert Taft, Ivan Dmitrevskij.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Göttliche Liturgie der orthodoxen Kirche unveränderlich?
Obwohl oft ein Narrativ der Unwandelbarkeit kolportiert wird, zeigt die Arbeit anhand historischer Untersuchungen, dass es über die Jahrhunderte signifikante Veränderungen in Struktur und Text gab.
Was bedeutet das „eschatologische Liturgieverständnis“?
Die Liturgie wird als Ausdruck der Umgestaltung und Erneuerung der Welt verstanden, die das kommende Reich Gottes bereits in der Gegenwart erfahrbar macht.
Wer sind Ivan Dmitrevskij und Robert Taft?
Es sind bedeutende Theologen und Historiker, die die Göttliche Liturgie aus einer historisch-kritischen Perspektive untersucht und deren Wandel dokumentiert haben.
Warum wird in der Orthodoxie so stark an der Tradition festgehalten?
Die enge Traditionsbehaftung dient der Identitätsstiftung und oft auch der bewussten Abgrenzung gegenüber westlichen kirchlichen Einflüssen.
Was ist der Unterschied zwischen „Sacramentum“ und „Mysterion“?
Die Arbeit beleuchtet diese Begriffe im Kontext des orthodoxen Sakramentsverständnisses, das den Rückzug ins Geheimnisvolle (Mysterion) betont.
Gibt es heute Erneuerungsbewegungen in der orthodoxen Liturgie?
Die Arbeit untersucht Erklärungsversuche für liturgischen Wandel und fragt nach der heutigen Bereitschaft der orthodoxen Kirche zu Reformen.
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- Tobias Laubrock (Author), 2020, Die Göttliche Liturgie der Orthodoxen Kirche im Spannungsverhältnis von Tradition und Erneuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936856