Proust interessierte sich kaum für die Mode, zumindest was sein Privatleben betrifft. Dennoch übernimmt sie in seiner Recherche eine wichtige Funktion. Sie dient nicht, beziehungsweise nur sehr wenig, einer detaillegetreuen Darstellung der Epoche. Proust nutzt die Mode vielmehr, um durch sie die sonst tief im Inneren einer Persönlichkeit
versteckten Charakteristiken sichtbar zu machen. Das heißt, Proust beschreibt nicht die Mode an sich, sondern er zeichnet durch die Modebeschreibungen ein raffiniertes und durchdringendes Bild der Persönlichkeit seiner Figuren.
Ziel dieser Arbeit ist die Analyse der Verknüpfung von Persönlichkeitsbildern und vestimentärer Inszenierung in der Recherche.
Es soll dargestellt werden, wie er die literarische Fiktion nutzt, um dem Leser eine detaillierte Vorstellung vom Aussehen der Figuren zu vermitteln und viel wichtiger den Charakter und die Wesensart der dargestellten Figuren zu offenbaren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kleider, Trachten, Mode - Begriffsabgrenzung und Funktionalitäten
- Begriffsabgrenzung
- Funktion und Wirkung der Mode
- Mode als Differenzierungsmedium
- Mode als Mittel zur Koketterie
- Mode als Mediateur der Persönlichkeit und Psyche
- Kostümhistorische Betrachtung der Recherche
- Historische Einordnung der Recherche
- Historischer Abriss des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts unter kritischer Betrachtung der Lebensart der mondänen Gesellschaft
- Die Entwicklung der Mode im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert
- Externe Einflussfaktoren der modischen Entwicklung
- Die Damenmode von 1870 bis 1919
- Die Herrenmode von 1870 bis 1919
- Marcel Proust, sein Verhältnis zur Mode und die Umsetzung in der Recherche
- Marcel Proust – mondäner Dandy, Modejournalist oder Künstler?
- Die Mode in der Recherche
- Die Mode und die Figuren der Recherche
- Die Mode und die Räume der Recherche
- Der soziale Raum
- Der geografische Raum
- Die Mode und die Zeit der Recherche
- Die Mode und die schönen Künste
- Die Funktion der Modedarstellung in der Recherche am Beispiel ausgewählter Figuren
- Odette
- Herkunft und sozialer Status Odettes
- Odettes vestimentäre Inszenierung
- La dame en rose
- Odette, Swann und Botticelli – Der Aufstieg einer Kokotte
- Ein Kreislauf schließt sich von der dame en blanc zurück zur dame en rose
- Charlus
- Herkunft und sozialer Status
- Charlus' vestimentäre Inszenierung
- Albertines
- Herkunft und sozialer Status Albertines
- Albertines vestimentäre Inszenierung
- Von Balbec nach Paris – von der jeune cycliste zur dame élégante
- Sexuelle Performanz - modisch inszeniert
- Die Farbsymbolik in Albertines Mode
- Albertine, Fortuny und die Sehnsucht nach Venedig
- Odette
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Rolle der Mode in Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ mit dem Schwerpunkt auf der Figur der Albertine. Die Arbeit analysiert, wie Proust die vestimentäre Inszenierung der Figuren nutzt, um deren Charaktere, Beziehungen und die gesellschaftlichen Kontexte darzustellen.
- Die Funktion der Mode als Mittel der sozialen Differenzierung und Selbstinszenierung
- Die Bedeutung der Kleidung als Ausdruck von Identität und Psyche
- Die Analyse der vestimentären Inszenierung der Figur der Albertine in Bezug auf ihre Entwicklung, ihre Beziehungen und ihre soziale Position
- Die Verbindung zwischen Mode und Kunst im Werk Prousts
- Der Einfluss der Mode auf die Zeitlichkeit und den Raum der Recherche
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel der Arbeit befasst sich mit der Begriffsabgrenzung der Begriffe „Kleidung“, „Tracht“ und „Mode“ sowie mit der Analyse ihrer Funktionen. Es wird gezeigt, dass die Mode sowohl als Differenzierungsmedium, als auch als Mittel zur Koketterie und zur Inszenierung der Persönlichkeit und Psyche fungiert. Das zweite Kapitel widmet sich der kostümhistorischen Einordnung der Recherche. Es bietet einen historischen Abriss der Mode im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und beleuchtet die Entwicklung der Damen- und Herrenmode in diesem Zeitraum. Das dritte Kapitel behandelt Marcel Prousts Verhältnis zur Mode und die Umsetzung der Mode in der Recherche. Es wird untersucht, wie Proust die Mode als Mittel der Charakterisierung und der Inszenierung des sozialen Raumes, des geografischen Raumes und der Zeit nutzt. Das vierte Kapitel analysiert die Funktion der Modedarstellung in der Recherche am Beispiel ausgewählter Figuren. Dabei werden Odette, Charlus und Albertine in den Mittelpunkt gestellt.
Schlüsselwörter
Marcel Proust, „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, Mode, Kleidung, Kostümgeschichte, vestimentäre Inszenierung, soziale Differenzierung, Koketterie, Identität, Psyche, Albertine, Odette, Charlus, Belle Époque, Fortuny,
- Arbeit zitieren
- Anja Pfeiffer (Autor:in), 2007, Proust und die Mode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93391