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Die Bedeutung der Frauenförderung und des Gender-Ansatzes für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan

Title: Die Bedeutung der Frauenförderung und des Gender-Ansatzes für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan

Thesis (M.A.) , 2007 , 111 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Winnie Kauderer (Author)

Politics - Topic: Development Politics
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Afghanistan stellt für das internationale Engagement eine besondere Herausforderung dar. Nach 23 Jahren Bürgerkrieg, auf welchen auch immer wieder ausländische Kräfte Einfluss nahmen, gehört es zu den ärmsten Ländern der Welt. Es ist gekennzeichnet durch eine weit¬gehende Zerstörung der physischen Infrastruktur, soziale Fragmentierung und einen Zusammenbruch der bisherigen staatlichen Strukturen sowie eine Gewalt- und Drogenökonomie.
Seit dem Ende der Taliban-Herrschaft im Winter 2001 stehen die afghanischen Frauen im Fokus der Weltöffentlichkeit und gelten seither häufig als Messlatte für den Erfolg der internationalen Wiederaufbauhilfe in Afghanistan. Dabei ist die Beurteilung der Geschlechtervehältnisse in Afghanistan insbesondere in den Medien des Nordens von Vorurteilen gekenzeichnet. Im Allgemeinen gilt die Burqa, die Ganzkörperverschleierung, als Symbol für die Unterdrückung der afghanischen Frau. Als Schlussfolgerung daraus wird das Ablegen der Burqa mit „Frauenbefreiung“ gleichgesetzt. Diese Position wird in Afghanistan selbst nur von wenigen, der westlich orientierten Oberschicht angehörenden, Frauen vertreten. Für die meisten afghanischen Frauen liegen die Prioritäten zurzeit eher auf Fragen der Bildung, der menschlichen Sicherheit und einer funktionierenden Regierung, die „Burqafrage“ sehen sie als zweitrangig an.
Tatsächlich stellt sich die Situation der Afghaninnen bis heute ambivalent dar. Der Einfluss der afghanischen Zentralregierung und der internationalen Akteure reicht über Kabul und die übrigen Großstädte kaum hinaus. Der Gesetzgebung, welche eine Gleichberechtigung der Geschlechter garantiert, stehen vornehmlich in den ländlichen Regionen traditionelle und tribale Regelungen gegenüber. Insbesondere im Süden des Landes ist der Schulbesuch von Mädchen noch immer für weite Teile der Bevölkerung inakzeptabel und die Müttersterblichkeitsrate in Afghanistan gehört zu den höchsten weltweit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemaufriss

1.2. Literatur und Forschungsstand

1.3. Vorgehensweise

1.4. Geschichte der Frauen- und Geschlechterpolitik in der EZ

1.4.1. Wohlfahrtsansatz

1.4.2. Gleichheitsansatz, Armutsbekämpfungsansatz und Effizienzansatz

1.4.3. Empowerment Ansatz

1.4.4. Gender Ansatz

1.4.5. Gender und Millennium-Entwicklungsziele

2. Rahmenbedingungen des entwicklungspolitischen Engagements in Afghanistan

2.1 Allgemeine innerafghanische Ausgangslage

2.2. Situation der afghanischen Frauen

2.2.1. Geschichte der Frauenförderung in Afghanistan

3. Die EZ zwischen der BRD und Afghanistan im Gender-Bereich

3.1. Konzeptionelle Ansätze der deutschen EZ mit Afghanistan

3.1.1. Post-Konflikt-Regelungen und multilaterale Instrumente des Wiederaufbaus

3.1.1.1. Das Petersberg-Abkommen

3.1.1.2. Der Petersberg-Prozess

3.1.1.3. Die „afghanisierten“ MEZ

3.1.1.4. Die Interim-Afghanistan National Development Strategy

3.1.1.5. Der Afghanistan Compact

3.1.2. Konzeptionelle Ansätze der BRD

3.1.2.1. Das Afghanistan-Konzept der Bundesregierung

3.1.2.2. Die Provincial Reconstruction Teams

3.2. Genderpolitische Wirkungen der deutschen EZ mit Afghanistan

3.2.1. Projekte der KfW Entwicklungsbank

3.2.1.1. Aufbau der Infrastruktur

3.2.1.2. Aufbau der „First Microfinance Bank“

3.2.2. Projekte der GTZ

3.2.2.1. Entwicklungsorientierte Nothilfe

3.2.2.2. Beschäftigungsförderung von Frauen

3.2.2.3. Förderung der Rechtsstaatlichkeit

3.2.2.4. Gender Mainstreaming

3.2.2.5. Aufbau der Infrastruktur

3.2.2.6. Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft

3.2.2.7. Verbesserung der Grundbildung

3.2.3. Projekte des DED

3.2.3.1. Medienarbeit

3.2.3.2. Unterstützung afghanischer Parlamentarierinnen

3.2.3.3. Unterstützung der afghanischen Menschenrechtskommission

3.2.4. Bewertung der deutschen EZ im Gender-Bereich

4. Schlussbetrachtung

4.1. Fazit

4.2. Empfehlungen für die entwicklungspolitische Praxis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Relevanz von Frauenförderung und dem Gender-Ansatz innerhalb der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit Afghanistan. Dabei steht die Analyse im Vordergrund, wie geschlechterpolitische Konzepte in ein Post-Konflikt-Land transferiert und dort an die spezifischen sozio-kulturellen Rahmenbedingungen angepasst werden.

  • Analyse des politischen Systems Afghanistans und dessen geschlechterpolitischer Komponenten.
  • Evaluation der deutschen EZ-Durchführungsorganisationen KfW, GTZ und DED.
  • Untersuchung des "Gender-Ansatzes" sowie der "afghanisierten" Millennium-Entwicklungsziele (MEZ).
  • Bewertung der Rolle von Frauenrechten und Gender Mainstreaming in der bilateralen Zusammenarbeit.
  • Erarbeitung von Empfehlungen für eine nachhaltigere entwicklungspolitische Praxis in Afghanistan.

Auszug aus dem Buch

1.4.2. Gleichheitsansatz, Armutsbekämpfungsansatz und Effizienzansatz

Die 1970 von Ester Boserup veröffentlichte Studie „Women’s Role in Economic Development“ brachte erstmalig das, was heute als Geschlechterperspektive betrachtet wird, in den entwicklungspolitischen Diskurs ein. Die Studie erschien in einem für ihre Rezeption positiven Kontext. Der „Pearson-Bericht“ hatte hinsichtlich der Strategie „Entwicklung durch Wachstum“ eine ernüchternde Bilanz gezogen. EntwicklungsplanerInnen erkannten, dass die Trickle-Down-Hypothese sich in der Realität nicht bewahrheitet hatte, d. h. dass das relativ hohe Wirtschaftswachstum in einigen Entwicklungsländern nicht zu einer Verringerung der Armut in diesen Ländern geführt hatte, die Armut teilweise sogar weiter anstieg.

Boserups Untersuchung brach die Vorstellung auf, dass Frauen und Männer gleichermaßen vom Entwicklungsprozess profitierten. Durch die Einbeziehung nicht-monetärer Produktionsbereiche in die Studie wurden die wirtschaftlichen Leistungen der bis dahin „unsichtbaren Frauen“ sichtbar gemacht und die produktive Rolle der Frauen im Entwicklungsprozess betont. Ester Boserup kritisierte die Blindheit von Kolonialverwaltungen, Missionaren und technischen Beratern gegenüber den Unterschieden in der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und Generationen, was ihrer Ansicht nach dazu führte, dass jene Gruppen durch ihre Arbeit den Status der Frauen vielerorts sogar verschlechterten, da diese aus landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereichen verdrängt wurden.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung dieser einflussreichen Studie erstarkte in den Industrieländern die Neue Frauenbewegung, welche die Diskriminierung der Frauen auch in den Entwicklungsländern diskutierte. Damit wurden nach Bliss „westliche Entwicklungsexpertinnen, Akademikerinnen, aber auch die Mitglieder der Frauenbewegung in Nordamerika und Westeuropa […] entscheidende Akteure, die in den siebziger Jahren die Debatte um die Rolle der Frauen in Entwicklungsprozeß vorantrieben.“ Angeregt durch Boserups Studie bildete sich in Washington innerhalb der „Society for International Development“ eine Frauengruppe, die sich selbst „Women in Development“ nannte. Im Laufe der 1970er Jahre wurde „Women in Development“ (WID) zur Bezeichnung für eine ganze frauenpolitische Denkschule innerhalb der Entwicklungspolitik. In dieser Zeit wurden drei frauenpolitische Ansätze entwickelt. Sowohl Gleichheits- als auch Armutsbekämpfungs- und Effizienzansatz wollten die Geschlechterungleichheiten durch eine Integration der Frauen in den Markt bekämpfen. Die Ansätze unterscheiden sich in erster Linie dahingehend, wie die Integration erreicht werden sollte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Herausforderungen des internationalen Engagements in Afghanistan ein, beleuchtet den Stand der Forschung sowie die erkenntnisleitenden Fragestellungen der Magisterarbeit.

2. Rahmenbedingungen des entwicklungspolitischen Engagements in Afghanistan: Dieses Kapitel analysiert die prekäre Sicherheitslage, die Drogenökonomie und den Status der menschlichen Entwicklung in Afghanistan, ergänzt durch eine Untersuchung der spezifischen Situation afghanischer Frauen.

3. Die EZ zwischen der BRD und Afghanistan im Gender-Bereich: Der Hauptteil untersucht die konzeptionellen Ansätze der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ), inklusive multilateraler Instrumente wie dem Petersberg-Abkommen sowie der konkreten Projektarbeit von KfW, GTZ und DED.

4. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel zieht ein Fazit zu den untersuchten Fragestellungen und leitet daraus fundierte Empfehlungen für die zukünftige entwicklungspolitische Praxis ab.

Schlüsselwörter

Afghanistan, Entwicklungszusammenarbeit, Frauenförderung, Gender-Ansatz, Empowerment, Gender Mainstreaming, Millennium-Entwicklungsziele, Wiederaufbauhilfe, Rechtsstaatlichkeit, KfW Entwicklungsbank, GTZ, Deutscher Entwicklungsdienst, Frauenrechte, Gender-Budgeting, Post-Konflikt-Regelungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Frauenförderung und des Gender-Ansatzes innerhalb der bilateralen deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan unter Berücksichtigung der komplexen sozio-politischen Rahmenbedingungen vor Ort.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Kernbereichen gehören die Geschichte der Frauen- und Geschlechterpolitik, die Rahmenbedingungen des Engagements in Afghanistan sowie die konkreten Projekte deutscher Durchführungsorganisationen wie der KfW, GTZ und des DED.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, welchen Stellenwert Gender-Ansätze in der deutschen EZ einnehmen, wie diese an die afghanische Situation angepasst werden und ob sie den eigenen Ansprüchen der Akteure sowie den Rechten der Frauen tatsächlich gerecht werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Untersuchung basiert auf der Auswertung von Primär- und Sekundärliteratur sowie ergänzenden Experteninterviews, um die praktische Umsetzung von genderpolitischen Programmen in einem von Konflikten geprägten Kontext zu bewerten.

Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der konzeptionellen Grundlagen der deutschen EZ und eine Untersuchung der konkreten Programmarbeit, wobei die geschlechterpolitischen Wirkungen der Projekte kritisch beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem: Gender Mainstreaming, Frauenförderung, Empowerment, Millennium-Entwicklungsziele (MEZ), Wiederaufbauhilfe, Rechtsstaatlichkeit und die spezifische "afghanisierte" Strategie der Entwicklungszusammenarbeit.

Wie bewertet die Autorin die Einbindung der afghanischen Männer in Gender-Projekte?

Die Autorin betont, dass eine Einbindung der Männer essenziell ist, da sie in traditionell geprägten Strukturen als Entscheidungsträger fungieren und ohne deren Unterstützung der Gender-Ansatz Gefahr läuft, auf Widerstand zu stoßen.

Warum kritisiert die Autorin die deutsche EZ im Hinblick auf das Stadt-Land-Gefälle?

Die Autorin weist darauf hin, dass sich viele Projekte primär auf Kabul und urbane Zentren konzentrieren, was das bestehende Stadt-Land-Gefälle in Bezug auf Bildungschancen und soziale Teilhabe für Frauen weiter verschärfen könnte.

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Details

Title
Die Bedeutung der Frauenförderung und des Gender-Ansatzes für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan
College
University of Bonn
Grade
1,1
Author
Winnie Kauderer (Author)
Publication Year
2007
Pages
111
Catalog Number
V92615
ISBN (eBook)
9783640102242
ISBN (Book)
9783640210718
Language
German
Tags
Bedeutung Frauenförderung Gender-Ansatzes Entwicklungszusammenarbeit Afghanistan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Winnie Kauderer (Author), 2007, Die Bedeutung der Frauenförderung und des Gender-Ansatzes für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92615
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