Die vorliegende Seminararbeit soll aufzeigen, wie sich Metaphern auf das gesamte Leben auswirken, indem ein Einblick in die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson gegeben wird. Die von Lakoff und Johnson vorgenommene Einteilung der Metaphern in Struktur-, Orientierungs-, und ontologischen Metaphern wird den Rahmen der Seminararbeit bilden.
Metaphern prägen unseren Alltag, unser Denken und Handeln. Sie sind nicht – wie lange angenommen wurde – nur ein rein sprachliches Phänomen, das der poetischen und rhetorischen Sprache zugeordnet wird. Metaphern sind vielmehr ein Geflecht aus Konzepten, welches unser Leben beeinflusst.
Das Werk ‚Metaphors we live by‘ von Lakoff und Johnson bietet eine alternative Sicht auf Metaphern. Hier werden Metaphern aus der kognitiv-linguistischen und nicht mehr aus der weit verbreiteten literaturwissenschaftlichen Perspektive betrachtet.
Im Alltag verwenden wir häufig konzeptuelle Metaphern, ohne sie zu bemerken: Um eine gute Seminararbeit zu schreiben, ist es wichtig ein Konzept zu entwickeln. Dieses Konzept ist auf einem Blatt Papier festzuhalten. Für die Arbeit ist Material zu sammeln, aus dem gesammelten Material das wichtigste zu extrahieren, daraus einen Rahmen für die Arbeit zu bilden und am Ende alles zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzufügen. Bereits in dieser kurzen Ausführung wird deutlich, dass Metaphern unentwegt in der Alltagssprache verwenden werden. Sie sind in allen Lebensbereichen zu finden und strukturieren das gesamte Leben.
Im politischen Diskurs wird der Einfluss von Metaphern bewusst genutzt. Wenn von der „Flüchtlingswelle“ gesprochen wird, lenkt es die Sicht auf die Thematik in eine bestimmte Richtung. Das Gehirn verknüpft „Flüchtling“ und „Welle“ miteinander. Eine Welle ist bei der Mehrheit der Menschen als groß und wuchtig abgespeichert. Sie wird mit Gefahr in Verbindung gesetzt, da sie einen leicht umreißen kann. Im Zusammenhang mit „Flüchtling“ wird dadurch das Gefühl einer Bedrohung durch geflüchtete Menschen geschaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff der Metapher
3 Metaphorische Konzepte
3.1 Strukturmetaphern
3.1.1 Herkunfts- und Zielbereich
3.1.2 Beleuchten und verbergen
3.2 Orientierungsmetaphern
3.3 Ontologische Metaphern
3.3.1 Die Gefäß-Metaphern
3.3.2 Personifikation
4 Fazit
5 Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson, um aufzuzeigen, wie Metaphern als tief in unserem Denken und Handeln verankerte Konzepte unsere Wahrnehmung der Welt strukturieren und beeinflussen.
- Kognitive Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson
- Strukturmetaphern und ihre Funktion bei komplexen Zusammenhängen
- Einfluss der Raumorientierung durch Orientierungsmetaphern
- Ontologische Metaphern als Werkzeug zur greifbaren Beschreibung abstrakter Gebilde
- Die Rolle der Personifikation bei der Vermittlung komplexer Phänomene
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Beleuchten und verbergen
Die partielle Übertragung des Kampfkonzeptes auf die Argumentationsvorgänge beeinflusst das Denken und das Handeln eines Menschen. Einige Aspekte eines Konzeptes rücken durch die konzeptuelle Metapher in den Vordergrund, während andere in den Hintergrund geraten. Beim Argumentieren werden bestimmte Handlungen ausgeführt, während andere unterlassen werden. Die Argumentation wird in Bildern des Kampfes konzeptualisiert und verbirgt damit andere Aspekte. Einer dieser Aspekte kann die Kooperation sein. Sich auf ein Kompromiss zu einigen ist schwieriger, wenn es als selbstverständlich erscheint den Diskussionspartner als Gegner zu betrachten. In einer imaginären Kultur, in der das Argument anstelle von Krieg als Tanz konzeptualisiert wird, passiert folgendes: Der Diskussionspartner wird zum Performer und das Ziel wird zu einer harmonischen Tanzperformance. Das gesamte Argumentationskonzept würde sich in dieser Kultur von unserem unterscheiden. Folglich würden die Angehörigen dieser Kultur anders über das Argumentieren sprechen und denken. Die entsprechenden Handlungen würden von Vertretern einer solchen Kultur nicht als Streit betrachtet werden. An diesem hypothetischen Beispiel wird deutlich, dass – je nach dem in welchen Metaphern gesprochen wird – unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Phänomen sichtbar werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die kognitive Metapherntheorie ein und erläutert, wie Metaphern unser alltägliches Denken, Sprechen und Handeln maßgeblich strukturieren.
2 Begriff der Metapher: In diesem Kapitel wird der Begriff der Metapher historisch eingeordnet und von rein sprachlichen Definitionen zur kognitiven Konzeptbildung abgegrenzt.
3 Metaphorische Konzepte: Dieses Kapitel systematisiert Metaphern in Struktur-, Orientierungs- und ontologische Metaphern, um deren Wirkungsweise auf das Verständnis von Konzepten zu erklären.
3.1 Strukturmetaphern: Hier wird erläutert, wie ein Konzept (Zielbereich) durch ein anderes (Herkunftsbereich) strukturiert wird, um komplexe Sachverhalte verständlich zu machen.
3.1.1 Herkunfts- und Zielbereich: Dieser Abschnitt beschreibt die Funktion der Metapher, abstrakte Zusammenhänge durch die Projektion von Eigenschaften eines Herkunftsbereichs auf einen Zielbereich begreifbar zu machen.
3.1.2 Beleuchten und verbergen: Es wird dargelegt, dass jede Metapher bestimmte Aspekte eines Konzepts hervorhebt und andere dabei ausblendet oder verbirgt.
3.2 Orientierungsmetaphern: Das Kapitel behandelt raumbezogene Metaphern, die auf körperlichen Erfahrungen basieren und unsere Konzepte (wie Glück oder Status) in ein Orientierungssystem einbetten.
3.3 Ontologische Metaphern: Hier wird erklärt, wie wir abstrakte Gebilde durch die Zuordnung von Eigenschaften greifbar machen, indem wir sie als Objekte oder Entitäten behandeln.
3.3.1 Die Gefäß-Metaphern: Dieser Teil beschreibt die Tendenz, den eigenen Körper und andere räumliche Phänomene als Gefäße mit einer Innen-Außen-Grenze zu konzeptualisieren.
3.3.2 Personifikation: Es wird erläutert, wie durch die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften auf Abstraktes (wie die Inflation) komplexe Prozesse als handlungsfähige Entitäten verstanden werden.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Theorie von Lakoff und Johnson eine geordnete Sichtweise auf die Metapherntheorie liefert und zeigt deren Bedeutung für Forschung und Praxis auf.
5 Bibliografie: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen für die Seminararbeit.
Schlüsselwörter
Metapher, Kognitive Metapherntheorie, Lakoff, Johnson, Strukturmetaphern, Orientierungsmetaphern, Ontologische Metaphern, Konzeptuelle Metaphern, Argumentieren, Herkunftsbereich, Zielbereich, Personifikation, Gefäß-Metapher, Denken, Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson, welche Metaphern nicht nur als rhetorisches Mittel, sondern als grundlegende Konzepte unseres Denkens und Handelns betrachtet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Systematisierung von Metaphern in Struktur-, Orientierungs- und ontologische Metaphern sowie deren Einfluss auf unsere Wahrnehmung und Kultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Metaphern unser Leben strukturieren und wie durch die kognitive Theorie ein tieferes Verständnis für unsere alltägliche Kommunikation und Weltanschauung gewonnen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse der kognitiven Metapherntheorie (nach Lakoff/Johnson) basiert und diese anhand von Beispielen aus dem Alltag und dem politischen Diskurs erläutert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung und Analyse der drei Hauptgruppen von Metaphern: Strukturmetaphern, Orientierungsmetaphern und ontologische Metaphern inklusive Unterkategorien wie Gefäß-Metaphern und Personifikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kognitive Metapherntheorie, konzeptuelle Metaphern, Struktur- und Orientierungsmetaphern sowie der Einfluss von Sprache auf das Denken.
Warum wird das Konzept der "Flüchtlingswelle" als Beispiel angeführt?
Es dient als Beispiel dafür, wie eine einzelne Metapher im politischen Diskurs bewusst genutzt werden kann, um Wahrnehmungen zu lenken und Gefühle der Bedrohung zu erzeugen.
Was ist der Kern der "Gefäß-Metapher"?
Die Gefäß-Metapher basiert auf unserer Erfahrung mit dem eigenen Körper als abgegrenztes Gefäß. Dieses Muster übertragen wir auf andere Objekte, Räume und sogar auf unser Blickfeld, um die Welt besser zu strukturieren.
Inwiefern beeinflusst "Beleuchten und verbergen" unsere Kommunikation?
Jede Metapher rückt bestimmte Aspekte eines Themas in den Vordergrund, während sie andere – für das Verständnis möglicherweise relevante – Aspekte verdeckt. Dadurch steuert die Wahl der Metapher unsere gedankliche Richtung in einer Diskussion.
- Arbeit zitieren
- Lia Greiberg (Autor:in), 2019, Die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson. Eine Darstellung anhand von Beispielen aus dem Russischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925905