„The Jungle Grows Back“ lautet der Buchtitel des US Politikwissenschaftlers Robert Kagen bezugnehmend auf Rückläufigkeit der internationalen Ordnung. (vgl. Kagen 2018) Der Bundesaußenminister Heiko Maas betrachtet die Abkehr der Vereinigten Staaten aus ihrer weltpolitischen Verantwortung symbolisch als Krise des Multilateralismus. (vgl. Matthias Naß 2018) Im Weißbuch 2016, dem sicherheitspolitischen Strategiepapier der Bundesregierung, wird von einer Festigung multilateraler Bündnisse gesprochen. An Hand dieser Beispiele wird deutlich, dass zumindest ein Diskurs über globale Gemeinschaften und die Strukturen des internationalen Systems zur Debatte steht. Im Folgendem soll die Relevanz konkretisiert und verdeutlicht werden. An Hand der Fragestellungen, die sich dadurch ergeben, wird der systemische Konflikt zwischen Bilateralismus und Multilateralismus analysiert. Der vorliegende Text soll einerseits die abstrakten internationalen Konzepte des Bi- und Multilateralismus über Gefahren und Risiken, als auch über Möglichkeiten und Perspektiven beispielhaft veranschaulichen. Andererseits hat er den Anspruch , zwei unterschiedliche systemische Herangehensweise, in verschiedenen theoretischen Ebenen strukturell zu Vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
- Deal-Making statt Völkerbund - Der Multilateralismus in Gefahr
- Bi- bzw. Multilateralismus: Definition und Unterschiede
- Der Aufstieg des Bilateralismus
- Die Gefahren des Bilateralismus
- Multilateralismus: Notwendigkeit in der Moderne
- Ist der Multilateralismus in Gefahr?
- Die Abkehr vom Multilateralismus: Ursachen und Folgen
- Die historische Dualität von Theorie und Praxis
- Die internationale Ordnung im Wandel
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Text analysiert den systemischen Konflikt zwischen Bilateralismus und Multilateralismus im Kontext der internationalen Beziehungen. Dabei werden die jeweiligen Konzepte, ihre Gefahren und Risiken sowie ihre Möglichkeiten und Perspektiven beleuchtet. Ziel ist es, die verschiedenen systemischen Herangehensweisen strukturell zu vergleichen und die Relevanz des Multilateralismus im 21. Jahrhundert zu verdeutlichen.
- Definition und Abgrenzung von Bilateralismus und Multilateralismus
- Die Ursachen für den Aufstieg des Bilateralismus
- Die Gefahren des Bilateralismus für die internationale Ordnung
- Die Notwendigkeit des Multilateralismus angesichts globaler Herausforderungen
- Die Gründe für die Abkehr vom Multilateralismus und die Folgen für die internationale Ordnung
Zusammenfassung der Kapitel
- Deal-Making statt Völkerbund - Der Multilateralismus in Gefahr: Dieser einleitende Abschnitt erläutert die aktuelle Debatte um den Multilateralismus und die zunehmende Bedeutung des Bilateralismus. Er stellt den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg nationalistischer Strömungen und der Abkehr von multilateralen Bekenntnissen heraus.
- Bi- bzw. Multilateralismus: Definition und Unterschiede: In diesem Kapitel werden die beiden Konzepte des Bilateralismus und Multilateralismus definiert und voneinander abgegrenzt. Es werden Beispiele für bilaterale und multilaterale Abkommen und Institutionen vorgestellt.
- Der Aufstieg des Bilateralismus: Dieses Kapitel analysiert die Gründe für die zunehmende Bedeutung des Bilateralismus in der heutigen Zeit. Hierbei werden die Rolle des „Deal-Makers“ Donald Trump und die wachsende nationalistische Bewegung in verschiedenen Ländern beleuchtet.
- Die Gefahren des Bilateralismus: In diesem Kapitel werden die Risiken des Bilateralismus für die internationale Ordnung dargestellt. Es wird argumentiert, dass egoistisches, nationalstaatliches Denken zu Ineffizienz und langfristigen Schäden führt, insbesondere im Kontext globaler Herausforderungen wie Pandemien, Flüchtlingskrisen und transnationalem Terrorismus.
- Multilateralismus: Notwendigkeit in der Moderne: Dieser Abschnitt unterstreicht die Notwendigkeit des Multilateralismus angesichts der komplexen Herausforderungen der heutigen Welt. Es werden Beispiele für Bereiche vorgestellt, in denen multilaterale Zusammenarbeit unerlässlich ist, um Lösungen zu finden.
Schlüsselwörter
Die zentralen Begriffe und Themen des Textes umfassen: Multilateralismus, Bilateralismus, internationale Ordnung, Globalisierung, nationale Interessen, Sicherheitspolitik, wirtschaftliche Verflechtung, globale Herausforderungen, Pandemien, Flüchtlingskrisen, transnationaler Terrorismus, Menschenrechte, UN-Menschenrechtsrat, Europäische Union, NATO, Theorie und Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bilateralismus und Multilateralismus?
Bilateralismus bezeichnet Verhandlungen und Abkommen zwischen zwei Staaten, während Multilateralismus die Zusammenarbeit von drei oder mehr Staaten innerhalb gemeinsamer Regeln und Institutionen bedeutet.
Warum wird der Multilateralismus derzeit als „in Gefahr“ angesehen?
Durch den Aufstieg nationalistischer Strömungen und die Abkehr von internationalen Bündnissen (wie z.B. durch die USA unter Trump) geraten etablierte multilaterale Ordnungen unter Druck.
Was sind die Gefahren eines rein bilateralen „Deal-Making“?
Ein Fokus auf rein nationale Interessen kann zu Ineffizienz bei globalen Problemen führen, da Themen wie Klimawandel, Pandemien oder transnationaler Terrorismus nicht von zwei Staaten allein gelöst werden können.
Welche Rolle spielen Organisationen wie die UN oder die EU?
Sie sind zentrale Pfeiler des Multilateralismus, die versuchen, durch gemeinsame Standards (z.B. Menschenrechte, Sicherheitsgarantien) Stabilität und Frieden in einer vernetzten Welt zu sichern.
Was bedeutet der Titel „The Jungle Grows Back“ in diesem Kontext?
Es ist eine Metapher für den Rückzug der internationalen Ordnung: Wenn die stabilisierenden multilateralen Strukturen wegfallen, kehrt die Weltpolitik zu einem Zustand des Rechts des Stärkeren (dem „Dschungel“) zurück.
Warum ist wirtschaftliche Verflechtung ein Argument für Multilateralismus?
In einer globalisierten Welt sind Volkswirtschaften so eng verknüpft, dass einseitige bilaterale Entscheidungen oft Kettenreaktionen auslösen, die letztlich allen Beteiligten schaden.
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- David Schmucker (Author), 2020, Deal-Making statt Völkerbund. Der Multilateralismus in Gefahr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925411