Diese Arbeit soll zeigen, inwiefern der Mindestlohn primär das Ergebnis eines insbesondere im Spektrum der damals im Bundestag vertretenen Parteien geführten Diskurses war, oder ob auch die Gewerkschaften – entgegen der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit – entscheidenden Einfluss auf das sogenannte Tarifautonomiestärkungsgesetz hatten. Dabei soll der Einfluss der Gewerkschaften in all seinen Facetten beleuchtet werden, der sich nicht nur einseitig auf das Ergebnis einer solchen Diskussion auswirken kann.
Für die Analyse des Themas wird zunächst ein kurzer Überblick über den langen Weg zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns gegeben, bevor die Gewerkschaften genauer in den Mittelpunkt rücken. Als Grundlage dienen hierfür die theoretischen Grundlagen der Verbändeforschung, welche in seinen wesentlichen Zügen zu Beginn des dritten Kapitels dargestellt werden. Dabei wurden die zugrunde gelegten Theorien auf jede reduziert, die für die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Politik und Gewerkschaften nützlich sind. In einem weiteren Schritt werden die theoretischen Einflussmöglichkeiten der Gewerkschaften auf die Politics-Ebene aufgezeigt, bevor zur Einordung auf den heutigen Organisationsgrad der Gewerkschaften in Deutschland eingegangen wird.
Um schließlich den Einfluss der Gewerkschaften in der Diskussion um die Einführung des Mindestlohns zu analysieren, werden zwei wesentliche Handlungsoptionen in der betrachteten Arena untersucht: Einerseits die direkte Einflussnahme auf die Parteien, andererseits die Artikulation der eigenen Interessen in den Medien. Nach einer Einführung, welche das Potenzial dieser Handlungsoptionen kurz erklärt, wird das tatsächliche Handeln der Gewerkschaften anhand der öffentlich vertretenen Positionen ausführlich analysiert. Als Grundlage dafür dienen neben der bereits vorhandenen Literatur auch Pressemitteilungen, insbesondere des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland
- 3. Gewerkschaften in Deutschland
- 3.1. Interessenvertretung im politischen System der Bundesrepublik Deutschland
- 3.2. Einflussmöglichkeiten von Gewerkschaften auf der Politics-Ebene
- 3.3. Gewerkschaftlicher Organisationsgrad in Deutschland
- 4. Die Rolle der Gewerkschaften in der Diskussion um den Mindestlohn
- 4.1. Handlungsoptionen
- 4.1.1. Einflussnahme auf Parteien
- 4.1.2. Präsenz in den Medien
- 4.2. Positionen
- 4.1. Handlungsoptionen
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Gewerkschaften auf die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland. Sie analysiert, inwieweit die Gewerkschaften, neben den im Bundestag vertretenen Parteien, einen entscheidenden Einfluss auf das Tarifautonomiestärkungsgesetz hatten.
- Einführung und historischer Kontext des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland
- Rolle und Bedeutung von Gewerkschaften im deutschen politischen System
- Einflussmöglichkeiten von Gewerkschaften auf die Politik
- Handeln der Gewerkschaften in der Diskussion um den Mindestlohn
- Bewertung des Einflusses der Gewerkschaften auf die Einführung des Mindestlohns
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung liefert eine Einführung in das Thema und erläutert die Relevanz der Untersuchung. Sie stellt die Rolle von Gewerkschaften im deutschen politischen System dar und hebt die Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns als Beispiel für den Einfluss von Gewerkschaften auf den Gesetzgebungsprozess hervor.
Kapitel 2 gibt einen Überblick über die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland. Es beleuchtet die lange Vorgeschichte des Themas und die unterschiedlichen Positionen der politischen Akteure, bevor schließlich die Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 durch die Große Koalition erfolgte.
Kapitel 3 analysiert die Rolle und Bedeutung von Gewerkschaften in Deutschland. Es betrachtet die Interessenvertretung von Gewerkschaften im politischen System und ihre Einflussmöglichkeiten auf die Politik, sowie den aktuellen Organisationsgrad der Gewerkschaften in Deutschland.
Kapitel 4 untersucht die Rolle der Gewerkschaften in der Diskussion um den Mindestlohn. Es analysiert die Handlungsoptionen der Gewerkschaften, wie die Einflussnahme auf Parteien und die Präsenz in den Medien, sowie die Positionen, die von den Gewerkschaften in der öffentlichen Debatte vertreten wurden.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Gewerkschaften, Mindestlohn, Tarifautonomiestärkungsgesetz, Einflussnahme auf Politik, Medienpräsenz, Interessenvertretung, Organisationsgrad, politische Arena.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Einfluss hatten Gewerkschaften auf den Mindestlohn?
Die Arbeit analysiert, inwieweit Gewerkschaften durch direkte Einflussnahme auf Parteien und Medienarbeit das Tarifautonomiestärkungsgesetz mitgestaltet haben.
Was ist das Tarifautonomiestärkungsgesetz?
Es ist das Gesetzespaket von 2014, das die Einführung des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland zum 1. Januar 2015 regelte.
Wie nehmen Gewerkschaften Einfluss auf die Politik?
Dies geschieht über die "Politics-Ebene" durch Lobbying bei Parteien, öffentliche Kampagnen und die Artikulation von Interessen in den Medien.
Welche Rolle spielt der DGB in dieser Debatte?
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wird als zentraler Akteur untersucht, dessen Pressemitteilungen und Positionen den Diskurs maßgeblich beeinflussten.
Warum war die Einführung des Mindestlohns für Gewerkschaften ambivalent?
Ein staatlicher Mindestlohn kann einerseits Niedriglöhne verhindern, wird aber von einigen auch als Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie gesehen.
- Quote paper
- Felix Lieder (Author), 2019, Die Rolle der Gewerkschaften bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921264