Im Jahr 2004 werden die Vorlesungen von Michel Foucault am Collège de France aus den Jahren 1978 und 1979 veröffentlicht. Der Herausgeber Michel Sennelart vereint die dreizehn Vorlesungen mit dem Titel „Sicherheit, Territorium, Bevölkerung“ mit den zwölf im Jahr darauf folgenden Vorlesungen „Die Geburt der Biopolitik“. Die beiden Bände erhalten den Titel „Geschichte der Gouvernementalität“.
Die Vorlesungen aus den Jahren 1978 und 79 liefern nicht nur die in seinen frühen und mittleren Schriften vermisste Theorie des Staates. Auch bieten die Überlegungen zur Gouvernementalität den Übergang zwischen einer zwingenden Macht, die die Individuen nur verfertigt, und einer solchen, die in den Kontext des Regierens gerückt und durch ein Gerechtwerden der Selbstkonstitution des Subjekts Spielraum für Möglichkeiten der „Freiheit“ oder des Widerstands gegen Zustände von Herrschaft bietet.
In dieser Arbeit werden Foucaults Überlegungen zur Gouvernementalität und sein Argumentationspfad besonders anhand der 25 Vorlesungen von 1978 und 1979 vorgestellt und nachvollzogen. Was ist die Gouvernementalität? Welche Komponenten haben sich zu einem so komplexen Gefüge wie dem modernen Staat verdichtet? Welche Techniken des Regierens haben sich seit dem Mittelalter oder sogar seit der Antike entwickelt?
Und schließlich diskutiert die Arbeit besonders den Stellenwert des „Subjekts“ in Foucaults Werk. Was ist ein Subjekt bei Foucault? Welche Freiheiten hat das Individuum, wenn Foucault eine „Genealogie des Subjekts“ schreibt und dieses als autonome Instanz auflöst beziehungsweise nur als ein Resultat des „Außen“ ansieht? Und welche Verbindung gibt es zwischen dem Subjekt und der Gouvernementalität?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entwicklungen hin zur Gouvernementalität
- Kontrolle und Entwicklung des Diskurses
- Genealogie und Körper
- Macht
- Die Produktion der Sexualität
- Das Dispositiv
- Das Sexualitätsdispositiv
- Bio-Macht und Bio-Politik
- Gouvernementalität
- Geschichtlicher Zusammenhang
- Juridisches Dispositiv
- Disziplinargesellschaft
- Sicherheitsdispositiv
- Der Begriff der Gouvernementalität
- Charakterisierung der Gouvernementalität
- Gouvernementalität und Staat
- Pastoral
- Staatsräson
- Policey
- Liberalismus und Neoliberalismus
- Die bürgerliche Gesellschaft
- Subjekt und Macht
- Michel Foucaults Interesse für das Subjekt
- Rechtssubjekt
- Gehorsamssubjekt
- Begehrenssubjekt
- Interessensubjekt
- Das Regieren der Subjekte
- Die Selbstkonstitution des Subjekts
- Griechische Antike
- Spätantike
- Christentum
- Das kritische Vorhaben Michel Foucaults. Schluss.
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Gouvernementalität bei Michel Foucault und beleuchtet dessen Bedeutung für die Frage der Subjektivierung in der Moderne. Im Zentrum steht die Analyse der Entstehung und Entwicklung der Gouvernementalität als Form des Regierens, die sich von traditionellen Herrschaftsformen unterscheidet. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie das Subjekt in diesem Kontext geformt und beeinflusst wird, welche Freiheiten es hat und in welcher Beziehung es zur Macht steht.
- Die Entstehung und Entwicklung der Gouvernementalität als eine spezifische Form des Regierens
- Die Verbindung zwischen Gouvernementalität und der Produktion des Subjekts
- Die Analyse der verschiedenen Komponenten der Gouvernementalität, wie z.B. Disziplinargesellschaft, Sicherheitsdispositiv und Bio-Macht
- Die Relevanz des Diskurses und der Genealogie für das Verständnis der Gouvernementalität
- Die Rolle des Subjekts in der Gouvernementalität und die Frage nach Selbstkonstitution und Freiheit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die den Kontext der Forschung Foucaults zur Gouvernementalität beschreibt. Im ersten Teil werden die Entwicklungen hin zur Gouvernementalität beleuchtet, wobei die Kontrolle des Diskurses, die Genealogie des Körpers und die Machtverhältnisse eine zentrale Rolle spielen. Das Konzept des Sexualitätsdispositivs wird als Verbindungsglied zwischen Individuum und Bevölkerung und als wichtiger Bestandteil der Technologien des Regierens vorgestellt. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der Frage nach der Subjektivierung durch das Selbst, wobei die Schriften Foucaults zur Antike herangezogen werden.
Schlüsselwörter
Gouvernementalität, Subjekt, Macht, Diskurs, Genealogie, Bio-Macht, Bio-Politik, Disziplinargesellschaft, Sicherheitsdispositiv, Sexualitätsdispositiv, Selbstkonstitution, Freiheit, Michel Foucault.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Michel Foucault unter dem Begriff "Gouvernementalität"?
Gouvernementalität bezeichnet die Kunst des Regierens, die über staatliche Institutionen hinausgeht und Techniken umfasst, mit denen das Verhalten von Individuen und Bevölkerungen gelenkt wird.
Wie hängen Gouvernementalität und das Subjekt zusammen?
Foucault untersucht, wie Machttechniken das Subjekt formen. Gouvernementalität ermöglicht einen Spielraum zwischen Fremdführung durch den Staat und Selbstführung (Selbstkonstitution) des Individuums.
Was ist Bio-Macht und Bio-Politik?
Bio-Macht bezieht sich auf die Macht über das Leben, die den Körper des Einzelnen (Disziplin) und die gesamte Bevölkerung (Bio-Politik, z.B. Gesundheit, Geburtenraten) reguliert.
Welche Rolle spielt das "Sexualitätsdispositiv" in Foucaults Werk?
Es dient als Verbindung zwischen dem Individuum und der Bevölkerung. Durch die Kontrolle und den Diskurs über Sexualität wird Macht über das biologische Leben ausgeübt.
Wie entwickelte sich das Regieren historisch laut Foucault?
Foucault zeichnet eine Genealogie nach, die vom christlichen Pastorat über die Staatsräson und die "Policey" bis hin zum modernen Liberalismus und Neoliberalismus führt.
Welche Freiheit hat das Individuum in Foucaults Machttheorie?
Freiheit besteht in der Möglichkeit des Widerstands und der Selbstgestaltung. Macht ist bei Foucault nicht nur unterdrückend, sondern produziert Möglichkeiten für das Subjekt, sich selbst zu konstituieren.
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- Diplom-Sozialwissenschaftler Fabian Böer (Author), 2007, Gouvernementalität und Subjekt bei Michel Foucault, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92058