Analog Höckels wird „das Humankapital der Arbeitnehmer im Zuge des Wandels von der Arbeiter- zur Wissensgesellschaft für ein Unternehmen zukünftig der wichtigste Produktionsfaktor sein .., um nachhaltig wettbewerbsfähig zu sein.“ Dies verlangt, daß Unternehmen künftig nicht nur allein Steuerungsgrößen aus dem Finanzbereich zur Unternehmensbewertung berücksichtigen, sondern zunehmend auch das im Unternehmen vorhandene Wissen und Potential der Arbeitnehmer bestimmt und in Betracht gezogen werden muß.
Die folgende Arbeit nimmt sich dieses Themas an und betrachtet die Investition eines Individuums in zusätzliches Humankapital und versucht deren Rentabilität analog der Humankapitaltheorie zu beleuchten. In den folgenden Abschnitten wird zunächst auf die theoretischen Grundlagen der Humankapitaltheorie eingegangen. Darauf aufbauend wird die Frage diskutiert, wann sich Investition in weitere Ausbildungen lohnen, d.h. wann ist eine Investition in Humankapital rentabel. Die Theorie der Rentabilität einer Humankapitalinvestition wird in einem kleinen Exkurs anhand von zwei Weiterbildungsangeboten aus der Praxis veranschaulicht. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Stärken und Schwächen der Humankapitaltheorie dargestellt und diese einer kritischen Analyse unterzogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Humankapitaltheorie
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.2 Allgemeine und spezifische Humankapitalinvestitionen
2.3 Finanzierung von Humankapitalinvestitionen
2.4 Die Ausbildungsentscheidung als Investitionsentscheidung
2.5 Exkurs: Vergleich Kapitalwert Teilzeit/ Vollzeit MBA Studium
3 Stärken und Schwächen der Humankapitaltheorie
3.1 Stärken der Humankapitaltheorie
3.2 Kritik an der Humankapitaltheorie
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Investition von Individuen in Humankapital auf Basis der Humankapitaltheorie und analysiert deren Rentabilität unter ökonomischen Gesichtspunkten. Dabei wird insbesondere hinterfragt, unter welchen Bedingungen sich Aus- und Weiterbildungen finanziell lohnen und welche Grenzen das theoretische Modell in der Praxis aufweist.
- Theoretische Grundlagen der Humankapitaltheorie nach Gary Becker
- Unterscheidung zwischen allgemeinen und spezifischen Humankapitalinvestitionen
- Analyse der Ausbildungsentscheidung als ökonomische Investitionsentscheidung
- Vergleich der Rentabilität von Teilzeit- und Vollzeit-MBA-Studien
- Kritische Würdigung der Stärken und Schwächen des Humankapitalmodells
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffliche Grundlagen
Die Humankapitaltheorie, die auf Gary Becker zurückgeht, ist eine Erweiterung des neoklassischen Modells um den Faktor Humankapital. Das neoklassische Modell besitzt als zentrales Element den homo oeconomicus und versteht den Menschen als ein rational handelndes Individuum, das sich allein durch die Maximierung seines persönlichen Nutzens bestimmt. Dabei geht es von einer Homogenität der Arbeitskräfte aus, so daß es demzufolge auch nur einen einheitlichen Lohnsatz geben kann (Jevon´s Law Of One Price).5 Die neoklassische Theorie besagt, daß das Einkommensniveau durch Investition und Bevölkerungswachstum bestimmt wird. Einkommenswachstum wird durch exogenen technologischen Fortschritt erklärt.
Die Humankapitaltheorie hingegen geht von keiner Gleichverteilung des Faktors Arbeit aus, sondern jedes Individuum verfügt über einen individuellen Bestand an Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten (Humankapital), welches er durch Ausbildung, Weiterbildung und Erfahrung erworben hat.6 Es herrscht ein differenzierendes Arbeitsangebot vor, wobei sich die Verteilung des Arbeitseinkommens nach der Investition in (Aus-)Bildung richtet, dem Humankapitalbestand eines Individuums. Durch die Humankapitalinvestition erhöht sich die Produktivität des Arbeitsanbieters, so daß dieser folglich ein höheres Einkommen in Höhe seiner Grenzproduktivität auf einem vollkommenen Arbeitsmarkt erzielen kann. Einkommenswachstum ist hier eine endogene Größe. Der Arbeitsmarkt befindet sich im Gleichgewicht, wenn alle Arbeitsanbieter ihr Humankapital optimal verwerten, d.h. sie mit ihrem Humankapitalbestand in keiner alternativen Verwendung ein höheres Einkommen erzielen könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Humankapital in einer globalisierten Wissensgesellschaft ein und skizziert das Ziel der Analyse, die Rentabilität von Bildungsinvestitionen zu beleuchten.
2 Humankapitaltheorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Humankapitaltheorie, die Differenzierung zwischen verschiedenen Investitionsarten und bietet ein Modell zur Rentabilitätsberechnung sowie einen praktischen Exkurs zu MBA-Studien.
3 Stärken und Schwächen der Humankapitaltheorie: Hier werden die methodischen Vorteile der Theorie aufgezeigt sowie eine kritische Analyse ihrer einschränkenden Annahmen und ihrer Übertragbarkeit auf die Realität vorgenommen.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung lebenslangen Lernens zusammen und bewertet die Theorie als wertvolle, wenn auch in der Praxis durch zahlreiche Faktoren eingeschränkte, Erweiterung des neoklassischen Modells.
Schlüsselwörter
Humankapital, Humankapitaltheorie, Bildungsrendite, Investitionsentscheidung, MBA-Studium, Produktivität, Grenznutzen, Opportunitätskosten, Weiterbildung, Arbeitsmarkt, Einkommenswachstum, Humankapitalinvestition, Wissensgesellschaft, Qualifikation, Rentabilitätsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entscheidung eines Individuums, in die eigene Bildung zu investieren, und bewertet die wirtschaftliche Rentabilität dieser Humankapitalinvestitionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Humankapitaltheorie nach Becker, die Unterscheidung zwischen spezifischen und allgemeinen Investitionen sowie die kritische Reflexion des ökonomischen Nutzens von akademischen Weiterbildungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, unter welchen Bedingungen Investitionen in Humankapital rentabel sind, und ob die Theorie in der Lage ist, reale Einkommensdifferenzen und Bildungsentscheidungen adäquat zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die ökonomische Modellbildung, insbesondere Kapitalwertberechnungen, um die Investitionsentscheidung in eine Weiterbildung (am Beispiel MBA) quantitativ zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die mathematische Herleitung der Investitionsrentabilität, einen Praxis-Exkurs zu MBA-Programmen sowie eine ausführliche Stärken-Schwächen-Analyse der Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Humankapital, Bildungsrendite, Opportunitätskosten, Rentabilitätsanalyse und Arbeitsmarkt charakterisiert.
Warum unterscheidet die Theorie zwischen allgemeinem und spezifischem Humankapital?
Die Unterscheidung ist entscheidend für die Finanzierungsfrage: Allgemeines Humankapital erhöht die Marktmacht des Arbeitnehmers, während spezifisches Humankapital an ein Unternehmen gebunden ist und oft eine gemeinsame Investition von Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfordert.
Welche zentrale Kritik äußert der Autor an der Humankapitaltheorie?
Der Autor kritisiert, dass das Modell den Menschen zu stark auf eine rein finanzielle Ebene reduziert und Faktoren wie Präferenzbildung, Prestige oder Diskriminierung, die reale Einkommensunterschiede erklären, vernachlässigt.
Was ist das Hauptergebnis des Exkurses zum MBA-Studium?
Der Vergleich zeigt, dass sich die Kosten für ein Vollzeit-MBA-Studium deutlich langsamer amortisieren als bei einem Teilzeit-Modell, da beim Vollzeit-Modell zusätzliche Opportunitätskosten durch den Verdienstausfall entstehen.
Ist Bildung nach Ansicht des Autors ein reiner Kostenfaktor?
Nein, der Autor betont, dass der Mensch in der modernen Wissensgesellschaft nicht mehr nur als Kostenfaktor, sondern als wesentliche Quelle der Wertschöpfung betrachtet werden muss.
- Quote paper
- Thomas Vogt (Author), 2007, Ausbildungsentscheidung und Humankapitaltheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91896