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Emblematik im Barock in Andreas Gryphius` "Catharina von Georgien"

Title: Emblematik im Barock in Andreas Gryphius`  "Catharina von Georgien"

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anna-Lena Walter (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Keine Epoche der europäischen Kulturgeschichte ist so von Widersprüchen geprägt wie das Zeitalter des Barock.“ Während sich zu Zeiten der Renaissance der Mensch seiner Freiheit und seiner schöpferischen Möglichkeiten bewusst wurde, sich erstmals als eigenständiges Individuum zu begreifen schien und sich ein dem Diesseits zugewandtes Lebensgefühl entwickelte, so scheint das Weltbild des barocken Zeitalters dem vollständig entgegen zu stehen. Nahezu jeder Lebensbereich ist von Antithetik geprägt: Ewigkeit und Zeit, Wohlstand und Armut, Aufbau und Zerstörung. Die starken Gegensätze und Spannungen bringen ein großes Vergänglichkeitsbewusstsein in der Gesellschaft zu Tage. Ebenso wirkt die Allgegenwärtigkeit des Todes, ausgelöst durch den 30-jährigen Krieg, der Lebensgier der Menschen entgegen, was sowohl die Entstehung von religiösen Schwärmereien, als auch fanatischem Glauben noch stärker vorantreibt.
Die deutsche Barockliteratur versucht das Lebensgefühl der Zeit zu thematisieren und dabei besonders „die polaren Spannungen, […] das Gegeneinander von üppigem Diesseitsgenuß und fanatischer Jenseitssehnsucht, […] Körperschwere und Geistesauftrieb“ aufzugreifen und zu diskutieren.

Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Bildlichkeit zu. Über die Jahre hinweg entstand eine Vielzahl an Bildern, deren Bedeutungen festgelegt, und die, systematisiert und geordnet, den Dichtern des Barocks zugänglich waren. Sie wurden immer wieder aufgegriffen und in neuen Variationen dargestellt, wobei verbindliche Inhalte und vorgeschriebene Regeln einzuhalten waren. Die bedeutendsten Stilmittel sind dabei Metonymien, Metaphern, Embleme und Allegorien. So wird das 17. Jahrhundert oft auch als „emblematisches“ oder „allegorisches“ Jahrhundert bezeichnet.

Auch Andreas Gryphius, der als Lyriker und Dramatiker zu den bedeutendsten deutschen Barockdichtern zu zählen ist, bedient sich in seinen Stücken zahlreicher dieser Stilmittel, wobei dem Emblem als solches, eine besondere Bedeutung zukommt. Im Folgenden soll daher die „allgemeine“ Bedeutung und Funktion, die das Emblem in der Zeit des Barock erhält, herausgearbeitet und einige der bekanntesten Embleme, anhand der von Andreas Gryphius verfassten Märtyrertragödie „Catharina von Georgien“, aus dem Jahre 1657, näher betrachtet, deren Auslegung beschrieben und ihre Funktion hinsichtlich des Stücks, diskutiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Emblematik im Barock

2.1 Was versteht man unter dem Begriff „Emblem“

2.2 Die Verwendung des Emblems in Andreas Gryphius „Catharina von Georgien“

2.2.1 Das Ikarus Emblem

2.2.2 Das Meer und Seefahrts Emblem

2.2.3 Das Rosen Emblem

3. Darstellung des Emblems im Theater des Barock

3.1 Die Fahne

3.2 Die Person

3.3 Das Requisit

3.4 Die Bühne

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der Emblematik im barocken Drama, mit besonderem Fokus auf die Märtyrertragödie „Catharina von Georgien“ von Andreas Gryphius. Es wird analysiert, wie emblematische Strukturen als bildsprachliches System genutzt werden, um das barocke Weltbild – geprägt von Vergänglichkeit und religiöser Antithetik – zu vermitteln und dem Zuschauer didaktische Lehren zu verdeutlichen.

  • Grundlagen der Emblematik und ihre Bedeutung im Barock
  • Analyse spezifischer Embleme (Ikarus, Seefahrt, Rose) in Gryphius’ Werk
  • Die Darstellung emblematischer Elemente auf der barocken Bühne
  • Das Wechselspiel zwischen Bildkunst, Text und Theaterinszenierung
  • Die didaktische Funktion von Sinnbildern als Lehrmittel für das Publikum

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Das Ikarus Emblem

Bereits im Prolog des Stückes, der der „Ewigkeit“ gewidmet ist, deutet Gryphius ein sehr bekanntes und verbreitetes Emblem des „Ikarus“ an.

„Wie mancher steigt, durch Rauch des falschen Ruhms verblendet, /Nach hoher Ehr’ und fällt, /Wenn der gewächsten Flügel Schwung bei gar zu naher Sonne endet, /In höchste Schmach und wird ein Scheusal aller Welt?“

Dabei wird von ihm die Kenntnis über Verhalten und Schicksal des Ikarus vorausgesetzt. Wie die „pictura“ in Abbildung 2 erkennen lässt, steigt Ikarus mit Hilfe selbstgebauter Wachsflügel zum Himmel auf, kommt der Sonne zu nahe, die seine Flügel schmelzen lässt und erleidet einen qualvollen Tod durch Ertrinken. Im Zentrum des Bildes befindet sich Dädalus, die Flügel weit ausgebreitet und unter ihm ein mit Feldarbeit beschäftigter Bauer. Vermutlich verwendet Gryphius explizit das Emblem des Ikarus, um den Wahn des Hochmuts zu verdeutlichen und die in seinem Stück auftretenden Charaktere durch „Personifikation“ der Ewigkeit vor den grausamen Folgen des Hochmuts und der Eitelkeit zu warnen. Verhält man sich wie Ikarus und ist von Hochmut und Arroganz gegenüber der Natur und göttlichen Gegebenheiten besessen, so wird man dafür leiden müssen. Das richtige Maß, der Mittelweg, wie es schon die „inscriptio“ besagt, „Medio tutissimus ibis“ (s. Abb.2), ist von wesentlicher Bedeutung im Leben und soll, wie es Dädalus durch seine vollkommene Pracht beweist, gewählt werden. Diese Belehrung möchte Gryphius auch an die Menschen der realen Welt richten, denn obwohl Zerstörung und Zerfall durch den 30-jährigen Krieg, die Pest und die Unterdrückung jeden Menschen der barocken Zeit erreichten, so hielten sie sich doch stets an ihren Hochmut, ihren Besitz und besannen sich nicht auf den Glauben an Gott. Dem Hochmut als elementare Sünde, stellt Gryphius die Person der Catharina gegenüber, die den „richtige Weg“ einschlägt und die, ihre Pflicht gegenüber Familie, Volk und Kirche erfüllend, zielgerichtet, als eine Heilige, den Märtyrertod wählt und ihr Leben in Gottes Hände gibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die widersprüchliche Epoche des Barock, geprägt von Vergänglichkeitsbewusstsein und dem Bedürfnis nach religiöser Sinnstiftung durch Bildlichkeit.

2. Emblematik im Barock: Dieses Kapitel definiert das Emblem als dreiteiliges Genre (inscriptio, pictura, subscriptio) und analysiert dessen zentrale Rolle als Bildsprache zur Vermittlung moralischer Lebensweisheiten.

3. Darstellung des Emblems im Theater des Barock: Es wird dargelegt, wie die emblematische Struktur durch Fahnen, Personen, Requisiten und die Bühnengestaltung selbst in das Theaterleben integriert wurde.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Gryphius durch die Verbindung von Wort und Bild eine künstlerische Form schafft, die den Dualismus von Diesseits und Jenseits eindrucksvoll inszeniert.

Schlüsselwörter

Barock, Andreas Gryphius, Catharina von Georgien, Emblematik, Emblem, Sinnbild, Inscriptio, Pictura, Subscriptio, Vergänglichkeit, Märtyrertragödie, Bildlichkeit, Weltanschauung, Theatergeschichte, Allegorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Verwendung und der Funktion von Emblemen im barocken Drama, insbesondere anhand der Tragödie „Catharina von Georgien“ von Andreas Gryphius.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Definition des Emblems, seine Funktion als „Bildsprache des Barock“ sowie die praktische Umsetzung dieser Symbolik in der barocken Theaterlandschaft.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gryphius durch den gezielten Einsatz bekannter Embleme dem Zuschauer eine moralische Lehre vermittelt und den Dualismus zwischen irdischer Vergänglichkeit und göttlicher Beständigkeit thematisiert.

Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl theoretische Definitionen von Emblemen (z.B. nach Schöne und Wilpert) als auch die textnahe Untersuchung der Märtyrertragödie von Gryphius verbindet.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die emblematische Struktur (inscriptio, pictura, subscriptio) und ihre Anwendung auf konkrete Beispiele wie das Ikarus-, Meer- und Rosenemblem sowie die Gestaltungsmöglichkeiten der Bühne.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Barock, Emblematik, Gryphius, Sinnbild und Allegorie kennzeichnen.

Was genau symbolisiert das „Ikarus Emblem“ im Kontext des Stücks?

Es dient als Warnung vor dem „Wahn des Hochmuts“ und der Eitelkeit. Wer wie Ikarus die göttlichen Gegebenheiten missachtet, muss laut Gryphius die leidvollen Konsequenzen tragen.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Tod bei Catharina gegenüber der von Chach Abas?

Während Catharina den Tod als Erlösung und „Hafen des Schiffes“ begreift, der in die Ewigkeit führt, sieht der weltlich orientierte Chach Abas im Tod lediglich das sinnlose Ende eines vom Schicksal gebeutelten Lebens.

Warum spielt das „Rosen Emblem“ eine so zentrale Rolle für die Protagonistin?

Die Rose symbolisiert die „unlösbare Verwobenheit von Lust und Schmerz“ und dient als Gleichnis für die Zerbrechlichkeit und Kürze des menschlichen Lebens, was Catharina bei der Betrachtung ihres eigenen Schicksals erkennt.

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Details

Title
Emblematik im Barock in Andreas Gryphius` "Catharina von Georgien"
College
University of Constance
Course
Barock
Grade
1,3
Author
Anna-Lena Walter (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V91646
ISBN (eBook)
9783638052030
ISBN (Book)
9783638945066
Language
German
Tags
Emblematik Barock Andreas Gryphius` Catharina Georgien Barock
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna-Lena Walter (Author), 2008, Emblematik im Barock in Andreas Gryphius` "Catharina von Georgien", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91646
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