Thema der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit nonverbaler Kommunikation in interkulturellen Lerngruppen. Bereits im Jahr 1969 stellte der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick in seinem Kommunikationsmodell die fünf Axiome der Kommunikation vor, daher entstammt das inzwischen äußerst bekannte Zitat seinerseits, dass ein Mensch nicht kommunizieren kann.
Kurzgefasst senden wir als Menschen zu jeder Zeit Signale aus, die von unserem Gegenüber aufgefasst werden können. Wir sprechen oft laut und schnell, wenn wir uns im Unrecht fühlen, schweigen oder weinen, wenn wir Trauer verspüren, oder ziehen uns zurück, wenn einen das Gefühl begleitet, nicht verstanden zu werden. Natürlich sind dies nur einige Verallgemeinerungen für Verhaltensweisen und Reaktionen in bestimmten Situationen. Dabei werden ausschließlich verbale Signale gesendet. Doch ist dies nicht die einzige Möglichkeit zu kommunizieren. Verschränken wir die Arme, oder reißen wir sie in die Höhe, kauern wir zusammengefallen in der Ecke oder springen wir umher, all das sind ebenfalls Hinweise die auf unsere Gefühlslage und unser Auftreten. Doch welche konkrete Rolle spielt die Kultur? Handeln Menschen, unabhängig von ihrer Kultur, bei selbigen Ereignissen ähnlich? Oder läuft man Gefahr, sich misszuverstehen?
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, kulturelle Differenzen der Körpersprache zu erkennen, um Fehldeutungen zu minimieren und eine reibungslose Zusammenarbeit zu gewähren. Sensibilisierung und Vergegenwärtigung diverser kultureller Hintergründe, traditioneller Prägungen und damit einhergehende Annahmen und Verständnisse stehen somit ebenfalls im Fokus. Kommunikationsmodelle dienen der Veranschaulichung des Kommunikationsprozesses, welcher im Folgenden mit der Theorie des Konstruktivismus, der Sozialisation, der Ausprägung der jeweiligen Kapitalsorten und dem resultierenden Habitus, verknüpft wird.
Das Zusammenwirken der einzelnen Teilbereiche dient zugleich als Ausgangspunkt bei der Aufzeigung kultureller Differenzen der nonverbalen Kommunikation, welche nach Klärung des Kulturbegriffs folgen. Die kategorisch sortierten Unterschiede werden beleuchtet und anschließend auf praktische Situationen und Fallbeispiele projiziert, wobei Grenzen und Lösungsansätze diverser Beispiele diskutiert werden und letztlich im Ausblick münden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theoretische Grundlage
- 2.1 Begriffsdefinition nonverbale Kommunikation
- 3 Kommunikationsmodelle
- 3.1 Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun
- 3.2 Maximen der Kommunikation nach Grice
- 3.3 Regeln für gelingende Kommunikation nach Rogers
- 3.4 Kommunikationsmodell nach Watzlawick
- 4 Radikaler Konstruktivismus
- 5 Habitus nach Bourdieu
- 5.1 Ökonomisches Kapital
- 5.2 Kulturelles Kapital
- 5.3 Soziales Kapital
- 5.4 Symbolisches Kapital
- 6 Der Kulturbegriff
- 7 Interkulturelle Differenzen
- 7.1 Mimik
- 7.2 Gestik
- 7.3 Proxemik
- 8 Lösungsansätze
- 9 Folgerung und Ausblick
- 10 Verweise
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Bedeutung nonverbaler Kommunikation im Kontext interkultureller Lerngruppen. Ziel ist es, kulturelle Unterschiede in der Körpersprache zu identifizieren, um Missverständnisse zu minimieren und eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die Arbeit untersucht verschiedene Kommunikationsmodelle und stellt den Zusammenhang zwischen Kultur, Sozialisation und Habitus her.
- Kulturelle Unterschiede in nonverbaler Kommunikation
- Einfluss von Kultur auf die Interpretation nonverbaler Signale
- Bedeutung von Kommunikationsmodellen für interkulturelle Verständigung
- Zusammenhang zwischen Habitus und nonverbaler Kommunikation
- Lösungsansätze zur Bewältigung kultureller Differenzen in Lerngruppen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der nonverbalen Kommunikation in interkulturellen Lerngruppen ein und stellt die Relevanz des Themas im Kontext der Globalisierung dar.
- Theoretische Grundlage: Das Kapitel definiert den Begriff der nonverbalen Kommunikation und stellt verschiedene Kommunikationsmodelle vor, u.a. das Modell von Schulz von Thun, Grice und Watzlawick.
- Radikaler Konstruktivismus: Dieses Kapitel erläutert den Einfluss des radikalen Konstruktivismus auf die Interpretation von Kommunikation und deren kulturelle Prägung.
- Habitus nach Bourdieu: Hier wird der Habitusbegriff nach Bourdieu erläutert und die verschiedenen Kapitalsorten (ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital) in ihrem Zusammenhang mit der Sozialisation und der nonverbalen Kommunikation dargestellt.
- Der Kulturbegriff: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Definition des Kulturbegriffs und beleuchtet den Einfluss von Kultur auf die Interpretation und die Gestaltung nonverbaler Kommunikation.
- Interkulturelle Differenzen: Dieses Kapitel stellt verschiedene interkulturelle Unterschiede in der nonverbalen Kommunikation dar, u.a. im Bereich der Mimik, Gestik und Proxemik.
- Lösungsansätze: Das Kapitel untersucht verschiedene Lösungsansätze, die dazu beitragen können, kulturelle Differenzen in nonverbaler Kommunikation zu überwinden.
Schlüsselwörter
Nonverbale Kommunikation, Interkulturelle Kommunikation, Körpersprache, Kommunikationsmodelle, Habitus, Kapital, Kultur, Mimik, Gestik, Proxemik, Globalisierung, Lerngruppen, Missverständnisse, Sensibilisierung, Vergegenwärtigung.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist nonverbale Kommunikation in interkulturellen Gruppen schwierig?
Gleiche Gesten oder Mimik können in verschiedenen Kulturen völlig unterschiedliche Bedeutungen haben, was zu Missverständnissen und Konflikten in der Zusammenarbeit führen kann.
Was besagt das Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick?
Sein bekanntestes Axiom lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Jedes Verhalten, auch Schweigen oder Wegsehen, sendet Signale an das Gegenüber.
Was versteht Pierre Bourdieu unter dem „Habitus“?
Der Habitus ist die Gesamtheit der Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster eines Menschen, die durch seine soziale Herkunft und Erziehung geprägt sind und sich in der Körpersprache äußern.
Was ist Proxemik?
Proxemik untersucht das Raumverhalten von Menschen, also welche Distanzzonen (intim, persönlich, öffentlich) in einer Kultur als angemessen empfunden werden.
Wie kann man interkulturelle Missverständnisse minimieren?
Durch Sensibilisierung für kulturelle Hintergründe, Reflexion der eigenen Annahmen und die Anwendung von Kommunikationsregeln, wie sie etwa Schulz von Thun oder Rogers vorschlagen.
- Quote paper
- Judy Pietuszko (Author), 2019, Nonverbale Kommunikation im Kontext interkultureller Lerngruppen. Kulturelle Differenzen der Körpersprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915423