„Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben...“ Dieses Zitat stammt aus der Rede Adolf Hitlers auf einer Kundgebung in Reichenberg im Sudetengebiet vom 2. Dezember 1938.
Gemeint ist die deutsche Jugend, deren Leben ab dem 10. Lebensjahr von der NSDAP streng geregelt und festgeschrieben ist: „[...] dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, [...] dann nehmen wir sie sofort in die Partei oder in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter [...]“
Hitler sah in der Jugend den „Garant für die Zukunft“ um seine Herrschaft zu sichern. Die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend sollte die jungen Menschen an Leitbilder des
nationalsozialistischen Systems heranführen und ihnen eine Orientierung für ein angebrachtes Verhalten im faschistischen Alltagsleben geben.
Doch inwieweit konnten Hitlers politische und ideologische Ideen in der Hitlerjugend
realisiert und umgesetzt werden? Und wenn sie verwirklicht wurden, wie wurden die
Jugendlichen zum Beitritt in die Hitlerjugend (HJ) bewegt? Hätte er es womöglich ohne die unvorbelastete, etwas naive und vergleichsarme Jugend nicht geschafft, eine breite Massenbasis hinter sich zu versammeln, die ihm unbedingtem Gehorsam schwor?
Im folgenden soll es darum gehen, diese Fragen zu beantworten. Um dies zu tun, müssen folgende Teilaspekte berücksichtigt werden: die Entwicklung der Organisation Hitlerjugend, ihre Struktur und die Umsetzung von Hitlers Ideologien in der Hitlerjugend. Anhand von Primärquellen und ausgewählter Sekundärliteratur soll es mir gelingen, einzuschätzen, wie es dem nationalsozialistischen Erziehungsstaat gelungen ist, sich die Jugend als Gefolgschaft zu sichern. Grundlage meiner Arbeit sind vor allem Hitlers ideologische Ideen aus „Mein Kampf“. Dabei bilden die Ideologien3 bezüglich Staatsauffassung und Propaganda, der Lebensraumerweiterung im Osten und der Rassenidee einen Leitfaden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Entwicklung der Organisation Hitlerjugend
2.2 Organisation der Hitlerjugend
2.3 Politische und ideologische Ideen Hitlers und ihre Umsetzung in der HJ
2.4.1 Staatsauffassung und Propaganda
2.4.2 Lebensraumerweiterung im Osten
2.4.3 Rassenideologie und Sozialdarwinismus
2.4 Kurze Wertung der Hitlerjugend für den Nationalsozialismus
3. Schluss: „Und sie wurden nicht mehr frei ihr ganzes Leben...“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die politischen und ideologischen Konzepte Adolf Hitlers in der Hitlerjugend (HJ) konkret umgesetzt wurden und durch welche Mechanismen die Jugend des "Dritten Reiches" in dieses System integriert wurde.
- Historische Entwicklung und struktureller Aufbau der Hitlerjugend.
- Umsetzung der nationalsozialistischen Staatsauffassung und Propagandastrategien.
- Bedeutung der Lebensraumerweiterung und rassenideologischer Lehren für die Jugenderziehung.
- Die Rolle der HJ als Instrument der Machtstabilität und der Erziehung zur Gefolgschaft.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Staatsauffassung und Propaganda
Ähnlich wie Hitler die Totalität seiner Ideologie forderte, beanspruchte er auch die totale Führungsgewalt für sich: „Die Führungsgewalt ist umfassend und total [...] sie ist frei und unabhängig, ausschließlich und unbeschränkt“.11 Diese absolute Führungsrolle erreichte Hitler durch eine Reihe von Gesetzen und Erlassungen: Notverordnung „zum Schutz von Volk und Staat“, „Ermächtigungsgesetz“, „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ und die Vereinigung des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten in einer (seiner) Person (02. August 1934). Der Nationalsozialismus erhob dabei auch den Anspruch, die Erziehung der Jugend bis ins letzte zu reglementieren und zu organisieren. Der von ihm propagierte Lebensstil erforderte einen neuen Charakter, der erst „geformt“ werden musste. Durch diese Formung sollte eine totale Einheit des deutschen Volkes herausgebildet werden.
Hitlers Grundsatz bezüglich der Staatsauffassung lautete: „[...]: Autorität jedes Führers nach unten und Verantwortung nach oben.“12. In der Hitlerjugend wurde dies folgendermaßen realisiert: Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach erhielt mit dem Hitlerjugendgesetz vom 1. Dezember 1936 den Rang einer Obersten Reichsbehörde: § 4 „Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der Hitlerjugend wird dem Reichsjugendführer der NSDAP übertragen [...] Er hat die Stellung einer Obersten Reichsbehörde mit dem Sitz in Berlin und ist dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt.“ Die Autorität nach unten wird dadurch deutlich, das der RjF sämtliche Befugnisse und Rechte gegenüber den ihm unterstellten Jugendlichen hat. Die RjF ernannte selbst die Gebietsführer, die eine formelle Verantwortung dem Jugendführer gegenüber hatten. Schirachs „Verantwortung nach oben“ war dadurch gekennzeichnet, dass er an einheitliche von oben vorgegebene Dienstvorschriften gebunden war. Auch wurde der RjF nicht von der Jugend gewählt, sondern von oben her eingesetzt, kontrolliert und gelenkt, was wiederum den Totalitätsgedanken Hitlers widerspiegelt. Schirach war dem „Führer“ direkt in Berlin unterstellt. Die HJ war für Hitler also ein Instrument zur Machtsicherung, dessen er sich nach seinen Interessen bedienen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der nationalsozialistischen Jugenderziehung anhand des Zitates von Hitler über die Bindung der Jugend ab dem 10. Lebensjahr.
2.1 Entwicklung der Organisation Hitlerjugend: Darstellung der Genese der HJ von den Anfängen 1925 bis zur Etablierung als flächendeckende staatliche Jugendorganisation.
2.2 Organisation der Hitlerjugend: Beschreibung der hierarchischen Struktur und der detaillierten Gliederung der HJ in Untergruppen und Dienstinstanzen.
2.3 Politische und ideologische Ideen Hitlers und ihre Umsetzung in der HJ: Untersuchung des Einflusses von "Mein Kampf" auf die weltanschauliche Schulung der Jugendlichen.
2.4.1 Staatsauffassung und Propaganda: Analyse der totalitären Führungsstruktur ("Autorität nach unten, Verantwortung nach oben") und der propagandistischen Instrumente innerhalb der HJ.
2.4.2 Lebensraumerweiterung im Osten: Erörterung der ideologischen Vorbereitung der Jugend auf einen kriegerischen Expansionskurs durch körperliche Ertüchtigung und wehrsportliche Ausbildung.
2.4.3 Rassenideologie und Sozialdarwinismus: Untersuchung der rassistischen Indoktrination, des Antisemitismus und der geschlechterspezifischen Erziehungsziele im BDM und in der HJ.
2.4 Kurze Wertung der Hitlerjugend für den Nationalsozialismus: Kritische Einschätzung der Rolle der HJ als Instrument zur Gefolgschaftssicherung und zur totalen Integration der Jugend in das NS-System.
3. Schluss: „Und sie wurden nicht mehr frei ihr ganzes Leben...“: Zusammenfassendes Fazit über den Verlust der Freiheit durch strenge Normen und den Missbrauch der Jugend als Mittel zur Herrschaftserhaltung.
Schlüsselwörter
Hitlerjugend, Nationalsozialismus, NS-Ideologie, Jugenderziehung, Volksgemeinschaft, Baldur von Schirach, Propaganda, Rassenideologie, Lebensraum, Erziehung, HJ, BDM, Gefolgschaft, Totalitarismus, Militarisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Hitlerjugend als Erziehungsinstitution des nationalsozialistischen Staates zwischen 1933 und 1939.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem organisatorischen Aufbau der HJ, der Vermittlung von Hitlers Ideologien (Staatsauffassung, Rassenlehre, Lebensraum) und der methodischen Umsetzung dieser Ziele im Alltag der Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwieweit Hitlers politische Ideen in der HJ realisiert werden konnten und wie es gelang, die Jugend als Gefolgschaft für das nationalsozialistische Regime zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Analyse von Primärquellen, insbesondere Hitlers "Mein Kampf", ergänzt durch einschlägige Sekundärliteratur zur Geschichte des "Dritten Reiches".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der organisatorischen Entwicklung, die ideologische Schulung (Staatsauffassung, Rasse, Lebensraum) und die spezifische Ausbildung soldatischer Fähigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Hitlerjugend, Volksgemeinschaft, Totalitarismus, Rassenideologie und Erziehung zur Gefolgschaft.
Wie wurde das "Persönlichkeitsprinzip" in der Hitlerjugend angewendet?
Es bedeutete, dass wichtige Entscheidungen nicht durch demokratische Abstimmungen getroffen wurden, sondern durch autoritäre Führungspersonen von oben nach unten.
Welche Rolle spielten Filme wie "Hitlerjunge Quex" oder "Jud Süß"?
Diese Medien dienten als propagandistische Instrumente, um Jugendliche emotional an das System zu binden, Feindbilder (wie den Juden) zu festigen und das heroische Opfer für das Vaterland zu idealisieren.
Wie reagierte die Hitlerjugend auf Jugendliche, die sich nicht anpassen wollten?
Gegner oder Unangepasste wurden gesellschaftlich isoliert, sanktioniert oder, im extremen Fall, durch den HJ-Streifendienst und Terror bis hin zur Ermordung verfolgt.
- Arbeit zitieren
- Lisa Schlönvogt (Autor:in), 2007, Umsetzung von Hitlers politischen und ideologischen Ideen in der „Hitlerjugend“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91188