Projektive Verfahren zur Diagnostik sind ebenso verbreitet wie umstritten. In der Behandlung Erwachsener spielen sie heute eher eine untergeordnete Rolle. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie werden sie dagegen häufig angewandt. Eines dieser Verfahren ist der Wartegg-Zeichen-Test.
Wider Erwarten gibt es nur wenig und zudem kaum neuere Literatur zu diesem Test.
Im Folgenden werden zunächst der Entwicklungshintergrund projektiver Verfahren, ihre Grenzen und Möglichkeiten sowie ihre Anwendungsbereiche dargestellt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit befasst sich mit dem Wartegg-Zeichentest. Es werden seine theoretischen Grundlagen, Intentionen und Anwendungsbereiche sowie Testdurchführung und Auswertung beschrieben. Im Anschluss wird auf die Besonderheiten bei seiner Anwendung im Kinder- und Jugendbereich eingegangen sowie Kritik am Wartegg-Zeichentest diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Projektive Verfahren
2.1 Entwicklung
2.2 Grenzen und Möglichkeiten
2.3 Anwendungsbereiche projektiver Verfahren
3. Der Wartegg-Zeichentest
3.1 Allgemeines
3.2 Theoretische Grundlagen
3.3 Testdurchführung
3.4 Testauswertung
3.4.1 Formale Auswertung
3.4.1.1 Graphische Merkmale
3.4.1.2 Formbehandlung
3.4.1.2 Flächenbehandlung
3.4.1.3 Auffassung der Formqualitäten
3.4.2 Inhaltliche Auswertung
3.4.2.1 Inhaltliche Gesamtbetrachtung
3.4.2.2 Inhaltliche Einzelbetrachtung
4. Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
5. Kritik am Wartegg-Zeichentest
6. Schlussbemerkung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Anwendung des Wartegg-Zeichentests (WZT) als diagnostischem Instrument, insbesondere im Kontext der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Ziel der Arbeit ist es, die theoretischen Grundlagen, die Durchführung und die komplexen Auswertungsmethoden des Tests darzustellen sowie dessen Möglichkeiten und Grenzen kritisch zu hinterfragen.
- Entwicklungsgeschichte und theoretische Basis projektiver Verfahren
- Detaillierte Analyse der formalen und inhaltlichen Testauswertung
- Besonderheiten und Herausforderungen beim Einsatz im Kinder- und Jugendalter
- Kritische Diskussion zur Validität und dem Einfluss von Begabungsfaktoren
- Die Rolle der projektiven Diagnostik zur Hypothesengenerierung
Auszug aus dem Buch
3.3 Testdurchführung
Die Anleitung, die zu geben ist, lautet nach Maria Renner (1957) wie folgt: "In den weißen Feldern sind Zeichnungen begonnen, die Sie fortführen sollen. Stellen Sie dar, was Ihnen dazu einfällt! Es kommt nicht auf Ihre zeichnerische Begabung an." (S.11).
Es darf lediglich ein (mittelharter) Bleistift benutzt werden (kein Lineal, kein Radiergummi). Zum Schluss soll zu jeder Zeichnung gesagt werden, was sie darstellt und welche der Zeichner für am besten gelungen hält (Renner, 1957). Dies ist die bis heute gängige Variante der Testinstruktion. Wartegg selbst schlägt eine weitaus umfangreichere Instruktion vor. Er legt auch das Bereitstellen eines Radiergummis und von Farbstiften (nur) auf Verlangen nahe (Wartegg, 1953). Des Weiteren spricht er von möglichen Variationen des Tests z.B. durch farbiges Gestalten, durch die Vorgabe, nur bildhafte Lösungen zu geben oder auch Testung unter ärztlich betreuter Psychopharmakagabe (ebd).
Bei Kindern ist die Instruktion der jeweiligen Altersklasse anzupassen, z.B. dass ein anderes Kind die Bilder begonnen hat, dann fort musste und dass das Kind die Bilder nun beenden soll (Wartegg, 1953).
Am günstigsten ist es, den Test einzeln durchzuführen, aber auch eine Gruppentestung mit bis zu 25 Personen ist laut Wartegg (1953) möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der projektiven Verfahren ein und stellt den Wartegg-Zeichentest als Gegenstand der Untersuchung vor.
2. Projektive Verfahren: Das Kapitel behandelt die historische Entwicklung, die systemischen Merkmale sowie die Anwendungsgrenzen projektiver Testmethoden.
3. Der Wartegg-Zeichentest: Hier werden Ursprung, theoretische Fundierung, praktische Testdurchführung und die detaillierten Ansätze zur formalen und inhaltlichen Auswertung erläutert.
4. Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Dieses Kapitel erörtert die spezifischen Anforderungen und die entwicklungstypische Deutung des WZT bei Heranwachsenden.
5. Kritik am Wartegg-Zeichentest: Die Autorin diskutiert methodische Kritikpunkte, insbesondere den Einfluss von Begabung und situativen Faktoren auf das Testergebnis.
6. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Bedeutung des Verfahrens zusammen und betont die Notwendigkeit fundierter Ausbildung für den klinischen Einsatz.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur zur psychologischen Diagnostik.
Schlüsselwörter
Wartegg-Zeichentest, WZT, projektive Verfahren, psychologische Diagnostik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, graphoskopisches Verfahren, Testauswertung, Persönlichkeitsdiagnostik, Tiefenpsychologie, Ausdrucksspuren, projektive Tests, Verhaltensanalyse, klinische Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wartegg-Zeichentest (WZT), einem projektiven Verfahren der psychologischen Diagnostik, das vor allem für Kinder und Jugendliche eingesetzt wird.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Dokument ab?
Die zentralen Themen umfassen die Entstehungsgeschichte, die psychodynamische Interpretation von Zeichnungen, die praktische Testdurchführung sowie die spezifische Anwendung und Kritik am WZT.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Wartegg-Zeichentest fundiert vorzustellen, dessen Auswertungssystematik transparent zu machen und dessen Stellenwert in der klinischen Praxis kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der maßgeblichen diagnostischen Standards und theoretischen Konzepte von Autoren wie Wartegg, Renner und Avé-Lallemant.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die detaillierte formale und inhaltliche Auswertung der einzelnen Testfelder sowie die Analyse von Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind projektive Verfahren, WZT, Persönlichkeitsstruktur, psychologische Diagnostik und kindliche Entwicklung.
Wie unterscheidet sich die Auswertung bei Kindern von der bei Erwachsenen?
Bei Kindern ist eine entwicklungstypische Betrachtung essenziell, da beispielsweise die Nichtbeachtung der Zeichenvorgaben im Kleinkindalter normal, bei Erwachsenen jedoch oft als atypisch zu werten ist.
Warum wird der Einfluss der künstlerischen Begabung diskutiert?
Kritiker führen an, dass zeichnerische Begabung das Testergebnis verfälschen könnte, wobei erfahrene Auswerter angehalten sind, dies bei der Interpretation zu berücksichtigen.
Welche Rolle spielt die Anamnese ergänzend zum Test?
Die Arbeit betont, dass der WZT-Befund nicht isoliert stehen sollte, sondern durch eine gründliche Anamnese und ggf. weitere diagnostische Verfahren verifiziert werden muss.
- Arbeit zitieren
- Katrin Bauer (Autor:in), 2007, Der Wartegg-Zeichentest, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91047