In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Thema „Lied versus Ode“ beschäftigen. Hierzu werde ich die charakteristischen metrischen und semantischen Merkmale der beiden Gedichtgattungen Lied und Ode herausstellen und sie miteinander vergleichen. Somit werden die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten der Gattungen deutlich. Dies analysiere ich anhand des Liedes „Herbstlied“ von Johann Gaudenz von Salis-Seewis und der Ode „Heidelberg“ von Friedrich Hölderlin. Dabei wird das Augenmerk nicht auf die inhaltliche Interpretation der beiden Gedichte gelegt, sondern vielmehr auf die Analyse der jeweiligen Gedichtform.
Ich möchte in meiner Arbeit beweisen, dass die Gattungen Lied und Ode zwei völlig verschiedene Formen von Gedichten sind. Das Lied hat eine hoch determinierte, aber einfache formale Form. Diese einfache Struktur zeigt sich in metrischer wie auch in semantischer Hinsicht, vor allem durch wiederholende Elemente, z.B. Refrain und das Prinzip der Variation. Außerdem ist das Lied durch seine regelmäßige und mehrstrophige Gliederung singbar. Die Ode jedoch besitzt eine niedrig determinierte, aber komplizierte Struktur. Sie ist metrisch fest gefügt und meist stilistisch gehoben. Die Ode kann dieselben Themen aufnehmen wie das Lied, jedoch bedient sie sich nicht der einfachen Struktur des Liedes. Typisch für die Ode ist die Dissonanz von Vers und Satz und das Prinzip der Entwicklung.
Zu Beginn werde ich in meiner Arbeit das Lied „Herbstlied“ in Hinsicht auf seine metrische Organisation untersuchen und seine Reimordnung bestimmen, da es für das Verständnis der beiden Gedichtformen Lied und Ode wichtig ist. Danach werde ich das Verhältnis von Vers und Satz näher betrachten, ferner die Übereinstimmungen und Abweichungen von Rhythmus und Metrum herausstellen. Abschließend werde ich das Gedicht noch hinsichtlich seiner Organisation der Strophen betrachten. Nach derselben Vorgehensweise wird danach die Ode „Heidelberg“ analysiert. Dabei werde ich jedoch die charakteristischen Merkmale der Ode direkt mit denen des Liedes vergleichen, um so die Gemeinsamkeiten wie auch die Abweichungen der beiden Gedichtformen herausstellen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Lied
2.1. Metrik
2.2. Vers versus Satz
2.3. Metrum versus Rhythmus
2.4. Die Strophen im Lied
3. Die Ode
3.1. Metrik
3.2. Vers versus Satz
3.3. Metrum versus Rhythmus
3.4. Die Strophen in der Ode
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Gedichtgattungen „Lied“ und „Ode“ anhand einer vergleichenden Analyse der formalen Merkmale herauszuarbeiten.
- Charakterisierung des Liedes durch das „Herbstlied“ von Johann Gaudenz von Salis-Seewis
- Analyse der Ode mittels Friedrich Hölderlins „Heidelberg“
- Vergleich der metrischen Organisation und des Verhältnisses von Vers und Satz
- Gegenüberstellung der strophischen Struktur (Variation im Lied vs. Entwicklung in der Ode)
- Untersuchung des Zusammenspiels von Metrum und Rhythmus
Auszug aus dem Buch
Die Strophen im Lied
Beim vorliegenden Lied handelt sich es um ein Strophenlied mit 7 Strophen. Die Reimordnung und das Metrum bilden das Rekurrenzschema. Die Struktur der Variation und Wiederholung ist eine typische Eigenschaft dieser Gedichtform. Es macht das Lied für den Sprecher oder Hörer leicht singbar und einprägsam. Alle Strophen bilden eine in sich geschlossene semantische Einheit, können jedoch beliebig variiert werden, was ebenfalls ein typisches Merkmal für diese Gattung darstellt. In der ersten Strophe beschreibt der Sprecher den Beginn des Herbstes an Hand der Darstellung der momentanen landschaftlichen Umgebung.
Und der Herbst beginnt! (V. 3)
In Strophe zwei beschreibt der Sprecher die Traubenernte mit den purpurfarbigen Trauben und reifen Pfirsichen.
Wie die volle Traube,
Aus dem Rebenlaube,
Purpurfarbig strahlt! (V. 7-9)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise anhand der ausgewählten Gedichte.
2. Das Lied: Analyse der formalen Bestimmtheit des Liedes, seiner Reimstruktur, des Metrums und der singbaren, variablen Strophenform.
3. Die Ode: Untersuchung der Ode als weniger determinierte, kompliziertere Gattung, die sich durch Disharmonie von Vers und Satz sowie eine seelische Entwicklung auszeichnet.
4. Schlusswort: Fazit des Vergleichs, in dem die Ode als „Rede der Leidenschaft“ der „harmonischen Form“ des Liedes gegenübergestellt wird.
Schlüsselwörter
Lied, Ode, Gedichtgattungen, Metrik, Rhythmus, Metrum, Schweifreim, Enjambement, Versbau, Strophenform, Variation, Entwicklung, Literaturanalyse, Herbstlied, Heidelberg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um den fundierten Vergleich der formalen Merkmale von Lied und Ode, um aufzuzeigen, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche poetische Gattungen handelt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die metrische Organisation, das Verhältnis von Vers zu Satz sowie die strophische Struktur beider Gedichtformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der konkreten Beispiele „Herbstlied“ und „Heidelberg“ die unterschiedliche formale Determiniertheit der Gattungen nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Versmaß, Rhythmus, Reimordnung und syntaktischer Struktur innerhalb der Gedichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der metrischen und strophischen Besonderheiten des Liedes und der Ode, ergänzt durch einen direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Metrik, Vers versus Satz, Schweifreim, Enjambement und die Gattungsunterscheidung Lied vs. Ode geprägt.
Was unterscheidet das Lied in Bezug auf die Strophen von der Ode?
Liedstrophen sind als abgeschlossene semantische Einheiten variabel austauschbar, während die Odenstrophen eine zusammenhängende Entwicklung des Sprechers darstellen und nicht ohne Weiteres veränderbar sind.
Warum ist das Lied „singbar“?
Die Singbarkeit resultiert aus einer hoch determinierten, einfachen formalen Struktur mit regelmäßigen Wiederholungen, wie etwa dem Schweifreim.
Wie wirkt sich die „Dissonanz von Vers und Satz“ in der Ode aus?
Sie erzeugt eine Disharmonie, bei der sich der Satz über Vers- und Strophengrenzen hinwegsetzt, was die Ode dynamischer und „freier“ als das Lied macht.
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- Anna Sarah Bossmann (Autor), 2005, Lied versus Ode, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90821