Meine zentrale Fragestellung lautet: „Welche Auswirkungen kann das alltagsweltliche Geschlechterwissen auf AkteurInnen haben, die seinen Vorstellungen nicht entsprechen?“, die ich anhand von Louis‘ Debütroman beantworten möchte. Dem einhergehend möchte ich auch beantworten ob sich meine Annahme, dass sich ein Bezug zu der Theorie des alltagsweltlichen Geschlechterwissen mit der Erzählung von Louis herstellen lässt, auch bewähren kann.
Daher ist es mir ein Anliegen das alltagsweltliche Geschlechterwissen mit welchem Édouard Louis konfrontiert wurde, zu versuchen zu rekonstruieren und anhand seiner Schilderungen den Effekt darzustellen, die das alltagsweltliche Geschlechterwissen auf ihn hatte. Da ich nun am Ende meines Studiums angelangt bin und demnächst selbst in die Berufswelt eintrete, war es mir zudem ein Anliegen der Frage nachzugehen, welche Folgerungen ich für mich, als angehende Sozialpädagogin und Absolventin des Studienfaches Erziehungswissenschaft, aus der Beschäftigung mit diesem Thema ziehen kann. Daher entwickelte sich für mich die Fragestellung, welche Möglichkeiten SozialpädagogInnen haben um auf das alltagsweltliche Geschlechterwissen einzuwirken. In ihrem Buch „Kampfzone Geschlechterwissen“ ging Andrea Moser bereits der Frage nach, welche Art von Geschlechterwissen in populärwissenschaftlichen Sachbüchern vermittelt wird. Des Weiteren wurden bereits von dem interdisziplinären Netzwerk „Geschlechterwissen & soziale Praxis“, welches seit 2006 an der Universität Graz besteht und die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geschlechterwissen anführt, zwei Sammelbänder veröffentlicht: „Geschlechterwissen und soziale Praxis“ und „Körper Wissen Geschlecht“. Meine Bachelorarbeit sehe ich als eine sinnvolle Ergänzung zu den noch wenigen Beiträgen zu diesem Thema an.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Begriff „Geschlechterwissen“
- Wissenssoziologie
- Wissensformen nach Schütz
- Die Drei Spielarten des Geschlechterwissens
- Alltagsweltliches Geschlechterwissen
- Gender-Expertenwissen
- Wissenschaftliches Geschlechterwissen
- Dialog zwischen den WissensträgerInnen:
- Vorgehen meiner Analyse und Exkurs zu Bourdieu
- Die Lebenswelt von Louis und seinen Eltern
- Geschlechterrollen im Dorf und in seiner Familie
- Skizzierung der „echten Kerle“
- Skizzierung der „richtigen Frauen“
- Das Verhalten von Édouard Louis und Reaktionen seines Umfeldes
- Louis Anpassungsversuche und seine Flucht
- Diskussion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Auswirkungen das alltagsweltliche Geschlechterwissen auf AkteurInnen haben kann, die seinen Vorstellungen nicht entsprechen. Sie analysiert den Roman „Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis und untersucht, wie die Erfahrungen des Protagonisten mit alltagsweltlichen Geschlechterrollen und Erwartungen seine Identität und sein Verhalten prägten. Die Arbeit stellt die These auf, dass alltagsweltliches Geschlechterwissen eine bedeutende Rolle im Prozess der Selbstfindung und im Umgang mit gesellschaftlichen Normen spielt.
- Das alltagsweltliche Geschlechterwissen und seine Folgen
- Die Konstruktion von Geschlechterrollen im sozialen Kontext
- Die Auswirkungen von gesellschaftlichen Erwartungen auf individuelle Entwicklung
- Der Einfluss von Sozialisation und Familie auf die Internalisierung von Geschlechterwissen
- Der Einfluss von Sprache und Verhalten auf die Konstruktion von Geschlecht
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und stellt den Roman „Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis als Analyseobjekt vor. Sie beleuchtet den persönlichen Hintergrund des Autors und zeigt auf, wie er durch seine Erfahrungen mit alltagsweltlichen Geschlechterrollen dazu angeregt wurde, über diese Thematik zu schreiben. In den folgenden Kapiteln wird das Konzept des Geschlechterwissens in Bezug auf die Wissenssoziologie und die verschiedenen Formen des Geschlechterwissens (alltagsweltliches, Experten- und wissenschaftliches Geschlechterwissen) beleuchtet. Anschliessend wird Bourdieus Habitus-Theorie vorgestellt und als Rahmen für die Analyse des Romans verwendet.
Das Kapitel über die Lebenswelt von Édouard Louis und seinen Eltern analysiert die Geschlechterrollen in seinem Dorf und seiner Familie. Dabei werden die traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit untersucht und die Auswirkungen auf den Protagonisten deutlich gemacht. Abschliessend wird das Verhalten von Édouard Louis im Kontext seiner Umgebung sowie seine Anpassungsversuche und seine Flucht aus seinem Geburtsort beschrieben.
Schlüsselwörter
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie das alltagsweltliche Geschlechterwissen auf AkteurInnen wirkt, die den Erwartungen und Vorstellungen nicht entsprechen. Zentrale Themen sind die Konstruktion von Geschlechterrollen im sozialen Kontext, die Auswirkungen von gesellschaftlichen Erwartungen auf die individuelle Entwicklung, der Einfluss von Sozialisation und Familie auf die Internalisierung von Geschlechterwissen, sowie der Einfluss von Sprache und Verhalten auf die Konstruktion von Geschlecht. Die Arbeit bezieht sich auf theoretische Ansätze der Wissenssoziologie, die Habitus-Theorie von Pierre Bourdieu sowie auf die Analyse des Romans „Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis als Beispiel für die Auswirkungen von alltagsweltlichem Geschlechterwissen.
- Arbeit zitieren
- Louisa Landschein (Autor:in), 2020, "Heute bin ich ein echter Kerl". Alltagsweltliches Geschlechterwissen. Seine Folgen und Möglichkeiten der Veränderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906530