Die Entwicklung der Arbeitsmärkte in der industrialisierten Welt gehört seit geraumer Zeit zu den wichtigsten wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Problemen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Deutschland und in weiten Teilen der Europäischen Union ist in den letzten 30 Jahren mit jeder Rezession sprunghaft jeweils auf ein neues Niveau angestiegen. Das nachfolgende Wirtschaftswachstum konnte die Arbeitslosigkeit jedoch nicht mehr auf ihr ursprüngliches Niveau wieder senken. Die Masse der Arbeitslosigkeit lässt sich folglich in zwei Komponenten zerlegen: Die erste Komponente der Arbeitslosigkeit ist „zyklischer Natur“ und kann folglich durch Wirtschaftswachstum abgebaut werden. Die zweite Komponente bleibt auch bei einem Wirtschaftsaufschwung bestehen und wird als „strukturelle Arbeitslosigkeit“ bezeichnet.
Vom Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit seit Beginn der 80er Jahre sind allerdings nicht alle Personengruppen gleichmäßig betroffen: Denn sowohl das erreichte Niveau als auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist unter den geringqualifizierten Arbeitnehmern besonders ausgeprägt ausgefallen. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich für Arbeitnehmer mit einer geringen Qualifikation im Vergleich zu hochqualifizierten Arbeitnehmern systematisch und dauerhaft verschlechtert. Im Jahr 1998 lag in Deutschland die gruppenspezifische Arbeitslosenquote für Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bei 25,8 %, während die Gruppe der Hochschulabsolventen lediglich 3,4 % verzeichnete.
Um das strukturelle Problem der Arbeitslosigkeit zu analysieren, wird im Weiteren wie folgt vorgegangen: In Kapitel 2 wird mit der Beveridge-Kurve ein allgemeines Modell zur Darstellung der strukturellen Arbeitslosigkeit vorgestellt. Aufbauend darauf wird auch auf die strukturelle Arbeitslosigkeit innerhalb der Gruppe der Geringqualifizierten eingegangen. In Kapitel 3 werden die Gründe für die veränderte qualifikatorische Struktur der Arbeitsnachfrage untersucht. Dabei wird zwischen einem „amerikanischen Szenario“ mit flexiblen Faktorpreisen und einem „kontinentaleuropäischen Szenario“ mit rigiden Lohnrelationen unterschieden. In Kapitel 4 werden im Anschluss einige wirtschaftspolitische Empfehlungen diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung: Arbeitslosigkeit als strukturelles Problem.
- 2. Mismatch am Arbeitsmarkt
- 2.1. Das Konzept der Beveridge-Kurve...
- 2.2. Empirische Relevanz der Beveridge-Kurve.
- 2.3. Modellerweiterung: Die qualifikationsspezifischen Beveridge-Kurven
- 2.4. Empirische Evidenz der qualifikationsspezifischen Beveridge-Kurven …………………….
- 3. Die Ursachen der veränderten qualifikatorischen Struktur der Arbeitsnachfrage.….……………………………….
- 3.1. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt: USA und Kontinentaleuropa im Vergleich..
- 3.2. Globalisierung: Die Expansion des Nord-Süd-Handels
- 3.2.1.,,Amerikanische Perspektive“ mit flexiblen Faktorpreisen
- 3.2.2.,,Kontinentaleuropäische Perspektive“ mit fixen relativen Löhnen ....
- 3.2.3. Empirische Evidenz.
- 3.3. Arbeitssparender technischer Fortschritt.
- 3.3.1.,,Amerikanische Perspektive“ mit flexiblen Faktorpreisen .........
- 3.3.2.,,Kontinentaleuropäische Perspektive“ mit fixen relativen Löhnen ....
- 3.3.3. Empirische Evidenz.....
- 4. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht das strukturelle Problem der Arbeitslosigkeit und analysiert den Zusammenhang zwischen qualifikationsspezifischer Arbeitslosigkeit und der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Im Fokus stehen die Ursachen für den veränderten Qualifikationsbedarf in der Arbeitsnachfrage, insbesondere im Kontext von Globalisierung und technischem Fortschritt.
- Das Konzept der Beveridge-Kurve und ihre empirische Relevanz
- Die Rolle von Qualifikationsmismatches auf dem Arbeitsmarkt
- Die Auswirkungen von Globalisierung auf die Arbeitsnachfrage
- Der Einfluss von arbeitssparendem technischen Fortschritt auf die Arbeitsmarktstruktur
- Vergleichende Analyse der Arbeitsmarktsituation in den USA und Kontinentaleuropa
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in das Thema Arbeitslosigkeit als strukturelles Problem ein. Das zweite Kapitel widmet sich dem Konzept der Beveridge-Kurve, analysiert deren empirische Relevanz und erweitert das Modell um qualifikationsspezifische Beveridge-Kurven. Die empirische Evidenz dieser qualifikationsspezifischen Kurven wird ebenfalls untersucht. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Ursachen der veränderten Qualifikationsstruktur der Arbeitsnachfrage. Zunächst werden die Arbeitsmarktsituation in den USA und Kontinentaleuropa im Vergleich beleuchtet. Anschließend werden die Auswirkungen von Globalisierung auf die Arbeitsnachfrage aus „amerikanischen“ und „kontinentaleuropäischen“ Perspektiven betrachtet, wobei empirische Evidenz herangezogen wird. Schließlich wird der Einfluss von arbeitssparendem technischen Fortschritt auf die Arbeitsmarktstruktur untersucht, wobei die gleiche vergleichende Perspektive angewendet wird.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Beveridge-Kurve, Qualifikationsmismatch, Globalisierung, Technischer Fortschritt, Faktorpreise, Arbeitsmarktstruktur, USA, Kontinentaleuropa, empirische Evidenz.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen zyklischer und struktureller Arbeitslosigkeit?
Zyklische Arbeitslosigkeit verschwindet bei Wirtschaftsaufschwung. Strukturelle Arbeitslosigkeit bleibt auch bei Wachstum bestehen, oft aufgrund fehlender Qualifikationen.
Was beschreibt die Beveridge-Kurve?
Sie stellt den Zusammenhang zwischen offenen Stellen und der Zahl der Arbeitslosen dar und dient als Indikator für Mismatches auf dem Arbeitsmarkt.
Warum sind Geringqualifizierte stärker von Arbeitslosigkeit betroffen?
Globalisierung und technischer Fortschritt verringern die Nachfrage nach einfacher Arbeit, während der Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften steigt.
Wie unterscheiden sich die USA und Europa in der Arbeitsmarktpolitik?
Die USA setzen auf flexible Lohnpreise (amerikanisches Szenario), während Kontinentaleuropa oft rigide Lohnstrukturen beibehält, was zu höherer struktureller Arbeitslosigkeit führen kann.
Welchen Einfluss hat der technische Fortschritt auf die Beschäftigung?
Arbeitssparender technischer Fortschritt ersetzt manuelle Tätigkeiten durch Maschinen, was ohne entsprechende Umqualifizierung zu struktureller Arbeitslosigkeit führt.
- Quote paper
- Diplom-Ökonom Artur Podlejski (Author), 2004, Qualifikation und Arbeitslosigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89852