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Die Fischer-Kontroverse - Der Beginn eines neuen deutschen Geschichtsbildes?

Title: Die Fischer-Kontroverse  - Der Beginn eines neuen deutschen Geschichtsbildes?

Seminar Paper , 2002 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Julia Hermanns (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei wesentliche Teile. Im ersten Teil wird die Ausgangsposition der Kontroverse dargestellt. Wie sah das Geschichtsbild der Nachkriegszeit aus und wie hatte es sich seit dem späten Kaiserreich entwickelt? Wie konnte es zu dem öffentlichen Geschichtsverlust kommen? Warum hatte vor allem die junge Generation keinen Bezug mehr zu Staat und Nation? Der zweite Teil handelt von den zentralen Hauptthesen Fischers. Aus welcher Perspektive betrachtete Fischer die deutsche Geschichte? Welches Quellenmaterial benutze er? Der dritte Teil beschäftigt sich mit den darauffolgenden Reaktionen und Kritikpunkten der Historikerzunft, der Politik und der Öffentlichkeit.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich auch mit der Frage, was von der Fischer-Kontroverse übrig geblieben ist. Es soll geklärt werden, ob Fischer nicht nur die Methoden der Geschichtswissenschaft revolutioniert hat, sondern ob er auch das gesellschaftliche Geschichtsbewußtsein tiefgreifend verändert hat. Auch auf die Aktualität der Fischer-Kontroverse im Prozess der deutschen Vergangenheitsbewältigung soll eingegangen werden.
Das Ziel dieser Arbeit besteht in einer intensiven Auseinandersetzung mit der bundesdeutschen Vergangenheitsbewältigung der 60er Jahre im Focus der Fischer-Kontroverse, um die Frage zu klären, "ob ihm das gelungen ist, ob also sein Buch zum besseren Verständnis deutscher Vergangenheit beiträgt oder ob es sie mißversteht und also entstellt."

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die historische Urkontroverse der Bundesrepublik?

2. Das Deutsche Geschichtsbild 1914 bis 1960

3. Hauptthesen Fischers

3.1 Kontinuität in der deutschen Geschichte 1871 bis 1945

4. Fischer und seine Kritiker

4.1 Gerhard Ritter

4.2 Egmont Zechlin

4.3 Karl-Dietrich Erdmann

5. Schlußbetrachtung: Mehr als eine Kontroverse

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sogenannte Fischer-Kontroverse der 1960er Jahre als zentrales Ereignis der bundesdeutschen Vergangenheitsbewältigung. Das Hauptziel besteht darin, zu klären, inwiefern Fritz Fischers Thesen über die deutsche Verantwortung am Ersten Weltkrieg nicht nur die wissenschaftliche Methodik revolutionierten, sondern auch das gesellschaftliche Geschichtsbewusstsein und die politische Kultur in der Bundesrepublik nachhaltig transformierten.

  • Die Analyse des dominierenden Geschichtsbildes der Nachkriegszeit zwischen 1914 und 1960.
  • Die systematische Darstellung der Hauptthesen von Fritz Fischer zur deutschen Kriegsschuld.
  • Die Untersuchung der Reaktion der etablierten Historikerzunft sowie der öffentlichen und politischen Debatte.
  • Die Bedeutung des Konzepts der Kontinuität in der deutschen Geschichte vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus.
  • Die Einordnung der Fischer-Kontroverse als Spiegelbild der demokratischen Entwicklung der alten Bundesrepublik.

Auszug aus dem Buch

3. Die Hauptthesen Fischers

Fritz Fischer legt seine Thesen bezüglich des Ausbruches des Ersten Weltkrieges in drei Büchern dar. Die Hauptthese Fischers beinhaltet, dass die deutsche Politik den Großteil der historischen Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges trägt: „Da Deutschland den österreich-serbischen Krieg gewollt und gedeckt hat, im Vertrauen auf die deutsche militärische Überlegenheit, es im Juli 1914 bewußt auf einen Konflikt mit Rußland und Frankreich ankommen ließ, trägt die deutsche Reichsführung den entscheidenden Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch des allgemeinen Krieges.“

Die Reichsregierung habe von Beginn des Krieges an über ein umfassendes Kriegszielprogramm verfügt: „Wenn man um die Weltherrschaft kämpfen will“ sagte General Groener im Großen Hauptquartier, „muss dies von langer Hand her vorausschauend mit rücksichtsloser Konsequenz vorbereiten.“

Das „Septemberprogramm“ von Bethmann Hollweg sah die Annexion Belgiens und Frankreichs und die Schwächung Frankreichs und Russlands als Großmacht vor. Dadurch wollte Bethmann Hollweg die höchste Vision eines von Deutschland geführten Mitteleuropa realisieren. Deutschland sollte von einer Kontinentalmacht zu einer Weltmacht aufsteigen. Das Septemberprogramm sei von solch großer Bedeutung, da „das Programm keine isolierten Forderungen des Kanzler [stellte], sondern [...] Ideen führender Köpfe der Wirtschaft, Politik und des Militärs“ repräsentierte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die historische Urkontroverse der Bundesrepublik?: Das Kapitel führt in die Debatte um die Thesen von Fritz Fischer ein und skizziert die wissenschaftliche sowie gesellschaftliche Ausgangslage in der Bundesrepublik.

2. Das Deutsche Geschichtsbild 1914 bis 1960: Hier wird der verbreitete Unschuldskomplex der deutschen Historiker und Bevölkerung der Nachkriegszeit analysiert, der eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Rolle im Ersten Weltkrieg verhinderte.

3. Hauptthesen Fischers: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Argumente Fischers, insbesondere seine Annahme eines deutschen Griffes nach der Weltmacht und eines umfassenden Kriegszielprogramms.

3.1 Kontinuität in der deutschen Geschichte 1871 bis 1945: Es wird Fischers These erörtert, dass es eine direkte Kontinuitätslinie in den Machtstrukturen und der Aggressivität Deutschlands vom Kaiserreich bis zum Dritten Reich gab.

4. Fischer und seine Kritiker: Das Kapitel behandelt die heftige Gegenwehr der konservativen Historikerzunft sowie die politische Einflussnahme auf die wissenschaftliche Debatte.

4.1 Gerhard Ritter: Untersuchung der ablehnenden Haltung des Historikers Gerhard Ritter, der Fischers Thesen als eine Erneuerung des Versailler Diktats interpretierte.

4.2 Egmont Zechlin: Darstellung der Entwicklung Egmont Zechlins, der sich im Laufe der Debatte den Thesen Fischers annäherte.

4.3 Karl-Dietrich Erdmann: Analyse der Arbeit von Karl-Dietrich Erdmann, der durch die Auswertung der Riezler-Tagebücher zur präziseren Beurteilung von Bethmann Hollweg beitrug.

5. Schlußbetrachtung: Mehr als eine Kontroverse: Fazit über den gesellschaftlichen Einfluss der Debatte, die als Katalysator für die Modernisierung des deutschen Geschichtsbewusstseins und die neue Ostpolitik der Regierung Brandt fungierte.

Schlüsselwörter

Fischer-Kontroverse, Fritz Fischer, Erster Weltkrieg, Kriegsschuld, deutsche Geschichte, Kontinuität, Geschichtsbewusstsein, Vergangenheitsbewältigung, Historikerstreit, Bethmann Hollweg, Septemberprogramm, Bundesrepublik Deutschland, Nationalsozialismus, Geschichtswissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sogenannte Fischer-Kontroverse der 1960er Jahre, die als erste große wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte über die deutsche Verantwortung am Ersten Weltkrieg gilt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Kriegszielpolitik des deutschen Kaiserreichs, die Kontinuität deutscher Machtstrukturen, die Rolle der Historikerzunft sowie die politische Kultur der jungen Bundesrepublik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Einfluss der Fischer-Kontroverse auf das gesellschaftliche Geschichtsbewusstsein und die politische Identitätsfindung der Bundesrepublik aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Publikationen, kritischer Aufarbeitung wissenschaftlicher Fachliteratur sowie der Analyse der publizistischen Reaktionen auf die Thesen Fritz Fischers.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Vorkriegssituation, die explizite Ausarbeitung von Fischers Thesen (insbesondere zum Septemberprogramm und der Kontinuitätsproblematik) sowie die kritische Auseinandersetzung mit führenden Historikern wie Ritter, Zechlin und Erdmann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Fischer-Kontroverse, Kriegsschuld, Historikerstreit, Kontinuität und Vergangenheitsbewältigung definieren.

Warum war die Rolle von Gerhard Ritter für die Kontroverse so entscheidend?

Gerhard Ritter fungierte als wichtigster Repräsentant der national-konservativen Historikergeneration, die sich gegen eine Revision des Geschichtsbildes wehrte und Fischers Thesen als Angriff auf die deutsche Ehre empfand.

Inwiefern beeinflusste die Kontroverse die politische Praxis der Regierung Brandt?

Die Arbeit legt dar, dass die Fischer-Kontroverse zur demokratischen Reifung beitrug und den Boden für die „neue Ostpolitik“ bereitete, indem sie die Einsicht in eine geteilte Verantwortung und die Notwendigkeit der Anerkennung politischer Realitäten förderte.

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Details

Title
Die Fischer-Kontroverse - Der Beginn eines neuen deutschen Geschichtsbildes?
College
University of Cologne  (Historisches Seminar)
Course
Einführungsseminar: Die alte Bundesrepublik - Gesellschaft und Kultur
Grade
1,3
Author
Julia Hermanns (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V8970
ISBN (eBook)
9783638157926
Language
German
Tags
Fischer-Kontroverse Beginn Geschichtsbildes Einführungsseminar Bundesrepublik Gesellschaft Kultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Hermanns (Author), 2002, Die Fischer-Kontroverse - Der Beginn eines neuen deutschen Geschichtsbildes?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8970
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