Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Romance Studies - Spanish Studies

Überlegungen zur spanischen Geschichtskonstruktion am Beispiel der Chronik Alfons´ III

Title: Überlegungen zur spanischen Geschichtskonstruktion am Beispiel der Chronik Alfons´ III

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Isabel Weinrich (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Traditionslinie des historischen Nationalgefühls Spaniens begann nicht mit der Auseinandersetzung mit einem autochthonen Volk der iberischen Halbinsel, sondern mit den Westgoten, die die Iberische Halbinsel im 5. Jahrhundert besiedelt hatten und auf die während des gesamten Mittelalters verherrlichend Bezug genommen wurde. Sie dienten den spanischen Königreichen als ein wichtiger Identifikations- und Legitimationsfaktor. So liegt der Schwerpunkt der Crónica de Alfonso III einerseits auf der Begründung des westgotischen Zerfalls und andererseits auf einer Prophezeiung des asturischen Nationalhelden Pelayo, durch welche er die Rückkehr des Westgotenreiches und die Rückeroberung des gesamten spanisch-christlichen Territoriums ankündigt. Ebenso wie die erste (erhaltene) Chronik, die zur Zeit Alfons´ III verfasst wurde, die Crónica Albeldense (beendet zwischen 831 und 833), beruft sich die Crónica de Alfonso III auf die bis dahin entstandene Überlieferung der westgotischen Kontinuität. Pelayo, ein adeliger Gote, soll durch seinen erfolgreichen Widerstand gegen die Mauren in der Schlacht von Covadonga die Reconquista eingeleitet haben und daher am Anfang der asturischen Monarchie stehen, die sich als Erbin der gotisch-christlichen Tradition verstand.
In der vorliegenden Arbeit soll die historisch überlieferte Konstruktion der spanischen Vergangenheit am Beispiel einiger markanter Ereignisse des beginnenden 8. Jahrhunderts mit der Crónica de Alfonso III in Beziehung gesetzt werden. Dabei soll der Versuch unternommen werden, herauszustellen, inwiefern die einzigen historischen Dokumente aus der Zeit der überlieferten islamischen Invasion, nämlich die frühen Chroniken, der späteren Geschichtsschreibung Spaniens als Grundlage gedient haben, um einer christlich-nationalen Ideologie zu entsprechen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die historische Überlieferung und die Chronik im Vergleich

2.1 Zur Crónica de Alfonso III

2.2 Die letzten Westgotenkönige und die Lehre von der hispanidad

2.3 Die Begründung der Niederlage von 711

2.4 Covadonga und der Beginn der Reconquista

2.5 Die asturischen Könige

2.6 Die Darstellung der Araber

2.7. Die Wahrheitslegitimation

3. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die frühen christlichen Chroniken, insbesondere die Crónica de Alfonso III, als Grundlage für eine spätere christlich-nationale Geschichtsschreibung Spaniens dienten und inwieweit diese Dokumente historische Ereignisse zur Konstruktion einer nationalen Identität instrumentalisierten.

  • Analyse der Crónica de Alfonso III als Instrument der Geschichtskonstruktion.
  • Untersuchung des westgotisch-christlichen Selbstverständnisses Spaniens.
  • Kritische Beleuchtung der Mythenbildung rund um die Reconquista und den Nationalhelden Pelayo.
  • Vergleich der Darstellung christlicher Herrscher und arabischer Invasoren in der Historiografie.

Auszug aus dem Buch

2.4 Covadonga und der Beginn der Reconquista

Der Crónica de Alfonso III zufolge gelang es Pelayo, einem westgotischen Adeligen, mit seinem Pferd schwimmend den Fluss Piloña zu überqueren und auf der gegenüberliegenden Seite mit einer Gruppe von Asturiern einen Berg namens Auseva zu besteigen, um darin Zuflucht in einer sicheren Höhle zu finden. Die genaue Herkunft Pelayos ist bis heute unbekannt, Menéndez Pidal betont jedoch, was angesichts seiner ideologischen Gesinnung nicht verwundert, dessen gotische Abstammung: „parece haber llevado sangre gótica en sus venas“. Ebenfalls bleibt die Herkunft der durch Pelayo versammelten Asturier, schwammig.

Der maurische König hätte daraufhin eine sehr starke Armee von 187.000 Soldaten unter Alquamah und begleitet von einem Bischof namens Oppa, der ein Sohn Witizas gewesen sei, nach Covadonga entsandt. Der Bischof Oppa von Sevilla gilt als ein Familienangehöriger Witizas und zählt, gemäß der historischen Überlieferung, zu denjenigen, welche, in den Worten eines Geistlichen aus dem 19. Jahrhundert, „die Sache Spaniens verrathen haben“, zumal er gemeinsam mit den Söhnen Witizas die Mauren in Afrika zum Einfall angestiftet und „einen traurigen Antheil an der völligen Unterwerfung des Landes“ gehabt habe.

In einem Gespräch zwischen Pelayo und dem Bischof Oppa in der Höhle habe, dem Chronisten zufolge, Oppa versucht, Pelayo seinen Widerstand auszureden und ihn von einer christlich-arabischen Kollaborationspolitik zu überzeugen, indem er ihn an die vielen bisherigen Niederlagen der westgotischen Truppen gegen die arabischen Armeen erinnerte. Pelayos Worte sind in der Chronik in einem sehr christlichen Stil formuliert und enthalten Bibelgeschichten aus dem Alten Testament. Der Schwerpunkt des Dialogs in der Höhle liegt auf Pelayos tiefem Vertrauen in Gottes Hilfe während der bevorstehenden Schlacht und auf seiner optimistischen Prophezeiung, in welcher er den Berg Auseva als Ursprung der Wiederherstellung des Wohlergehens Spaniens und dem Sieg der westgotischen Armee bezeichnet: „through this little mountain, which you see, the well-being of Spain and the army of the Gothic people will be restored“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie historische Dokumente des 8. Jahrhunderts genutzt wurden, um eine christlich-nationale Ideologie Spaniens zu begründen.

2. Die historische Überlieferung und die Chronik im Vergleich: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Versionen der Crónica de Alfonso III und vergleicht deren Inhalte mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Geschichte der Westgoten und der islamischen Invasion.

2.1 Zur Crónica de Alfonso III: Der Abschnitt erläutert die Entstehung, die stilistischen Merkmale und die historische Einordnung der Crónica de Alfonso III.

2.2 Die letzten Westgotenkönige und die Lehre von der hispanidad: Hier wird untersucht, wie die Historiografie die Krise des Westgotenreiches im Kontext religiöser und politischer Identitätskonzepte interpretiert.

2.3 Die Begründung der Niederlage von 711: Das Kapitel analysiert die legendenhafte Darstellung der Thronfolge und die Zuschreibung von Sünden als Ursache für den Untergang des Westgotenreiches.

2.4 Covadonga und der Beginn der Reconquista: Der Text beleuchtet den Mythos Pelayo und die Schlacht von Covadonga als Ausgangspunkt der christlichen Rückeroberung.

2.5 Die asturischen Könige: Die Darstellung der Herrschaft der asturischen Könige wird hier hinsichtlich ihres legitimatorischen Charakters für die christliche Kontinuität hinterfragt.

2.6 Die Darstellung der Araber: Dieses Kapitel untersucht die einseitige und negative Zeichnung der Araber als „Feindbild“ innerhalb der christlichen Chroniken.

2.7. Die Wahrheitslegitimation: Abschließend wird der Anspruch der Chronisten auf unbedingte historische Wahrheit kritisch reflektiert.

3. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst zusammen, dass die spanische Geschichtsschreibung noch immer stark von einer christlich-nationalen Ideologie und unreflektierten Mythen geprägt ist.

Schlüsselwörter

Crónica de Alfonso III, Spanien, Geschichte, Nationalmythos, Reconquista, Westgoten, Araber, Geschichtskonstruktion, Ideologie, Pelayo, Covadonga, Hispanidad, Christentum, Islam, Historiografie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie historische Chroniken aus dem Mittelalter, insbesondere die Crónica de Alfonso III, zur Konstruktion einer christlich-nationalen Identität Spaniens beigetragen haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die historische Überlieferung der westgotischen Zeit, die Mythenbildung rund um die arabische Invasion von 711 und die Entstehung des asturischen Nationalmythos.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es herauszufinden, inwiefern frühe christliche Dokumente als Grundlage für eine christlich-nationale Ideologie dienten und wie diese zur Interpretation späterer Ereignisse genutzt wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-kritische Textanalyse, die den Inhalt der Chroniken den heutigen historiografischen Erkenntnissen gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Ereignisse wie den Untergang des Westgotenreiches, die Schlacht von Covadonga, das Verhalten der asturischen Könige und die konzeptionelle Darstellung der Araber als Feindbild.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Reconquista, Nationalmythos, Crónica de Alfonso III und Geschichtskonstruktion charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Legende des Grafen Don Julián in der Untersuchung?

Die Legende wird als Beispiel für historisch unbelegte Erzählungen angeführt, die dennoch Eingang in die Geschichtsschreibung fanden, um die arabische Invasion als Racheakt oder Verrat zu erklären.

Wie bewertet die Autorin die sogenannte "convivencia"?

Sie betrachtet den Begriff der convivencia als historisch problematisch, da das friedliche Zusammenleben im 8. Jahrhundert primär daraus resultierte, dass religiöse Identitätskonflikte zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierten.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Überlegungen zur spanischen Geschichtskonstruktion am Beispiel der Chronik Alfons´ III
College
University of Paderborn  (Romanistik)
Course
Zur Geschichte Andalusiens
Grade
1,3
Author
Isabel Weinrich (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V89434
ISBN (eBook)
9783638028967
ISBN (Book)
9783638926775
Language
German
Tags
Geschichtskonstruktion Beispiel Chronik Alfons´ Geschichte Andalusiens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Isabel Weinrich (Author), 2007, Überlegungen zur spanischen Geschichtskonstruktion am Beispiel der Chronik Alfons´ III, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89434
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint