Nachdem in den Jahren 1997 bis 2000 der Gang an die Börse ein erstrebenswertes Ziel war und eine regelrechte Going Public Welle beobachtet werden konnte, kam dieser Markt nach der drastischen Korrektur der Kapitalmärkte, die zwischen 2000 und 2002 stattfand, fast vollständig zum Erliegen.
In den letzten Jahren konnte an den Börsen immer häufiger eine gegenläufige Entwicklung beobachtet werden. Statt an die Börse zu gehen, verabschieden sich mittlerweile immer mehr Unternehmen von der Börse und geben ihre Börsennotierung auf.
Dies war auch in der Fachpresse zunehmend in Überschriften zu erkennen, wie:
• Jenseits der Börse fängt die Zukunft an (Financial Times Deutschland, 17. Januar 2002)
„Wo kein Potential mehr gesehen wird, halten sich die Anleger fern. Der Kurs dümpelt, der Frust steigt. Immer mehr mittelständische Unternehmen, die ihre Hoffnung auf die Börse gesetzt haben, überlegen daher, sich vom Parkett zurückzuziehen“.
• Delisting – Worauf es beim Börsenrückzug ankommt (Der Platow Brief, 6. Juni 2002)
„Der Rückzug von der Börse kommt derzeit genauso in Mode, wie zuvor der Börsengang absolut in war.“
Das Phänomen des Rückzugs von der Börse bezeichnet man als Going Private. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass jedes fünfte mittelständische Unternehmen momentan darüber nachdenkt die Börse zu verlassen. Was sind die Gründe, die solchen Erwägungen zugrunde liegen? Handelt es sich um eine Kapitulation vor den Kapitalmärkten? Kann dieser Schritt als Rückwärtsentwicklung des Unternehmens interpretiert werden, da damit offensichtlich die ursprüngliche Entscheidung des Going Public korrigiert wird?
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Definitionen und Abgrenzungen
- 2.1. Der Begriff der Going Private-Transaktion
- 2.2 Der Begriff des Mittelstandes
- 2.2.1. Definition des Begriffes Mittelstand
- 2.2.2. Bedeutung des Mittelstandes
- 3. Historische Entwicklung von Going Private-Transaktionen
- 4. Motive eines Going Private
- 4.1. Verlust der Funktion der Börsennotierung
- 4.1.1. Kapitalbeschaffungsfunktion
- 4.1.2. Fungibilität und Liquidität der Aktien
- 4.1.3 Kontrollfunktion
- 4.1.4. Bewertungsfunktion
- 4.2. Kosten-Aspekte einer Börsennotierung
- 4.2.1. Being-Public-Kosten
- 4.2.1.1. Direkte Kosten
- 4.2.1.2. Indirekte Kosten
- 4.2.1.3. Agency-Kosten
- 4.2.2. Kosten der Durchführung einer Going Private-Transaktion
- 4.2.1. Being-Public-Kosten
- 4.3. Abwendung einer feindlichen Übernahme
- 4.4. Sanierung abseits der Börsenöffentlichkeit
- 4.5. Vorhandensein unausgeschöpfter Wertpotentiale
- 4.5.1. Uneffektive Strukturen
- 4.5.2. Verlust von Kontrollsystemen
- 4.5.3. Kapitalstruktur
- 4.6. Nachteile der Aktiengesellschaft gegenüber Unternehmen mit anderen Rechtsformen
- 4.6.1. Vorbemerkungen
- 4.6.2. Rechnungslegungspflichten
- 4.6.3. Publizitätspflichten
- 4.6.4. Arbeitnehmermitbestimmung
- 4.6.5. Steuerliche Gründe
- 4.6.6. Restrukturierungspotential
- 4.6.7. Managementkontrolle
- 4.6.8. Berücksichtigung von Minderheitsaktionären
- 4.7. Sonstige Aspekte
- 4.7.1. Unternehmerpersönlichkeit
- 4.7.2. Nachfolgeregelungen
- 4.8. Fazit
- 4.1. Verlust der Funktion der Börsennotierung
- 5. Umsetzung von Going Private-Transaktionen
- 5.1. Systematisierung der Umsetzungsvarianten
- 5.2. Personenbezogene Gestaltungsformen
- 5.2.1. Gestaltung durch unternehmensinterne Personen
- 5.2.1.1. Management-Buy-Out
- 5.2.1.2. Belegschafts-Buy-Out
- 5.2.1.3. Eigentümer-Buy-In
- 5.2.2. Gestaltung durch unternehmensexterne Personen
- 5.2.2.1. Management-Buy-In
- 5.2.2.2. Third-Party-Buy-Out
- 5.2.3. Fazit
- 5.2.1. Gestaltung durch unternehmensinterne Personen
- 5.3. Umsetzungstechniken
- 5.3.1. Formelles Delisting
- 5.3.1.1. Delisting auf Antrag des Emittenten (Reguläres Delisting)
- 5.3.1.2. Delisting durch Verlust der Zulassungsvoraussetzungen
- 5.3.2. Materielles oder Kaltes Delisting
- 5.3.2.1. Vorbereitende Maßnahmen
- 5.3.2.2. Squeeze-Out
- 5.3.2.3. Formwechsel
- 5.3.2.4. Eingliederung
- 5.3.2.5. Verschmelzung
- 5.3.2.6. Asset-Deal mit anschließender Liquidation
- 5.3.3. Fazit
- 5.3.1. Formelles Delisting
- 5.4. Finanzierung von Going Private-Transaktionen
- 5.4.1. Vorbemerkungen
- 5.4.2. Innenfinanzierung
- 5.4.3. Außenfinanzierung
- 5.4.4. Fazit
- 6. Phasen und Beteiligte einer Going Private-Transaktion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht Going-Private-Transaktionen, insbesondere im deutschen Mittelstand. Ziel ist es, die Motive, Umsetzungsmöglichkeiten und beteiligten Akteure dieser Transaktionen zu analysieren und zu systematisieren.
- Motive für Going-Private-Transaktionen
- Umsetzungsvarianten von Going-Private-Transaktionen
- Finanzierung von Going-Private-Transaktionen
- Beteiligte Akteure bei Going-Private-Transaktionen
- Historische Entwicklung von Going-Private-Transaktionen in Deutschland
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Going-Private-Transaktionen ein und gibt einen Überblick über die Struktur der Arbeit.
2. Definitionen und Abgrenzungen: Hier werden die zentralen Begriffe wie "Going Private-Transaktion" und "Mittelstand" präzise definiert und abgegrenzt. Es wird zwischen verschiedenen Arten von Going-Private-Transaktionen unterschieden und der Fokus auf den Mittelstand als relevanten Akteursbereich begründet.
3. Historische Entwicklung von Going Private-Transaktionen: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung von Going-Private-Transaktionen, analysiert Trends und Entwicklungen im Zeitverlauf und setzt diese in einen wirtschaftspolitischen Kontext. Der Fokus liegt auf der Entwicklung in Deutschland.
4. Motive eines Going Private: Dieser Abschnitt untersucht die verschiedenen Motive, die Unternehmen zum Going Private bewegen. Es werden sowohl finanzielle Aspekte (z.B. Kostenreduktion durch Wegfall von Börsenpflichten) als auch strategische Motive (z.B. mehr Handlungsfreiheit, Abwehr feindlicher Übernahmen) detailliert analysiert und anhand von Beispielen erläutert. Die Bedeutung der Unternehmenskultur und der Unternehmerpersönlichkeit wird ebenfalls thematisiert.
5. Umsetzung von Going Private-Transaktionen: Das Kapitel beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten der Umsetzung von Going-Private-Transaktionen. Es werden verschiedene Gestaltungsformen (z.B. Management-Buy-Out, Third-Party-Buy-Out) und Umsetzungstechniken (z.B. formelles und materielles Delisting) systematisch dargestellt und deren Vor- und Nachteile verglichen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Finanzierung solcher Transaktionen.
6. Phasen und Beteiligte einer Going Private-Transaktion: In diesem Kapitel werden die einzelnen Phasen eines Going-Private-Prozesses detailliert beschrieben. Es werden die verschiedenen beteiligten Akteure (z.B. Management, Investoren, Berater) und deren Rollen und Verantwortlichkeiten analysiert, und es werden die typischen Herausforderungen in den verschiedenen Phasen beleuchtet.
Schlüsselwörter
Going Private, Mittelstand, Delisting, Management-Buy-Out, Finanzierung, Transaktionskosten, Börsennotierung, Akquisition, Restrukturierung, Unternehmerpersönlichkeit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu "Going Private-Transaktionen im deutschen Mittelstand"
Was ist der Inhalt dieser Arbeit?
Diese Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über Going-Private-Transaktionen, insbesondere im deutschen Mittelstand. Sie beinhaltet eine Einleitung, präzise Definitionen der Schlüsselbegriffe, eine historische Entwicklungsanalyse, eine detaillierte Untersuchung der Motive für Going-Private-Transaktionen, eine Systematisierung der Umsetzungsvarianten und -techniken, eine Analyse der Finanzierungsmöglichkeiten und eine Beschreibung der beteiligten Akteure und Phasen.
Was sind Going-Private-Transaktionen?
Going-Private-Transaktionen bezeichnen den Vorgang, bei dem ein börsennotiertes Unternehmen von der Börse genommen wird und in den Besitz weniger Aktionäre, oft des Managements oder Investoren, übergeht. Die Arbeit definiert diesen Begriff präzise und grenzt ihn von anderen Transaktionstypen ab.
Welche Motive stecken hinter Going-Private-Transaktionen?
Die Arbeit analysiert eine Vielzahl von Motiven. Dazu gehören der Verlust der Funktion der Börsennotierung (Kapitalbeschaffung, Liquidität, Kontrolle, Bewertung), Kostenreduktion durch Wegfall von Börsenpflichten (Being-Public-Kosten, Agency-Kosten), Abwehr feindlicher Übernahmen, Sanierungsmöglichkeiten abseits der Öffentlichkeit, die Nutzung unausgeschöpfter Wertpotentiale (durch Restrukturierung ineffektiver Strukturen), Nachteile der Aktiengesellschaft gegenüber anderen Rechtsformen (Rechnungslegung, Publizität, Mitbestimmung, Steuern), und Aspekte wie Unternehmerpersönlichkeit und Nachfolgeregelungen.
Wie werden Going-Private-Transaktionen umgesetzt?
Die Arbeit systematisiert verschiedene Umsetzungsvarianten, unterteilt nach den beteiligten Personen (z.B. Management-Buy-Out (MBO), Management-Buy-In (MBI), Belegschafts-Buy-Out (EBO), Third-Party-Buy-Out (TBO), Eigentümer-Buy-In) und Umsetzungstechniken (formelles Delisting, materielles Delisting, Squeeze-Out, Formwechsel, Eingliederung, Verschmelzung, Asset-Deal mit anschließender Liquidation). Die Finanzierung dieser Transaktionen (Innen- und Außenfinanzierung) wird ebenfalls behandelt.
Welche Akteure sind an Going-Private-Transaktionen beteiligt?
Die Arbeit identifiziert und beschreibt die Rollen und Verantwortlichkeiten der verschiedenen Akteure, darunter das Management, Investoren, Berater, Banken und Aktionäre. Die Interaktionen und Herausforderungen in den verschiedenen Phasen des Prozesses werden beleuchtet.
Welche Bedeutung hat der Mittelstand in diesem Kontext?
Die Arbeit konzentriert sich explizit auf Going-Private-Transaktionen im deutschen Mittelstand. Der Begriff "Mittelstand" wird definiert, seine Bedeutung im Kontext dieser Transaktionen erläutert und der Fokus auf diesen Bereich begründet.
Wie ist die Arbeit strukturiert?
Die Arbeit ist in sechs Kapitel gegliedert: Einleitung, Definitionen und Abgrenzungen, historische Entwicklung, Motive für Going Private, Umsetzung von Going-Private-Transaktionen und Phasen und Beteiligte. Jedes Kapitel wird in der Zusammenfassung der Kapitel detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit?
Schlüsselwörter sind: Going Private, Mittelstand, Delisting, Management-Buy-Out, Finanzierung, Transaktionskosten, Börsennotierung, Akquisition, Restrukturierung, Unternehmerpersönlichkeit.
Gibt es eine historische Analyse von Going-Private-Transaktionen?
Ja, die Arbeit beinhaltet ein Kapitel, welches die historische Entwicklung von Going-Private-Transaktionen in Deutschland beleuchtet, Trends und Entwicklungen analysiert und diese in einen wirtschaftspolitischen Kontext einordnet.
Wie werden Going-Private-Transaktionen finanziert?
Das Kapitel zur Umsetzung behandelt ausführlich die Finanzierung solcher Transaktionen, sowohl die Innenfinanzierung als auch die Außenfinanzierung mit verschiedenen Finanzierungsinstrumenten.
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- Petra Distler (Author), 2007, Das Going Private mittelständischer Unternehmungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89225