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Herders anthropozentrische Begründung des Sprachursprungs und dessen Voraussetzungen

Title: Herders anthropozentrische Begründung des Sprachursprungs und dessen Voraussetzungen

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jessica Werner (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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1769 lautet die Preisfrage der Berliner Akademie der Wissenschaften:
«En supposant les hommes abandonnés à leurs facultés naturelles, sont-ils en état d’inventer le langage? Et par quels moyens parviendront-ils d’eux mêmes à cette invention? On demanderoit une hypothèse qui expliquât la chose clairement et qui satisfît à toutes les difficultés.»
Dieser Fragestellung liegt eine langjährige Diskussion über verschiedene sprachphilosophische Probleme – innerhalb der Akademie selbst vor allem angeregt durch die Präsidentschaft Maupertuis’ von 1746–56 – zugrunde , die unter anderem auch Süßmilchs Akademieschrift von 1766 mit dem Titel Versuch eines Beweises, dass die erste Sprache ihren Ursprung nicht vom Menschen, sondern allein vom Schöpfer erhalten habe als Resultat hat.
Herder bezieht sich vor allem auch auf diese Abhandlung Süßmilchs in seinem Versuch, die Akademiefrage von 1769 zu beantworten, den er mit seiner Abhandlung über den Ursprung der Sprache – 1772, nachdem er den Preis erhielt, erstmals erschienen und eigentlich korrekt „Haben die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden können?“ betitelt –, unternimmt.
Herder selbst hat sich an der öffentlichen Diskussion um die Frage nach Sprachursprung und Sprachentstehung bis zu diesem Zeitpunkt kaum beteiligt; jedoch hat er zuvor bereits einige Schriften veröffentlicht, die sich mit der Sprache beschäftigen , und geht nun daran, seine eigene Theorie über den Ursprung der Sprache darzulegen. Diese Gelegenheit nutzt er auch, um sich polemisch vor allem gegen Süßmilch und Condillac abzugrenzen und seine eigene, auf anthropologischem Fundament stehende, Theorie zum Ursprung der Sprache darzulegen.
Im herderschen Schaffen steht Sprache bzw. deren Ursprung und Funktion oft im Mittelpunkt, und wo sie es nicht tut, greift er dennoch, in beinahe jedem Kontext seines weitgefächerten Interesses, immer wieder auf sie zurück, denn die Sprache ist ihm Ausgangspunkt seiner Ausführungen: „Von der Betrachtung der Sprache aus unternimmt Herder seinen weiten Zug in die Welt des Geistes, und er blickt immer wieder auf diesen Ausgangspunkt zurück. Die Beschäftigung mit der Sprache bezeichnet den Beginn seines wissenschaftlichen Denkens – die Sprache selbst steht für ihn am Anfang der Geschichte der Kultur, ja sogar am Anfang des spezifisch Menschlichen überhaupt […]“.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stellung der Sprache bis Herder

3. Herders Absicht und Methode

4. Voraussetzungen für Herders Theorie des Sprachursprungs

5. Herders Theorie zum Ursprung der Sprache

5.1. Natursprache

5.2. Herders Anthropozentrismus oder der Unterschied zwischen Mensch und Tier

5.2.1. Der aufrechte Gang

5.2.2. Freiheit

5.2.3. Besonnenheit

5.3. Menschliche Sprache

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Herders anthropozentrische Begründung des Sprachursprungs und analysiert die philosophischen Voraussetzungen sowie die methodische Herangehensweise des Denkers innerhalb seiner zentralen sprachphilosophischen Schriften.

  • Die historische Stellung der Sprache in der Philosophie bis zur Aufklärung.
  • Herders spezifische methodische Vorgehensweise und sein Konzept der Humanität.
  • Metaphysische und anthropologische Voraussetzungen des herderschen Sprachdenkens.
  • Die Differenzierung zwischen der „Natursprache“ und der „menschlichen Sprache“.
  • Die Rolle von Besonnenheit, Freiheit und Reflexion bei der Entstehung von Sprache.

Auszug aus dem Buch

5.1. Natursprache

Die Abhandlung beginnt provokativ mit den Worten: „Schon als Tier hat der Mensch Sprache.“ Damit ist nicht etwa gemeint, dass sowohl Mensch als auch Tier Sprache hätten, oder dass der Mensch vom Tier abstamme, sondern Herder bezieht hier sogleich Position gegen die Theorie des göttlichen Sprachursprungs, wie Süßmilch sie vertritt. Dieser häufig missverstandene Satz hat eine vornehmlich negative Funktion, da er zeigen soll, „[...] dass das, was der Mensch als Tier hat, gerade nicht das Menschliche ist, sondern das Tierische.“ Daher ist diese gemeinsame „Sprache“ nicht die menschliche, sondern die „Tiersprache“, die in erster Linie dazu dient, spontan Empfindungen auszudrücken: „Alle heftigen, und die heftigsten unter den heftigen, die schmerzhaften Empfindungen seines [des Menschen, Anm. d. V.] Körpers, alle starken Leidenschaften seiner Seele äußern sich unmittelbar in Geschrei, in Tönen, in wilden, unartikulierten Lauten.“ Jene „Sprache“ ist rein mechanisch, indem der Körper instinktiv auf einen Stimulus, wie z.B. den Schmerz, reagiert; andere Wesen werden beim Ertönen dieser Naturschreie, unabhängig von Willkür oder Vernunft, zum mechanischen Mitschwingen, zum Mitgefühl, gebracht; dies gilt auch für die Menschen, da sie nicht „[...] als abgesonderte Steinfelsen, als egoistische Monaden geschaffen“ worden sind, und durch die Schreie anderer Wesen, sei es menschlicher oder tierischer Schrei, gleichermaßen berührt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Kontext der Preisfrage der Berliner Akademie von 1769 und ordnet Herders Abhandlung in die zeitgenössische sprachphilosophische Diskussion sowie sein übriges Werk ein.

2. Stellung der Sprache bis Herder: Dieses Kapitel skizziert die funktionale Betrachtung der Sprache vor dem 18. Jahrhundert, in der sie zumeist der Grammatik, Rhetorik oder Poetik untergeordnet war.

3. Herders Absicht und Methode: Hier wird dargelegt, dass Herders scheinbare Unsystematik als Methode dient, um dem Humanitätsgedanken und der komplexen Verflechtung von Natur, Geschichte und Sprache gerecht zu werden.

4. Voraussetzungen für Herders Theorie des Sprachursprungs: Das Kapitel analysiert Herders metaphysische Position, insbesondere seine Abkehr von statisch-rationalistischen Systemen hin zu einer dynamisch-morphologischen Betrachtung.

5. Herders Theorie zum Ursprung der Sprache: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung von Sprache aus der natürlichen Empfindung und dem menschlichen Anthropozentrismus.

5.1. Natursprache: Hier wird die instinktive Empfindungssprache erläutert, die zwar die Basis der Kommunikation bildet, aber deutlich von der reflektierten menschlichen Sprache zu unterscheiden ist.

5.2. Herders Anthropozentrismus oder der Unterschied zwischen Mensch und Tier: Das Kapitel begründet den Sonderstatus des Menschen durch seine Vernunftanlage und seine Einbindung in Gottes Schöpfung.

5.2.1. Der aufrechte Gang: Es wird untersucht, wie die physische Aufrichtung als Voraussetzung für die Ausbildung von Gehirn und Vernunft fungiert.

5.2.2. Freiheit: Die Freiheit des Menschen wird als Konsequenz seiner instinktiven Mängelausstattung dargestellt, die ihm eine größere Weltsphäre ermöglicht.

5.2.3. Besonnenheit: Die Besonnenheit wird als das zentrale Vermögen identifiziert, das menschliches Denken und Sprache erst ermöglicht.

5.3. Menschliche Sprache: Das Kapitel zeigt den Übergang von inneren Merkmalen der Seele zur artikulierten Sprache durch die bewusste Reflexion auf die Umwelt.

6. Schluss: Das Fazit fasst die Bedeutung von Herders Ansatz für seine Zeit und die fortdauernde Anregungskraft seiner Sprachphilosophie zusammen.

Schlüsselwörter

Johann Gottfried Herder, Sprachursprung, Sprachphilosophie, Anthropozentrismus, Besonnenheit, Humanität, Reflexion, Natursprache, Vernunft, Mängelwesen, Erkenntnistheorie, Aufklärung, Sprachentwicklung, Zeichengebung, Mensch-Tier-Verhältnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Herders sprachphilosophisches Denken, insbesondere seine Argumentation zur Entstehung der menschlichen Sprache in Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Philosophen wie Condillac und Süßmilch.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen der Ursprung der Sprache, das Verhältnis von Mensch und Tier, die Rolle der Vernunft sowie Herders Konzept der Humanität und der Besonnenheit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, Herders anthropozentrische Begründung der Sprache aufzuzeigen und zu verstehen, wie er den Sprung von einer rein tierischen Natursprache zu einer spezifisch menschlichen, reflektierten Sprache begründet.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet Herder laut der Arbeit?

Herder nutzt eine polemische und auf mehreren Ebenen argumentierende Methode, die nicht auf ein abgeschlossenes System zielt, sondern auf die lebendige, historische Entwicklung des menschlichen Geistes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der systematischen Herleitung der Sprache: von der „Natursprache“ der Empfindung über die anthropologischen Merkmale (aufrechter Gang, Freiheit, Besonnenheit) bis hin zur bewussten Erfindung der Sprache durch Reflexion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Herders Anthropozentrismus, Besonnenheit, Reflexion, das Wort der Seele und die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier durch die Fähigkeit zur Sprache.

Warum ist laut Herder der aufrechte Gang für die Sprache entscheidend?

Die physische Aufrichtung des Menschen ermöglicht laut Herder eine Neuorientierung des Gehörsinns und schafft die anatomischen Voraussetzungen für die Gehirnentwicklung, die wiederum für vernünftiges Denken und Sprechen nötig ist.

Was unterscheidet bei Herder die menschliche Sprache von der Tiersprache?

Tiersprache ist für Herder Ausdruck mechanischer Instinkte und unreflektierter Empfindungen, während menschliche Sprache auf der aktiven Fähigkeit zur „Besonnenheit“ und bewussten Zeichensetzung durch Reflexion basiert.

Inwiefern ist der Mensch für Herder ein „Mängelwesen“?

Der Mensch ist gegenüber Tieren instinktiv weniger spezialisiert, was Herder jedoch nicht als Schwäche, sondern als Freiheitsgewinn wertet, da der Mensch dadurch gezwungen ist, seine Fähigkeiten durch soziale Interaktion und Sprache selbst zu entwickeln.

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Details

Title
Herders anthropozentrische Begründung des Sprachursprungs und dessen Voraussetzungen
College
University of Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Course
Klassische Sprachphilosophie (Platon, Herder, Humboldt)
Grade
1,0
Author
Jessica Werner (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V89059
ISBN (eBook)
9783638025423
Language
German
Tags
Herders Begründung Sprachursprungs Voraussetzungen Klassische Sprachphilosophie Herder Humboldt)
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jessica Werner (Author), 2007, Herders anthropozentrische Begründung des Sprachursprungs und dessen Voraussetzungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89059
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