HipHop ist eine populäre Kultur, die auf Mode, Sprache, Konsum-, Sozial- und Sexualverhalten Jugendlicher erstaunlichen Einfluss hat. Dabei befindet sie sich stets in einem Spannungsfeld zwischen Solidarität und Egozentrik. Diese Arbeit beschreibt zuerst, wie sich HipHop von einer Subkultur zu einer populären Kultur entwickelte. Im zweiten Kapitel wird dann insbesondere auf das Zusammenwirken von Kollektiv und Individuum innerhalb des neuen Kontextes eingegangen.
In den 1970er Jahren wurde der Musikstil Disco populär und sorgte mit dem Film Saturday Night Fever [Samstagnacht-Fieber] für ein weltweites Massenspektakel. Mit der Zeit fand die neue Musikrichtung Zugang zu der glamourösen Welt der Schickeria von New York, wo sich Tanzbegeisterte in privaten Clubs oder teuren Etablissements der Großstadt trafen, um ihrem hedonistischen Lebensstil Ausdruck zu verleihen.
Die französische Bezeichnung „discothèque“ setzte sich allmählich für jene Tanzclubs durch, deren Merkmal stets eine von Schallplatten gespielte Musik war. Nun standen nicht mehr die Sänger oder Musiker im Mittelpunkt, die ein Publikum unterhielten, sondern der Einzelne, der für sich selbst tanzte. Die Elemente Party, Clubs, Tanz, Nachtleben usw. sollten für nachfolgende Musikrichtungen von zentraler Bedeutung bleiben.
Währenddessen entstand in der Bronx von New York ein anderer Stil, der dem Glanz und Glamour der Discoszene eine ärmliche Subkultur entgegensetzte – HipHop. Die Bronx waren von je her Symbol städtischer Verwahrlosung. Graffiti überzogene Hauswände, verkommene Plattenbauten, alte Ruinen usw. stellten hier gleichzeitig den Alltag der schwarzen und den Alptraum der weißen Bevölkerung dar. Durch den großen Zustrom von Immigranten aus allen Teilen der Welt und den kaum mehr lösbaren sozialen und verkehrstechnischen Problemen nahm das Bandenunwesen und somit auch die Kriminalität in jenem Viertel der Stadt enorm zu. Kaum vorstellbar, dass sich ausgerechnet in der Bronx eine Kultur entwickeln sollte, die über mehrere Jahrzehnte hinweg die Popmusik prägen würde.
Inhaltsverzeichnis
1 Old School (1974 bis 1984)
1.1 HipHop als Subkultur
1.1.1 B-Boying (Breakdance)
1.1.2 Writing (Graffiti)
1.1.3 DJing
1.1.4 MCing
1.2 Direkter Wettbewerb als eine Form von Solidarität
2 New School (1984 bis dato)
2.1 HipHop als populäre Kultur
2.1.1 „Be tough!“ – Vom Umgang mit dem konfliktreichen Leben
2.1.2 „Be cool!“ – Vom Selbstausdruck des erfolgreichen HipHoppers
2.2 Indirekter Wettbewerb als eine Form von Egozentrik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung von HipHop von einer subkulturellen Bewegung zu einer populären Kultur und analysiert dabei das Spannungsfeld zwischen kollektiver Solidarität und individueller Egozentrik im Kontext der verschiedenen Entwicklungsphasen.
- Evolution von HipHop: Von der Subkultur zur populären Kultur.
- Die Rolle des direkten und indirekten Wettbewerbs als prägendes Element.
- Untersuchung von Identitätsinszenierung (Toughness und Coolness).
- Soziologische Analyse des Einflusses von Medien und Industrialisierung.
- Zusammenwirken von Individuum und Kollektiv im HipHop-Kontext.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Writing (Graffiti)
Ein weiterer Teil der HipHop-Kultur ist das Writing. Graffiti gibt es im Prinzip seit es Mauern gibt. In der Antike wurden bereits Botschaften und Zeichnungen in Mauern und Wände geritzt oder gemeißelt. Jedoch galt das Schreiben und Zeichnen auf Wänden spätestens seit der Erfindung des Buchdrucks zweifellos als ein „Rückfall in unzivilisierte Zeiten“.
Das, was wir heute unter Graffiti verstehen, entwickelte sich aus den Tags der 1960er Jahre. Tags sind „Abkürzungen, die Graffitikünstler anstelle ihrer bürgerlichen Namen verwenden“ (z. B. Zoro, Taki183, Cheech, etc.), um damit Gebiete und Territorien in den Stadtvierteln zu markieren, gleichzeitig aber nur von Insidern [Szene-Zugehörige] identifiziert werden zu können.
Die uns bekannten grellbunten Wandmalereien mit comic- bzw. karikaturartigen Zeichnungen und Blasenbuchstaben stellten seit den 1970er Jahren die HipHop-Kunst dar. Mit Farbspraydosen und Filzmarkern bewaffnet fanden es die Jugendlichen äußerst amüsant, Hausmauern, Züge, U-Bahn-Linien und Autobahnbrücken zu beschmieren. Kein Wunder, dass die Graffitikunst zu einem städtischen Ärgernis und somit auch strafrechtlich verfolgt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Old School (1974 bis 1984): Beschreibt die Entstehung von HipHop als Subkultur in der New Yorker Bronx mit den vier Elementen B-Boying, Writing, DJing und MCing sowie die Bedeutung von direktem Wettbewerb für das Gemeinschaftsgefühl.
2 New School (1984 bis dato): Analysiert den Wandel von HipHop zu einer kommerzialisierten, populären Kultur unter dem Einfluss der Musikindustrie, geprägt durch neue Themen wie Härte und Coolness sowie einen zunehmend indirekten Wettbewerbscharakter.
Schlüsselwörter
HipHop, Subkultur, populäre Kultur, Old School, New School, Wettbewerb, Solidarität, Egozentrik, Graffiti, Breakdance, DJing, MCing, Identität, Industrialisierung, Message-Rap.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische und inhaltliche Entwicklung von HipHop und analysiert die kulturellen Mechanismen, die diese Kunstform zwischen Solidarität und Egozentrik bewegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Übergang von der Subkultur zur Massenkultur, die Bedeutung des Wettbewerbs in den verschiedenen Phasen sowie die Inszenierung von Identität durch Sprache, Mode und Auftreten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Kollektiv und Individuum im HipHop aufzuzeigen und zu ergründen, wie sich diese Verhältnisse durch die Popularisierung verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor greift auf eine fundierte Literaturanalyse zurück, die durch Filmbeispiele, Songanalysen und die soziologische Einordnung von Phänomenen wie dem „Dissen“ oder dem „Ghetto-Glamour“ ergänzt wird.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Ära der „Old School“, in der der direkte Wettbewerb dominierte, und die „New School“, in der die Vermarktung und die individuelle Inszenierung von Identität (Toughness/Coolness) in den Vordergrund rückten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind HipHop, Subkultur, Wettbewerb, Identitätsinszenierung, Industrialisierung und Solidarität.
Welche Rolle spielt die „Zulu Nation“ im HipHop?
Die Zulu Nation wird als eine Art soziale Organisation beschrieben, die von Afrika Bambaataa gegründet wurde, um B-Boys, Writer und DJs zu vereinen und dem Gangleben eine friedliche Alternative entgegenzusetzen.
Warum wird im Kontext der „New School“ vom „Ghetto-Glamour“ gesprochen?
Der Begriff beschreibt die Kommerzialisierung von Street-Credibility, bei der Stars Reichtum zur Schau stellen und so den Glanz und Glamour der Disco-Ära in einen neuen, materialistischen Kontext überführen.
Was bedeutet der „direkte Wettbewerb“ in der „Old School“?
In der Old School diente der Wettbewerb (wie in Battles beim Breakdance) primär der Identitätsstärkung innerhalb der Community und förderte durch das Streben nach Höchstleistung die kreative Weiterentwicklung der Disziplinen.
- Citation du texte
- Matthias Lang (Auteur), 2007, Hip-Hop. Eine populäre Kultur zwischen Solidarität und Egozentrik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889004