Die Beziehung des Zisterzienserordens zu seinen Frauenklöstern wird in der Wissenschaft konträr diskutiert. An den Beispielen von Eberbach im Rheingau und Haina im Kellerwald in Nordhessen sollen zwei Klöster auf regionaler Ebene in ihrem Verhältnis zu den umliegenden Frauenklöstern untersucht werden.
Der Orden der Zisterzienser stand ab dem Ende des 12. Jahrhunderts vor der Aufgabe, die Vielzahl von Frauen zu integrieren, die sich dem Orden aufgrund der religiösen Frauenbewegung anschließen wollten oder sollten. Das Interesse der Kirche, die gläubigen Frauen zu integrieren, entstammte der Angst, diese Frauen, bzw. jegliche Kontrolle über sie, an die Ketzerbewegung zu verlieren. Die in der Zeit spontan entstandenen Frauengemeinschaften, Beginen u.a., sollten in feste Regeln, in Orden, eingebunden werden. Die Mönche sahen in der Frau eine Gefahr für ihren enthaltsamen Weg und damit für ihr eigenes Seelenheil, zu dem dieser Weg führen sollte. Dem stand das monastische Frauenbild entgegen, das den Frauen nur sehr wenig Autonomie zubilligte und ihnen primär als „Ursünderinnen“ eher misstraute. Aus diesem Misstrauen den Frauen gegenüber erwuchs eine Art Zwang zur Kontrolle.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Fragestellung der Arbeit
- Einführung in den Stand der Wissenschaft
- Geschichtlicher Hintergrund
- Die Gründung des Zisterzienserordens
- Der Weg eines Klosters in den Orden: Stiftung - Inkorporation
- Frauenbild des Mönchtums
- Mystik der Zisterzienser
- Das Verhältnis der Zisterzienser zu den Nonnen
- Das 12. Jahrhundert
- Berichte von Zeitgenossen des 12. Jahrhunderts
- Hermann von Tournai
- Unbekannte Quelle über Stefan, den Gründer von Obazine
- Idung von Prüfening
- Das 13. Jahrhundert
- Bericht eines Zeitgenossen des 13. Jahrhunderts
- Das Leben in den Frauenzisterzen
- Unterschiede zwischen Männer- und Frauenklöstern
- Aufgaben von Vaterabt und Beichtvater
- Die Äbtissin und andere Ämter im Kloster
- Alltagsleben
- Die Beziehungen der Klöster Eberbach und Haina zu den Zisterzienserinnen
- Eberbach
- Die Geschichte des Klosters Eberbach
- Frauenklöster um Eberbach
- Mainz-Altmünster
- Mainz-St. Agnes
- Mainz-Weißfrauen
- Dalheim
- Gottesthal - Rheingau
- Marienhausen-Aulhausen
- Tiefenthal
- Worms-Marienmünster / Nonnenmünster
- Mariakron bei Oppenheim
- Rosenthal
- St. Johann bei Alzey
- Sion bei Alzey
- Weidas bei Alzey
- Kumbd
- St. Katharinen bei Kreuznach
- Haina
- Geschichte des Klosters Haina
- Frauenklöster um Haina
- Caldern
- St. Georgenberg
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Beziehung des Zisterzienserordens zu seinen Frauenklöstern. Sie untersucht an den Beispielen der Klöster Eberbach und Haina das Verhältnis dieser Klöster zu den umliegenden Frauenklöstern. Dabei werden die Gründung des Zisterzienserordens im Mittelalter, seine Wertvorstellungen, das Frauenbild sowie die Motivation der Stiftung und Gründung von Klöstern beleuchtet. Zudem werden die Blütezeit des Ordens und die Zeit der religiösen Frauenbewegung im 12. und 13. Jahrhundert in den Blick genommen, um das Verhältnis der Zisterzienser zu den Frauen in all seinen Facetten darzustellen.
- Die Gründung des Zisterzienserordens und seine Wertvorstellungen
- Das Frauenbild des Mönchtums
- Die Motivation der Stiftung und Gründung von Klöstern
- Die Beziehungen zwischen den Klöstern Eberbach und Haina und den umliegenden Frauenklöstern
- Die Blütezeit des Ordens und die Zeit der religiösen Frauenbewegung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und beleuchtet den Stand der Forschung zum Verhältnis des Zisterzienserordens zu seinen Frauenklöstern. Das zweite Kapitel bietet einen geschichtlichen Hintergrund, indem es die Gründung des Zisterzienserordens, den Weg eines Klosters in den Orden sowie das Frauenbild des Mönchtums und die Mystik der Zisterzienser beleuchtet. Kapitel drei widmet sich dem Verhältnis der Zisterzienser zu den Nonnen, insbesondere im 12. und 13. Jahrhundert, und untersucht Berichte von Zeitgenossen sowie das Leben in den Frauenzisterzen. Das vierte Kapitel analysiert die Beziehungen der Klöster Eberbach und Haina zu den umliegenden Zisterzienserinnen und stellt die Geschichte der jeweiligen Klöster sowie die Frauenklöster in ihrer Umgebung dar.
Schlüsselwörter
Zisterzienserorden, Frauenklöster, Eberbach, Haina, Gründung, Inkorporation, Frauenbild, Mystik, Verhältnis, Zeitgenossen, Klosterleben, Visitationsberichte, territorialer Herrschaftsanspruch, Statuta Capitolorum Generalium Ordinis Cisterciensis.
Häufig gestellte Fragen
Wie standen die Zisterzienser zu Frauenklöstern?
Das Verhältnis war zwiespältig: Einerseits gab es den Drang zur Kontrolle und Integration der religiösen Frauenbewegung, andererseits sahen Mönche in Frauen oft eine Gefahr für ihr Seelenheil.
Welche Rolle spielten die Klöster Eberbach und Haina?
Eberbach im Rheingau und Haina in Nordhessen fungierten als wichtige Männerklöster, die eine Vielzahl von umliegenden Frauenklöstern beaufsichtigten und geistlich leiteten.
Was war die Aufgabe eines Vaterabtes?
Der Vaterabt eines Männerklosters war für die Visitation und die Überwachung der Disziplin in den ihm untergeordneten Frauenklöstern verantwortlich.
Warum wollten Frauen in den Zisterzienserorden eintreten?
Getrieben von der religiösen Frauenbewegung des 12./13. Jahrhunderts suchten viele Frauen nach einem Leben in Armut, Keuschheit und klösterlicher Gemeinschaft nach zisterziensischem Vorbild.
Was unterscheidet Männer- von Frauenklöstern im Mittelalter?
Frauenklöster waren oft stärker von externer männlicher Leitung (Beichtväter, Äbte) abhängig und hatten weniger Autonomie in wirtschaftlichen und liturgischen Fragen.
Welche Frauenklöster gehörten zum Umkreis von Eberbach?
Dazu zählten unter anderem Gottesthal im Rheingau, Marienhausen-Aulhausen, Tiefenthal und verschiedene Klöster in Mainz und Worms.
- Quote paper
- Arno Hesse (Author), 2005, Die Klöster Eberbach und Haina und das Verhältnis zu den ihnen untergeordneten Zisterzienserinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88860