Nicolás Guillén ist sowohl heute als auch schon zu Lebzeiten wohl einer der bekanntesten und berühmtesten kubanischen Dichter, der auch außerhalb Kubas sehr geschätzt wird. Seine Werke waren neu und anders als die bisherigen und prägten die kubanische Dichtung des 20. Jahrhunderts enorm. Anders als bisherige mulattische Schriftsteller aus Kuba bekannte sich Guillén zu seinen Wurzeln, die einerseits in Europa lagen, andererseits jedoch auch in Afrika. Vor allem die Auseinandersetzung mit seiner afrikanischen Herkunft war etwas neues, da er sie als ein Teil des kubanischen Volkes sah und sie, anders als die bisherigen Dichter, völlig klischeefrei untersuchte.
Die „Mestizaje“, also die Vermischung der Europäischen und der Afrikanischen Rasse, ist eines der Hauptthemen von Guillén’s Dichtung. Schon seit seinem ersten berühmten Gedichtband Motivos de Son von 1930 behandelt er immer wieder dieses Thema, was ihn später auch zu Kuba’s Poeta Naciolal werden lies . Dies wurde er auch, weil er den Zucker-Kolonialismus, also die Ausbeutung der Zuckerrohrfelder durch die USA vor der Revolution in seinen Gedichten ( u.a. West Indies, Ltd. 1934 ) massiv anprangerte.
Guillen beschränkte sich in seiner Dichtung jedoch nicht nur auf Kuba, sondern er behandelte später auch Themen und Probleme zunächst des ganzen karibischen Raumes, danach auch fast ganz Nord- und Südamerikas. Auch in diesen Gedichten sind die Hauptthemen Rassenstreit, Armut, Ausbeutung und Mestizaje in den jeweiligen Ländern.
Der Name Sóngoro Cosongo ist einerseits der Titel eines Gedichtes von Nicolás Guillén, andererseits auch der Name eines ganzen Gedichtbandes. In diesem Gedichtband wird der bisher vorkommende Negrismo, also schwarze Dichtung, der bisher hauptsächlich in von schwarzen Sklaven geschrieben wurde und in Prosaform vorkam , in Gedichtform gefasst und mit dem sozialen Faktor bereichert.
Das Thema dieser Arbeit sind die Gedichte aus Sóngoro Cosongo und andere bekannte Gedichte Guilléns. Der Dichter selbst wird zuerst kurz vorgestellt, danach werden die Gedichte des sozialen Negrismo untersucht und belegt. Anschließend werden die Gedichte über afrokaribische, afroamerikanische und lateinamerikanische Themen behandelt. Dem folgt ein Blick auf die Themen Zucker, Kolonialismus, Sklaverei und Neokolonialismus, und zuletzt wird begründet, warum Nicolás Guillén zu Kubas Poeta Naciolal wurde.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Kurzbiographie von Nicolás Guillén
III.1. Negrismo in Nicolás Guillén´s Dichtung mit sozialem Engagement
III.2. Von der afrokubanischen bis zur lateinamerikanischen Identität: Guilléns Erweiterung des Bedeutungsraumes seiner Gedichte
III.3. Zucker als Grund für Kolonialismus, Sklaverei und Neokolonialismus
IV. Nicolás Guillén als Kubas „ Poeta nacional“
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Werk des bedeutenden kubanischen Dichters Nicolás Guillén, wobei der Fokus auf seinen Gedichtbänden wie "Sóngoro Cosongo" liegt. Das primäre Ziel besteht darin, die thematische Vielfalt seiner Lyrik – insbesondere in Bezug auf sozialen Negrismo, Mestizaje und die Kritik an kolonialen Strukturen – zu erläutern und ein Verständnis für seine Rolle als Nationaldichter zu schaffen.
- Die Entwicklung und Definition des sozialen Negrismo in der kubanischen Lyrik.
- Die Bedeutung von "Mestizaje" als Grundlage für eine neue kubanische Identität.
- Kritische Auseinandersetzung mit Kolonialismus, Sklaverei und Neokolonialismus im Kontext der Zuckerproduktion.
- Die Erweiterung des literarischen Horizonts von afrokubanischen hin zu gesamtlateinamerikanischen Identitätsthemen.
- Die Analyse von Guilléns Rolle und Rezeption als „Poeta nacional“ Kubas.
Auszug aus dem Buch
Negrismo in Nicolás Guillén´s Dichtung mit sozialem Engagement
Ein Grund für Guilléns Berühmtheit war sein, in diesem Fall beim Verfassen von Gedichten, revolutionärer Charakter. Revolutionär daher, weil er den Negrismo in Kubas Dichtung sowohl vom Inhalt als von der Form her völlig neu definierte. Vor Guillen war Dichtung von Schwarzen wenig vorhanden und Dichtung über Schwarze völlig anders gestaltet als bei ihm: man bemühte sich früher, die spanische Art der Dichtung zu imitieren. Die spanische Metrik und Form wurde versucht zu übernehmen, doch so ganz hat man das nie geschafft.
Auch die Themen der Gedichte aus früherer Zeit in Kuba waren völlig andere: es ging vor allem um das romantische Leben auf dem Land in Kuba, um die gemütlichen Haciendas der Großgrundbesitzer, um das Leben im Einklang mit der Natur. Man beschrieb die Natur, das Klima und die Sonnenuntergänge. Alles in allem kann man sagen, dass diese Gedichte, ob von weißen oder von schwarzen geschrieben, doch alle von der weißen Perspektive aus geschrieben wurden.
Dies änderte sich schlagartig im Jahre 1930, als Nicolás Guillén seine Motivos de Son an die Öffentlichkeit brachte. In diesen Gedichten tauchte nun eine völlig neue Art des Negrismo auf. Es war der Negrismo aus der Perspektive der schwarzen und der mulattischen Bevölkerung Kubas. Die Themen waren nun Armut und die daraus resultierenden Probleme, Probleme beim Zusammenleben der Schwarzen, Weißen und Mulatten und Schwarze Tänze und Traditionen. Weil Nicolás Guillén selber ein Mulatte war, konnte er sich natürlich viel besser mit all diesen Themen befassen als die bisherigen weißen Dichter, da er enger mit diesem Milieu vertraut war.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Nicolás Guillén als kubanischer Dichter ein und definiert die zentralen Themen wie "Mestizaje" und den sozialen Negrismo.
II. Kurzbiographie von Nicolás Guillén: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Guilléns nach, von seiner Herkunft in Camagüey über wichtige Begegnungen bis hin zu seinem Durchbruch als Dichter.
III.1. Negrismo in Nicolás Guillén´s Dichtung mit sozialem Engagement: Hier wird analysiert, wie Guillén den Negrismo durch formale und inhaltliche Neuerungen, etwa den afrikanischen Rhythmus, politisch und sozial auflud.
III.2. Von der afrokubanischen bis zur lateinamerikanischen Identität: Guilléns Erweiterung des Bedeutungsraumes seiner Gedichte: Dieses Kapitel erläutert, wie Guillén seinen literarischen Fokus von rein kubanischen Themen auf den gesamten lateinamerikanischen Raum und eine afroamerikanische Identität ausdehnte.
III.3. Zucker als Grund für Kolonialismus, Sklaverei und Neokolonialismus: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der Zuckerindustrie als zentrales Motiv für Ausbeutung und sozialen Protest in Guilléns Dichtung.
IV. Nicolás Guillén als Kubas „ Poeta nacional“: Hier wird begründet, warum Guillén nach der Revolution von 1959 den Status des Nationaldichters erhielt, bedingt durch seine vereinheitlichende Botschaft der Identität.
Schlüsselwörter
Nicolás Guillén, Kuba, Negrismo, Mestizaje, Sóngoro Cosongo, Kolonialismus, Neokolonialismus, Poeta nacional, soziale Lyrik, afrokubanische Identität, Sklaverei, Widerstand, Identitätsstiftung, lateinamerikanische Literatur, soziales Engagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem lyrischen Werk von Nicolás Guillén und analysiert, wie er gesellschaftliche und politische Themen Kubas in seiner Dichtung verarbeitet hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des sozialen Negrismo, der Bedeutung der Mestizaje, dem Kolonialismus sowie der Suche nach einer nationalen kubanischen Identität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Thematik von Guilléns Dichtung umfassend zu erläutern und aufzuzeigen, wie er damit zum bedeutendsten Dichter Kubas wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (Gedichtbänden wie Motivos de Son oder Sóngoro Cosongo) und kombiniert diese mit biografischen und historischen Kontexten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Guilléns stilistischen Neuerungen, seiner Identitätssuche über Kuba hinaus und der systemkritischen Behandlung des Zucker-Kolonialismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Negrismo, Mestizaje, soziale Gerechtigkeit, kubanische Identität und die kritische Auseinandersetzung mit kolonialen Machtstrukturen.
Warum spielt die Form der "Jitanjáfora" eine wichtige Rolle für Guillén?
Die Jitanjáfora dient Guillén als lautmalerisches Stilmittel, um den afrikanischen Rhythmus in seine Gedichte zu integrieren und so die Authentizität und Musikalität seiner Lyrik zu unterstreichen.
Inwiefern unterscheidet sich Guillén in seinem Ton von Lanston Hughes?
Während bei Hughes oft die Hoffnung auf Besserung in den USA im Vordergrund steht, ist Guilléns Tonfall häufig durch eine Atmosphäre der Wut, der Auflehnung und eine anklagende soziale Kritik geprägt.
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- Jakub Slodowicz (Author), 2006, Nicolás Guillén und seine afrokubanische Lyrik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88286