Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des politischen Systems Portugals seit dem Ende des „Estado Novo“ unter António de Oliveira Salazar von einem präsidentiellen zu einem parlamentarischen System. Die Erläuterung dieser Entwicklung stützt sich auf die Untersuchung der Verfassungsänderungen. Dabei steht die Analyse der veränderten Rolle des portugiesischen Parlaments im Mittelpunkt.
Die konkreten Fragestellungen lauten hierbei: Inwiefern haben sich die Machtbefugnisse des Parlaments verändert? Was genau bewirkten die Verfassungsänderungen? Und, da das Schlüsselelement der portugiesischen Revolution das Militär war: Ist der Entmilitarisierungsprozess abgeschlossen? Tatsächlich wurden im Laufe der 80er Jahre die Macht des Militärs und sein politischer Einfluss reduziert. Es wird zu zeigen sein, wie und wann das Militär seinen Einfluss im politischen System und auf den Prozess der Gesetzgebung verloren hat.
Der zeitliche Rahmen der Arbeit erstreckt sich vom Ende der autoritären Diktatur durch die Revolution vom April 1974 bis zur letzten Verfassungsänderung im Jahre 2001.
Zunächst wird zur Einleitung die Übergangsphase zur Demokratie 1974-1976 betrachtet. Dabei werden die wichtigsten Institutionen, die in diesem Übergang eine Rolle spielten, analysiert, wobei ein besonderes Augenmerk auf dem portugiesischen Revolutionsrat und der Bewegung der bewaffneten Streitkräfte liegt. Daran schließt sich eine Darstellung des politischen Systems in Portugal im Allgemeinen an, welche sich unter anderem auf die Untersuchung der Staatsorgane und des Regierungstyps stützt. Schließlich werden die einzelnen Verfassungsänderungen genau untersucht und ihre Auswirkungen auf das politische System geprüft, da der Prozess der Demokratisierung und der Stärkung des portugiesischen Parlaments anhand dieser Verfassungsänderungen betrieben wurde. Diese Entwicklung der Rolle des Parlaments im Demokratisierungs- und Entmilitarisierungsprozess ist entscheidend zum Verständnis des heutigen politischen Systems in Portugal. Nachdem am 25. April 1974 die Bewegung der bewaffneten Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas, kurz MFA) das autoritäre System des „Estado Novo“ durch einen unblutigen Coup d’État (im Ausland meist als „Nelkenrevolution“ bezeichnet) gestürzt hatte, waren die darauf folgenden Jahre zunächst turbulent. Es war eine Phase des Übergangs zur Demokratie. Über die nächsten 27 Monate gab es sechs provisorische Militärregierungen, die aber alle nicht von Dauer waren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Übergangsphase zur Demokratie (1974-1976)
- Institutionen des Übergangs
- Der Revolutionsrat (Conselho da Revolução, CR)
- Das Movimento das Forças Armadas (MFA) und die MFA-Versammlung
- Die Verfassung von 1976
- Allgemeines zum politischen System Portugals
- Der Präsident
- Das Parlament (Assembleia da República)
- Die Regierung
- Die Verfassungsänderungen
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Entwicklung des politischen Systems Portugals seit dem Ende des „Estado Novo“ unter António de Oliveira Salazar hin zu einem parlamentarischen System. Der Fokus liegt auf den Verfassungsänderungen und der sich daraus ergebenden Veränderung der Rolle des portugiesischen Parlaments im Demokratisierungsprozess. Die Arbeit untersucht die Machtbefugnisse des Parlaments, die Auswirkungen der Verfassungsänderungen und den Prozess der Entmilitarisierung.
- Die Rolle des portugiesischen Parlaments im Demokratisierungsprozess
- Die Auswirkungen der Verfassungsänderungen auf das politische System
- Der Entmilitarisierungsprozess in Portugal
- Die Entwicklung des politischen Systems Portugals von einem präsidentiellen zu einem parlamentarischen System
- Die wichtigsten Institutionen der Übergangsphase zur Demokratie
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und den zeitlichen Rahmen der Arbeit vor. Kapitel 2 analysiert die Übergangsphase zur Demokratie (1974-1976) und befasst sich mit den wichtigsten Institutionen des Übergangs, insbesondere dem Revolutionsrat und der Bewegung der bewaffneten Streitkräfte (MFA). Kapitel 3 behandelt die Verfassung von 1976, die das politische System Portugals prägt. Kapitel 4 bietet einen Überblick über das politische System Portugals, einschließlich des Präsidenten, des Parlaments und der Regierung. Kapitel 5 untersucht die Verfassungsänderungen und ihre Auswirkungen auf das politische System. Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: portugiesisches Parlament, Demokratisierungsprozess, Verfassungsänderungen, Entmilitarisierung, Revolutionsrat, Movimento das Forças Armadas (MFA), Estado Novo, Übergangsphase zur Demokratie.
Häufig gestellte Fragen zum politischen System Portugals
Wie wandelte sich Portugal zur Demokratie?
Der Wandel begann mit der Nelkenrevolution am 25. April 1974, die das autoritäre "Estado Novo" Regime stürzte.
Was war der Revolutionsrat (Conselho da Revolução)?
Eine militärische Institution der Übergangsphase, die bis zu ihrer Auflösung 1982 erheblichen politischen Einfluss ausübte.
Welche Rolle spielt das Parlament (Assembleia da República)?
Durch mehrere Verfassungsänderungen wurden die Machtbefugnisse des Parlaments gestärkt, während der Einfluss des Militärs und des Präsidenten reduziert wurde.
Ist der Entmilitarisierungsprozess in Portugal abgeschlossen?
Ja, die Arbeit zeigt auf, wie das Militär im Laufe der 1980er Jahre seinen formalen Einfluss auf die Gesetzgebung und das politische System verlor.
Was zeichnet die Verfassung von 1976 aus?
Sie legte den Grundstein für das demokratische System, war aber anfangs noch von revolutionären und militärischen Einflüssen geprägt.
Welchen Regierungstyp hat Portugal heute?
Portugal hat sich von einem präsidentiell geprägten zu einem parlamentarischen Regierungssystem mit einem direkt gewählten Präsidenten entwickelt.
- Quote paper
- Franziska Gerhardt (Author), 2004, Das politische System Portugals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87880