In dieser Arbeit soll untersucht werden, in wie weit die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Sowjetunion, die Verheerung der Unfallfolgen (gesundheitlichen, ökologischen, landwirtschaftlichen und globalen) bedingten. Die Nachrichtensperre und die Verschweigung, sowie eine Verharmlosung des wahren Ausmaßes der Katastrophe, nehmen die entscheidenden Stellungen für die späteren Reaktionen und Notstandsmaßnahmen ein. Die nur sehr langsam voranschreitenden Maßnahmen haben eine internationale Dimension angenommen und zu größeren Schäden, die eigentlich verringert werden konnten, geführt.
Nach einem kurzen geschichtlichen Exkurs, über der Entwicklung der Atomenergie, wird im folgenden Kapitel das Kernkraftwerk Tschernobyl vorgestellt. Dabei werden die Städte Tschernobyl und Pripjat, die geographische Lage des Kernkraftwerks dargestellt. Im nächsten Schritt wird der Reaktortyp von Tschernobyl präsentiert und seine Konstruktionsmängel angesprochen. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Unfall im Kernkraftwerk von Tschernobyl. Dabei werden der Unfallhergang und die Reaktorkatastrophe kurz beschrieben. Anschließend werden im nächsten Kapitel die Folgen der Katastrophe präsentiert, zudem findet eine Analyse der Reaktionen und Notstandsmaßnahmen statt.
Die Katastrophe von Tschernobyl ist in der deutschsprachigen Fachliteratur häufig beschrieben worden. Am ausführlichsten stellt Grigori Medwedew in "Verbrannte Seelen" und Zhores Medwedjew1 in „Das Vermächtnis von Tschernobyl“ den Ablauf der Katastrophe und ihre Folgen dar. Die westliche Fachliteratur von Karl-Heinz Karisch bis Franz-Josef Brüggemeier stützen sich an diese Berichte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer geschichtlicher Abriss über die Atomenergie
3. Das Kernkraftwerk Tschernobyl
3.1. Die Städte Pripjat und Tschernobyl
3.2. Der Aufbau und die Lage des Kernkraftwerkes Tschernobyl
3.3. Der Reaktortyp von Tschernobyl
3.4. Mängel der Konstruktion des RBMK-1000-Reaktors
4. Der Unfall von Tschernobyl
4.1. Der Unfallhergang
4.2. Die Reaktorkatastrophe
4.3 Die Unfallschuldzuweisung
5. Reaktionen und Notfallmaßnahmen nach der Katastrophe
5.1 Die ersten Stunden bzw. Tage nach der Katastrophe
5.2. Die Nachrichten
5.2.1. Eine stichpunktartige Zusammenfassung der Bericht-erstattungen durch die Medien in der UdSSR
6. Die Folgen und Auswirkungen der Katastrophe
6.1. Die gesundheitlichen Folgen in der Ukraine, Weißrussland und Russland
6.2. Die ökologischen Auswirkungen
6.3. Die Folgen für die Landwirtschaft
6.4. Die globalen Auswirkungen
7. Zusammenfassung
8. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den atomaren Unfall von Tschernobyl unter besonderer Berücksichtigung der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Sowjetunion, der daraus resultierenden Nachrichtensperre sowie der weitreichenden gesundheitlichen, ökologischen, landwirtschaftlichen und globalen Folgen der Katastrophe.
- Historische Entwicklung der Atomenergie und der Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl
- Analyse des Unfallhergangs sowie technischer Konstruktionsmängel des RBMK-1000-Reaktors
- Untersuchung der Informationspolitik und staatlichen Reaktionen unmittelbar nach der Havarie
- Bewertung der langfristigen Folgen für Mensch, Umwelt und Landwirtschaft
Auszug aus dem Buch
3.3. Der Reaktortyp von Tschernobyl
Der Tschernobyl-Reaktor hat neben der Eigenschaft der Energieproduktion, Plutonium als Abfall zu erzeugen, welches waffenfähig ist. Der Reaktor ist ein graphitmoderierter, wassergekühlter Druckröhren-Siedewasser-Reaktor vom Typ RBMK 1000. Die Abkürzung RBMK steht für Reaktor “Bolschoj Moschnostij Kanalnij“. Dies bedeutet, dass die Moderation des Reaktors mit Graphit erfolgt und die erzeugte Wärme, durch das Wasser, in Druckröhren abgeführt wird. Also wird der Reaktor mit Graphitstäben gesteuert und mit Wasser gekühlt. Die Neutronen werden durch Graphitblöcke gesteuert, sie verringern die Geschwindigkeit der schnellen Neutronen, die während der Spaltung von Uran-235-Atomkernen freigesetzt werden.
Als Brennstoff benutzt man schwach angereichertes Uran. Es befinden sich insgesamt 2488 Graphitsäulen in dem Reaktorkern, wobei die Graphitstäbe rund 1660 Brennelementkanäle bzw. Druckröhren voneinander trennen. In diesen Röhren wird das Wasser auf eine Temperatur von etwa zweihundertachtzig Grad Celsius erwärmt. Anschließend gelangt das Wasser in Trommelseparatoren, wo das heiße Wasser und der Dampf voneinander getrennt werden. Der Dampf treibt die riesigen Turbinen an. Das getrennte Wasser und das Kondensationswasser des Dampfes werden wieder zurück in den Reaktor gepumpt. Zudem werden zahlreiche Regelstäbe benötigt, um die Kettenreaktion unter Kontrolle zu halten.
In diesem Reaktortyp kann man die Brennstäbe austauschen, ohne den Reaktor auszuschalten. Dazu hat der Reaktortyp einen stark positiven “Void-Koeffizienten“, dies bedeutet das bei Kühlmittelverlust die Leistung nicht abnimmt. Die Brems- und Regelstäbe, die eine Steigerung der Leistung verhindern sollen, haben zwei weitere Merkmale. Zum einen sind sie enorm langsam, da man ca. zwanzig Sekunden benötigt, um den Reaktor von der höchsten Positionierung zum tiefsten Punkt zu fahren. Zum anderen tragen die meisten Brems- und Regelstäbe einen fünf Meter langen Verdrängerstab aus Graphit, der im Normalbetrieb die Neutronenbilanz verbessern soll. Für das benötigte Kühlwasser ist ein separater Kanal angelegt, der das Wasser aus dem Kühlwasserteich heranführt und das warme Wasser ableitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Wachstum des globalen Energiebedarfs und führt in die Geschichte der Kernenergie sowie die spezielle Problematik der Katastrophe von Tschernobyl ein.
2. Kurzer geschichtlicher Abriss über die Atomenergie: Dieses Kapitel skizziert die wissenschaftliche Entwicklung der Atomphysik und den politischen Kontext, der zum Aufbau der ersten sowjetischen Kernkraftwerke führte.
3. Das Kernkraftwerk Tschernobyl: Es werden die Standortwahl, der Aufbau des Werkes sowie der technische Reaktortyp RBMK-1000 und dessen spezifische Konstruktionsmängel detailliert beschrieben.
4. Der Unfall von Tschernobyl: Das Kapitel analysiert den Hergang der Katastrophe während des Sicherheitsexperiments und beleuchtet verschiedene Thesen zur Unfallschuldzuweisung.
5. Reaktionen und Notfallmaßnahmen nach der Katastrophe: Hier werden die unmittelbaren Maßnahmen vor Ort, die staatliche Nachrichtensperre und die verzögerte Berichterstattung der sowjetischen Medien untersucht.
6. Die Folgen und Auswirkungen der Katastrophe: Es erfolgt eine umfassende Analyse der gesundheitlichen, ökologischen, landwirtschaftlichen und globalen Langzeitfolgen der Strahlenbelastung.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse der Arbeit über die Ursachen, den Katastrophenverlauf und die weitreichenden, irreparablen Schäden.
8. Literatur- und Quellenverzeichnis: Dies ist ein chronologisches Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Tschernobyl, Kernkraftwerk, Reaktorkatastrophe, RBMK-1000, Sowjetunion, Radioaktivität, Nachrichtensperre, gesundheitliche Folgen, ökologische Auswirkungen, Landwirtschaft, Strahlensyndrom, Dekontamination, Pripjat, Atomenergie, Katastrophenmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Hintergründe, die technischen Ursachen und die weitreichenden gesellschaftlichen sowie gesundheitlichen Auswirkungen des Kernkraftwerk-Unfalls von Tschernobyl.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die sowjetische Energiepolitik, die technische Konstruktion des RBMK-Reaktors, die staatliche Informationspolitik (Nachrichtensperre) und die Analyse der durch den Unfall verursachten Schäden an Mensch und Umwelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, inwieweit die mangelnde Kooperationsbereitschaft und die Informationspolitik der Sowjetunion die Verheerung der Unfallfolgen maßgeblich beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Fallstudie, die auf einer umfassenden Auswertung von Fachliteratur, Berichten, offiziellen Verlautbarungen und internationalen Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Kernkraftwerks, den Unfallhergang, eine Analyse der Notfallmaßnahmen sowie eine detaillierte Auswertung der gesundheitlichen, ökologischen, landwirtschaftlichen und globalen Folgen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Tschernobyl", "RBMK-1000", "radioaktive Verseuchung", "Informationssperre" und "Langzeitfolgen" geprägt.
Welche Rolle spielten die Konstruktionsmängel beim Unfall?
Die Arbeit betont, dass der Reaktortyp RBMK-1000 erhebliche Mängel aufwies, insbesondere den positiven Void-Koeffizienten und die langsame Reaktionszeit der Steuerstäbe, die den Katastrophenverlauf massiv verschlimmerten.
Wie bewertet der Autor die Informationspolitik nach dem Unfall?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die staatliche Nachrichtensperre und die Verharmlosung der Gefahren zu einer massiven Verzögerung von Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung führten, was die gesundheitlichen Schäden drastisch erhöhte.
Wird auch die internationale Dimension des Unfalls beleuchtet?
Ja, Kapitel 6.4 analysiert die weltweite Verteilung der radioaktiven Trümmerteile und zeigt auf, dass auch westliche Länder von der Verseuchung und den politischen Folgen des Informationsmanagements betroffen waren.
- Quote paper
- Seda Demir (Author), 2006, "Eine gefährliche Lüge" - Die Folgen und Auswirkungen des atomaren Unfalls von Tschernobyl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87275