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'Kindheit' im sozio-historischen Kontext

Titel: 'Kindheit' im sozio-historischen Kontext

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2006 , 41 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Anna Insa Vermehren (Autor:in)

Soziologie - Kinder und Jugend
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema 'Kindheit' als ein Konstrukt. Vorerst wird die Geschichte der Kindheit vom Mittelalter bis in die Postmoderne verfolgt um im Weiteren Schlussfolgerungen über die Auswirkungen der Kindheitskonzeptionen für die heutige Gesellschaft zu ziehen. Prognostische Überlegungen runden die Überlegungen über Kindheit ab.
‚Kindheit’ verstanden als soziales Konstrukt und kulturelles Gesellschaftsideal – vielleicht auch als Gesellschaftsillusion – das im systemischen Zusammenhang mit unserer Gesellschaft steht, stellt schon an sich eine Kategorisierung dar. Kindheit ist somit ein Abstraktum, das komplexe Strukturen und Zusammenhänge umfasst, die auf gesellschaftlicher, wie auch individueller Ebene konstruiert sind. Das Problem dieses Ansatzes ist, dass sich durch den Konstruktcharakter unendliche Betrachtungsweisen eröffnen, die weder in ihrer Komplexität noch in ihrer Reichweite erfassbar sind. Grundlegend wird angenommen, dass Menschen sich ihr Verständnis von Innen- und Außenwelt subjektiv „in einem aktiven Konstruktionsprozess“ (Grundmann 1999: 54) aufbauen. „Dabei besteht ein interaktives Wechselverhältnis zwischen den handelnden Subjekten und der gegebenen Außenwelt.“ (ebd.) Das heißt, Individuen kreieren sich ihre eigenen, möglichst schlüssigen Wirklichkeiten durch vergleichende Interaktion und Erfahrung. Diese Wirklichkeiten stellen Teile einer gesellschaftlich angenommenen Realität dar, die die Grundlage von Kommunikation sind. Interaktion ist als komplexe Struktur aus wechselseitigen Kommunikationen und Handlungen zu begreifen, die nicht nur inter-individuell sondern auch zwischen den Individuen und gesellschaftlichen Institutionen stattfindet.
Während lange Zeit angenommen wurde, dass dem menschlichen Wesen die ‚Natur’ zugrunde liegt (Naturalismus), die nur durch Sozialisation und Erziehung sowie durch Umweltbedingungen verdeckt wird, nimmt man heute in den Sozialwissenschaften vermehrt an, dass das Ideal der Natürlichkeit eine Konstruktion ist, um eine Legitimation bereitzustellen, der man die Verantwortung für das menschliche Handeln übertragen kann. „Je mehr wir Gesetze von der Natur ablauschen wollten, um so mehr mussten wir erkennen, dass wir bloß eigene Gesetze erfinden.“ (Reich 2003: 3) Kersten Reich nimmt an, dass der Mensch allein schon wegen seiner Sprache von konstruierender ‚Natur’ ist (ebd: 4). Diese Annahme beruht auf Ferdinand de Saussures Definition von Sprache als geschlossenes, abstraktes System von Zeichen, das Vorstellungen und Lautbilder miteinander verbindet. Es wird erst durch den interaktiven Austausch gefestigt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kindheit vom Mittelalter zur Postmoderne

2.1 Kindheit im Mittelalter

2.2 Kindheit im Licht der Aufklärung

2.3 Das 19. Jahrhundert: Das Ideal der bürgerlichen Familie

2.4 Die Zeit der Weltkriege und Nachkriegszeit

2.5 Postmoderne: Kindheit heute

3. Konzeptionen von Kindheit: Reichweite und Wirksamkeit heute

3.1 Kind und Gesellschaft

3.1.1 Sozialisation: Persönlichkeitsbildung und Identität

3.1.2 Familienstrukturen

3.2 Institutionalisierung von Kindheit

3.2.1 Pädagogisierung und Expertisierung

3.2.2 Kritische Erwägungen

3.3 Gesellschaft und Kind

3.3.1Gesellschaftlicher Wandel

3.3.2 Die Rolle der Medien

3.3.3 Konsum und Massenkultur

4. Entwicklungen von Kindheitskonzeptionen

4.1 Wissenschaftliche Kontroversen

4.2 Prognose

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Kindheit als sozio-historisches Konstrukt und analysiert dessen Wandel von mittelalterlichen Vorstellungen bis zur heutigen Postmoderne. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie unterschiedliche gesellschaftliche, pädagogische und mediale Kontexte Kindheit definieren und welche Auswirkungen diese Konstruktionen auf das Aufwachsen von Kindern haben.

  • Historische Entwicklung von Kindheitskonzepten
  • Sozialisationsprozesse in Familie und Gesellschaft
  • Institutionalisierung und Pädagogisierung der Kindheit
  • Einfluss von Medien, Konsum und globaler Massenkultur
  • Identitätsbildung im Spannungsfeld zwischen Individualität und gesellschaftlichen Erwartungen

Auszug aus dem Buch

2.1 Kindheit im Mittelalter

Das Mittelalter war durch streng hierarchische, feudale Gesellschaftsstrukturen geprägt. Die katholische Glaubensauslegung rechtfertigte diese Ordnung als von Gott gewollt und wies jedem Menschen einen Platz und eine Funktion zu.

Die mittelalterlichen Quellen geben nur bedingt Aufschluss darüber, wie in jener Zeit über Kinder gedacht wurde. Scheinbar herrschte eine starke Ambivalenz zwischen Ablehnung und Erwünschtsein (Löhmer 1989: 250): Das positive Kindheitsbild stellt Kinder als Vermittler zwischen Himmel und Erde dar. Kinder galten als rein, keusch und Gott zugewandt (Heywood 2001: 15). Die gebildete Mehrheit sah in Kindern jedoch Sünde und Strafe, denn für sie war Kindheit ein verwerfliches, weil unfertiges Stadium des Menschen. (ebd: 9,16 und Shahar 2002: 12)

Die Kindersterblichkeit war aufgrund geringer medizinischer Kenntnisse und Hygienemangels sehr hoch (Löhmer 1989: 31), der Nachwuchs in den ersten Lebensjahren teuer und belastend, später dann jedoch zusätzliche Arbeitskraft und die elterliche Altersvorsorge. Verhütungsmittel waren weitestgehend unbekannt und aus religiösen Gründen verboten. Es galt als verpönt, Kinder zu verwöhnen oder ehrgeizige Pläne mit ihnen zu haben. Muttergefühle waren unerwünscht, weil Keuschheit und Frömmigkeit über weltlichen Bedürfnissen standen (Shahar 2002: 13,15). Die Lebensbedingungen zwangen die Kinder in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Die Wahl ein anderes Leben als das ihrer Eltern zu führen, wurde durch das Klassensystem nahezu ausgeschlossen. Durch die gesellschaftlich vorbestimmte Zukunft wurde der einzelne Mensch als weniger individuell angesehen (Heywood 2001: 18).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert Kindheit als komplexes soziales Konstrukt und erläutert die historisch-konstruktivistische Herangehensweise der Arbeit.

2. Kindheit vom Mittelalter zur Postmoderne: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Kindheitsbilder von der feudalen Gesellschaft über die Aufklärung und das bürgerliche 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart nach.

3. Konzeptionen von Kindheit: Reichweite und Wirksamkeit heute: Hier werden aktuelle soziologische Ansätze zur Sozialisation, Institutionalisierung und der Einfluss von Medien und Konsum auf die heutige Kindheit detailliert analysiert.

4. Entwicklungen von Kindheitskonzeptionen: Dieses Kapitel diskutiert wissenschaftliche Kontroversen zu Kindheitstheorien und wagt eine Prognose über die zukünftige Bedeutung der Kindheit in einer globalisierten Welt.

5. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese über den Unterschied zwischen Kindsein als Lebensrealität und Kindheit als gesellschaftlichem Konstrukt.

Schlüsselwörter

Kindheit, Kindsein, Sozialisation, Identität, Konstruktivismus, bürgerliche Familie, Institutionalisierung, Pädagogisierung, Medienkonsum, Massenkultur, Wertewandel, Moderne, Postmoderne, Kindheitsgeschichte, Individualisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Kindheit als ein sozio-historisches Konstrukt, das sich über die Jahrhunderte hinweg verändert hat und maßgeblich durch gesellschaftliche Idealvorstellungen geprägt ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Kindheitsbegriffs, die Rolle von Familie und Erziehung, die Auswirkungen der Institutionalisierung sowie den Einfluss von Medien und Konsum auf das heutige Kindsein.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kindheit kein statischer biologischer Zustand ist, sondern in verschiedenen Epochen unterschiedlich konstruiert wurde, was direkten Einfluss auf die Lebenswelt von Kindern hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein konstruktivistischer, historisch-soziologischer Ansatz gewählt, der die Theoriebildung zur Kindheit kritisch hinterfragt und in den Kontext gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Etappen der Kindheitsgeschichte, die theoretischen Ansätze der Sozialisation und Identitätsbildung sowie die heutigen Herausforderungen durch eine zunehmend medialisierte und kommerzialisierte Umwelt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kindheitsgeschichte, Sozialisation, Konstruktivismus, Pluralismus, Institutionalisierung und Medienkultur.

Wie unterscheidet sich Kindheit in der Postmoderne von früheren Epochen?

Während früher oft einheitliche Normen und familiale Strukturen das Kindheitserleben dominierten, ist die postmoderne Kindheit durch eine enorme Vielfalt an Lebensstilen, hohen Entscheidungsdruck und eine starke Medialisierung geprägt.

Warum spielt die Institutionalisierung von Kindheit eine so große Rolle?

Die Institutionalisierung ist ein Ausdruck sozialstaatlicher Kontrolle und Bildungspolitik, wobei sie Kindern den Zugang zu Bildung ermöglicht, sie aber gleichzeitig zunehmend aus dem privaten Familienraum in professionell gesteuerte Umgebungen verlagert.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten  - nach oben

Details

Titel
'Kindheit' im sozio-historischen Kontext
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,5
Autor
Anna Insa Vermehren (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
41
Katalognummer
V86377
ISBN (eBook)
9783638020671
ISBN (Buch)
9783638921107
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindheit Kontext
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Insa Vermehren (Autor:in), 2006, 'Kindheit' im sozio-historischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86377
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Leseprobe aus  41  Seiten
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