Die beliebteste Rechtsform des deutschen Mittelstandes, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), hat seit einigen Jahren Konkurrenz durch die britische private company limited by shares (Limited) bekommen. Diese existiert freilich sehr viel länger, ist aber erst im Rahmen der Rechtsprechung des EuGH in den Jahren 1999 – 2003 zur wirklichen Alternative geworden. Der Grund dafür liegt darin, dass der EuGH in seinen Entscheidungen Centros , Überseering und Inspire Art die bisher in der Bundesrepublik verfolgte Sitztheorie als gemeinschaftsrechtswidrig abtat und der Gründungstheorie den Vorzug gab. Nach der Sitztheorie des BGH war die Rechtsfähigkeit einer Gesellschaft nach dem Recht zu beurteilen, an dem sie ihren tatsächlichen Verwaltungssitz hat, d. h. an dem Ort an dem die grundlegenden Entscheidungen der Unternehmensleitung effektiv in laufende Geschäftsführungsakte umgesetzt werden . Dadurch wurde einer Ausbreitung von „Billig – Gesellschaften begegnet, allerdings auch die Freizügigkeit seriöser Gesellschaften eingeschränkt . Im Rahmen der Gründungstheorie kann eine in einem beliebigen Mitgliedstaat wirksam gegründete Gesellschaft jedoch ihren Hauptsitz frei in andere Mitgliedsstaaten verlegen, ohne dass dieser Zuzugsstaat ihre Neugründung nach seinem Recht verlangen darf . So wurden völlig neue Möglichkeiten eröffnet, da es nun möglich war lediglich einen Briefkasten in Großbritannien zu unterhalten, von Deutschland aus tätig zu sein und trotzdem dem Recht des Vereinigten Königreiches zu unterliegen. Der Trend zur Limited macht sich bemerkbar. So gab es im Jahre 2004 ca. 15.000 in Deutschland tätige Limited im Vergleich zu 800.000 deutschen Kapitalgesellschaften . Im Jahre 2005 wurden 81.415 GmbH und 6.625 Limited neu angemeldet . Im Jahre 2006 gingen die GmbH – Gründungen auf 77.530 zurück, während die der Limited auf 8.643 stiegen . Im Folgenden sollen die wesentlichen Unterschiede der Rechtsformen und die Beweggründe deutscher Unternehmer sich für eine Limited zu entscheiden dargestellt werden. Im Anschluss werden die Gegenmaßnahmen der Bundesregierung und die europarechtlichen Entwicklungen aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Die wesentlichen Unterschiede der Rechtsformen
1. Allgemeines – Das Wesen und die Organe
2. Der Gründungsablauf
3. Die Haftung
4. Verwaltungspflichten und Jahresabschluss
5. Anzuwendendes Recht und Gerichtsstand
6. Auflösung und Liquidation
7. Zwischenergebnis
III Die Gesellschaftsrechtsreformen in Deutschland und England
1. Die Reform in Deutschland
2. Die Reform in England
3. Europarechtliche Entwicklungen
4. Aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes
a.) Existenzvernichtungshaftung
b.) Verweigerung der Eintragung einer Zweigniederlassung
IV Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wettbewerb zwischen der deutschen GmbH und der britischen Limited vor dem Hintergrund der europarechtlichen Rechtsprechung und analysiert, wie deutsche Reformbestrebungen auf diese Konkurrenz reagieren.
- Vergleich der strukturellen Merkmale und Gründungsprozesse beider Rechtsformen.
- Analyse der haftungsrechtlichen Grundlagen und Verwaltungspflichten.
- Bewertung der Auswirkungen der Rechtsprechung zur Niederlassungsfreiheit.
- Untersuchung der deutschen Reformbemühungen durch das MoMiG und der Reformen in England.
- Diskussion der Akzeptanzproblematik und Zukunftsaussichten für Existenzgründer.
Auszug aus dem Buch
7. Zwischenergebnis
Oben wurde aufgezeigt, dass die Limited und die GmbH einige Gemeinsamkeiten wie auch erhebliche Unterschiede aufweisen und dass auf gemeinschaftsrechtlicher Ebene schon einige Harmonisierungsanstrengungen unternommen wurden. Auf den ersten Blick scheint die Limited mehr als nur eine adäquate Alternative zur GmbH zu sein. So scheint alles einfacher, schneller und kostengünstiger zu sein.
Bei intensiverer Betrachtung jedoch bleibt sehr wohl der „Schnelligkeitsbonus“ erhalten, der Kostenvorteil relativiert sich jedoch evtl. im Laufe der Zeit. Dennoch bleibt die Limited eine attraktive Alternative und oft auch die einzige Möglichkeit für z. B. liquiditätsschwache Existenzgründer, welche ohne diese Gesellschaftsform den Schritt ins Unternehmertum nicht gehen könnten.
Somit sind die Entscheidungen des EuGH zur freien Sitzverlegung innerhalb der Gemeinschaft als bahnbrechend und positiv für den Markt in der EU anzusehen. Auch die Limited ist als Gesellschaftsform zu begrüßen. Ihr schlechtes Image resultiert aus Missbräuchen durch etliche Briefkastenfirmen. Dieses Image führt jedoch auch zu Akzeptanzproblemen, so dass sich z. B. Banken nicht zu einer Kreditvergabe bereit erklären oder Lieferanten aufgrund vermuteter Eigenkapitalschwäche und mangelnder Seriosität keine Zahlungsziele einräumen.
Dem kann entgegen gehalten werden, dass bei einer GmbH die Erfüllung der Verbindlichkeiten auch nicht vollkommen gewährleistet ist. So bestehen zwar Vorschriften zur Eigenkapitalerhaltung, dass diese aber auch befolgt werden ist nicht immer der Fall.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Aufstieg der britischen Limited als Konkurrenz zur deutschen GmbH aufgrund der EuGH-Rechtsprechung zur Sitztheorie.
II Die wesentlichen Unterschiede der Rechtsformen: Dieses Kapitel stellt die rechtlichen Divergenzen bei Gründung, Haftung, Verwaltung und Auflösung der beiden Gesellschaftsformen einander gegenüber.
III Die Gesellschaftsrechtsreformen in Deutschland und England: Hier werden die gesetzlichen Anpassungen durch das deutsche MoMiG und die Modernisierungen des britischen Companies Act sowie europäische Entwicklungen analysiert.
IV Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Auswirkungen der Reformen und bewertet die Zukunftsaussichten für deutsche Existenzgründer.
Schlüsselwörter
Limited, GmbH, Gesellschaftsrecht, MoMiG, Sitztheorie, Gründungstheorie, Haftungsbeschränkung, Europäischer Gerichtshof, Niederlassungsfreiheit, Stammkapital, Existenzgründung, Unternehmensregister, Jahresabschluss, Insolvenzrecht, Rechtsformvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die vergleichenden Aspekte der britischen Limited und der deutschen GmbH sowie deren Bedeutung im aktuellen gesellschaftsrechtlichen Umfeld.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den strukturellen Unterschieden der Rechtsformen, den Gründungsanforderungen, der Haftungssituation und den gesellschaftsrechtlichen Reformen in Deutschland und England.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Vor- und Nachteile beider Rechtsformen aufzuzeigen und zu bewerten, wie der deutsche Gesetzgeber auf die wachsende Konkurrenz durch ausländische Rechtsformen reagiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer rechtsvergleichenden Analyse unter Einbeziehung aktueller Gesetzesentwürfe, der Rechtsprechung des EuGH und des BGH sowie relevanter juristischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der praktischen Unterschiede, wie Gründungsvorgang und Verwaltungspflichten, sowie eine Analyse der Reformschritte durch das MoMiG und den englischen Companies Act.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Limited, GmbH, MoMiG, Sitztheorie, Niederlassungsfreiheit und Kapitalaufbringung.
Wie bewertet der Autor den sogenannten „Schnelligkeitsbonus“ der Limited?
Der Autor erkennt diesen Vorteil an, merkt jedoch an, dass sich der Kostenvorteil über die Zeit durch laufende Registrierungskosten relativiert.
Welche Rolle spielt die Rechtsprechung des EuGH?
Die EuGH-Entscheidungen (Centros, Überseering, Inspire Art) gelten als bahnbrechend, da sie die Sitztheorie als gemeinschaftsrechtswidrig einstuften und den Weg für den grenzüberschreitenden Wettbewerb der Rechtsformen ebneten.
Warum gibt es Akzeptanzprobleme bei der Limited?
Das schlechte Image resultiert primär aus Missbräuchen durch sogenannte Briefkastenfirmen, was dazu führt, dass Geschäftspartner oder Banken der Rechtsform teils mit Misstrauen begegnen.
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- Frederik Wendisch (Author), 2007, Eine vergleichende Darstellung der britischen Limited und der deutschen GmbH einschließlich aktueller gesellschaftsrechtlicher Entwicklungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86004