Jeden Tag neue Schlagzeilen, stundenweise hörbare Nachrichten, immer wieder neue Erkenntnisse und Wahrheiten, kommuniziert über mehrere Kanäle gleichzeitig. Die 24-Stunden-Informationsmöglichkeit ist das Verdienst der Massenmedien. Doch bedeutet mehr Information und ein besserer Informationszugang auch gleichzeitig mehr Wissen? Die Diffusionsforschung als Teil der Medienwirkungsforschung geht genau davon aus, nämlich dass Informiertheit in einem Sozialsystem gleichmäßig wächst, wenn auch der Informationsfluss steigt (vgl. Bonfadelli 2002: 579). Die Wissenskluft-Hypothese ist genau der entgegengesetzten Meinung:
„Nach ihr besteht ja gerade der Normalfall darin, dass auch bei einem voll ausgebildeten Mediensystem die Information sehr ungleichmäßig bzw. heterogen erfolgt.“ (Bonfadelli 2002: 579)
Sie wendet sich damit von der in den 1970er Jahren dominierenden, so genannten Klassischen Wirkungsforschung ab, „die sehr stark auf inhaltsspezifische, kurzfristige, individuumsbezogene und einstellungszentrierte Medienwirkungen fixiert war“ (Bonfadelli 2002: 578). Die Wissenskluftforschung manifestiert sich auf der Makroebene, d.h. sie berücksichtigt die Öffentlichkeit und untersucht längerfristige kognitive Effekte der Massenmedien (vgl. Bonfadelli 2002: 579).
Die vorliegende Arbeit stellt die ursprüngliche Wissensklufthypothese sowie deren Weiterentwicklungen vor. Aus Platzgründen werden nur die drei wichtigsten Weiterentwicklungen berücksichtigt. Besonders interessant, da aktualitätsbezogen, wirkt die Wissenskluftforschung in bezug auf die Neuen Medien: Inwieweit trägt das Internet zur „Digitalen Spaltung“ (Arnhold 2003: 9) der Gesellschaft bei? Dieser Frage soll anhand der aktuellen ARD/ZDF-Online-Studie nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Ursprungshypothese
- Weiterentwicklungen
- Der „Decken“ oder „Ceiling“-Effekt
- Die Differenzperspektive
- Ursachen von Wissensklüften
- Wissenskluftforschung und Neue Medien
- Zusammenfassung und Kritik
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Wissenskluft-Hypothese, die postuliert, dass die Informationsaufnahme und der Wissenszuwachs von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Status ungleichmäßig verlaufen. Ziel ist es, die ursprüngliche Hypothese sowie ihre wichtigsten Weiterentwicklungen darzustellen und zu analysieren, ob und inwiefern die neuen Medien zur digitalen Spaltung der Gesellschaft beitragen.
- Die Entstehung und Grundannahmen der Wissenskluft-Hypothese
- Wesentliche Weiterentwicklungen und kritische Punkte
- Der Einfluss der Neuen Medien auf die Wissenskluft
- Die Rolle des Bildungsniveaus und der Medienkompetenz
- Empirische Untersuchungen und ihre Ergebnisse
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Wissenskluft-Hypothese ein und stellt den Forschungsgegenstand sowie die Relevanz des Themas im Kontext der Massenmedien und der Informationsgesellschaft dar.
- Die Ursprungshypothese: Dieses Kapitel präsentiert die ursprüngliche Wissenskluft-Hypothese von Tichenor, Donohue und Olien, die aufzeigt, dass Menschen mit höherem sozioökonomischen Status schneller Informationen aufnehmen und verarbeiten als Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status.
- Weiterentwicklungen: Dieses Kapitel diskutiert drei wichtige Weiterentwicklungen der ursprünglichen Hypothese, darunter den „Decken“-Effekt, die Differenzperspektive und die Ursachen von Wissensklüften.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Wissenskluft-Hypothese, Massenmedien, sozioökonomischer Status, Informationsgesellschaft, digitale Spaltung, Medienkompetenz, empirische Forschung, Diffusionsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die Wissenskluft-Hypothese?
Sie besagt, dass Segmente der Bevölkerung mit höherem sozioökonomischem Status Informationen aus Massenmedien schneller aufnehmen als Statusniedrigere, wodurch sich die Wissenskluft zwischen ihnen vergrößert.
Was ist der "Ceiling-Effekt" (Deckeneffekt)?
Ein Effekt, bei dem die Wissenskluft wieder kleiner werden kann, wenn das Wissen zu einem Thema ein Maximum erreicht, über das hinaus auch statushohe Gruppen nicht mehr dazulernen können.
Führt das Internet zu einer "digitalen Spaltung"?
Die Arbeit untersucht anhand der ARD/ZDF-Onlinestudie, inwieweit ungleicher Zugang und unterschiedliche Medienkompetenz beim Internet die gesellschaftliche Wissenskluft verstärken.
Wer entwickelte die ursprüngliche Wissenskluft-Hypothese?
Die Hypothese wurde 1970 von Tichenor, Donohue und Olien im Rahmen der Medienwirkungsforschung aufgestellt.
Warum reicht mehr Information allein nicht aus, um alle gleich zu bilden?
Weil Faktoren wie Vorwissen, Bildungsebene, soziale Kontakte und die selektive Nutzung von Medien dazu führen, dass Informationen ungleich verarbeitet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Mikro- und Makroebene in dieser Forschung?
Während die klassische Forschung oft kurzfristige individuelle Wirkungen (Mikro) untersuchte, betrachtet die Wissenskluftforschung längerfristige kognitive Effekte auf die gesamte Gesellschaft (Makro).
- Quote paper
- Evelyn Glose (Author), 2007, Die Wissenskluft-Hypothese, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85748