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Sergej Lukianenko: Jenseits von Gut und Böse

Title: Sergej Lukianenko: Jenseits von Gut und Böse

Seminar Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Gemsemer (Author)

German Studies - Comparative Literature
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„[…]die Nachtwache und die Tagwache – das sind zwei Hälften eines Ganzen.“

Beginnt man über Gut und Böse nachzudenken, ertappt man sich sehr schnell dabei, nach Gegensätzen zu suchen. Schaut man sich in Literatur oder Film um, springt dem Beobachter ein dualistisches Weltbild entgegen. Ein westliches Weltbild. Gen östlicher Weisheit blickend, stellt der Betrachter erstaunt fest, ein völlig anderes Verständnis von Gut und Böse zu finden. Die Gegensätze lösen sich auf und werden eins. Ying und Yang sind zwei Hälften in einem Kreis, die sich zu umarmen scheinen, schwarzweiß, deutlich unterscheidbar, aber eben dennoch von ein und demselben Kreis umfasst werden. Westlich-dualistisches Denken löst sich hier auf und Gegensätze werden zu zwei Polen desselben Prinzips.
Sergej Lukianenkos Wächter-Tetralogie bricht mit eben diesem dualistischen Weltbild und stellt Gut und Böse als ineinander verwoben dar. Er hebt die schmale Gradwanderung der Grenzen hervor und verdeutlicht, wie Licht und Dunkel letztendlich demselben Prinzip angehören. Im Folgenden werde ich verdeutlichen, wie das geschieht und welche Rolle Bildung, im Sinne von Entwicklung, spielt, um mit einem dualistisch geprägten Denken zu brechen.
Ich behaupte, nur eine Person die eine bestimmte geistig-moralische Entwicklungsstufe erreicht hat, ist in der Lage, diese conjunctio oppositorium mehr als nur theoretisch zu fassen. Anton, den Protagonisten der Tetralogie, verstehe ich als eben diese Person, die über acht Jahre , denn um diese Zeitspanne handelt es sich vom ersten bis zum vierten Band, eine unglaubliche, nicht nur magische Entwicklung (vom fünften Grad bis zum Magier außerhalb jeder Kategorie), sondern auch moralisch-geistige Entwicklung durchmacht. Diese, ich nenne es Bewusstwerdung, erreicht er vor allem durch Situationen, in denen man sich auf keine kollektive Moralvorstellung mehr berufen kann, sondern nur für sich selbst, individuell Verantwortung übernehmen muss: indem man Entscheidungen trifft.
Die Stufe dieser Entwicklung könnte man daher als transkollektiv bezeichnen.
Aber vorerst möchte ich auf einige allgemeinere Thematiken eingehen, die sich aus den Erklärungen zu bestimmten Begriffen ergeben werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einige einführende Erklärungen

1.1 Wer sind die Anderen?

1.2 Der erste Eintritt ins Zwielicht

1.3 Wer sind die Guten und wie gut sind sie wirklich?

1.4 Wer sind die Bösen und wie böse sind sie?

2. Anton

2.1 Die erste Begegnung mit Anton Gorodezki

2.2 Antons existenzielle Krise in Die Wächter der Nacht

3. Einige Abschließende Überlegungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht Sergej Lukianenkos Wächter-Tetralogie unter dem Aspekt der moralischen Entwicklung, wobei der Fokus auf dem Aufbrechen dualistischer Weltbilder durch den Protagonisten Anton Gorodezki liegt. Es wird analysiert, wie durch individuelle Entscheidungen eine transkollektive Stufe der Bewusstwerdung erreicht wird, die über die einfache Unterscheidung von Gut und Böse hinausgeht.

  • Überwindung des westlich-dualistischen Weltbildes
  • Die moralisch-geistige Entwicklung des Protagonisten Anton
  • Kohlbergs Stufen der Moralentwicklung im Kontext der Wächter-Welt
  • Die Ambivalenz von Wahrheit, Lüge und ethischer Verantwortung
  • Die Rolle individueller Entscheidungen versus kollektiver Moral

Auszug aus dem Buch

1.1 Wer sind die Anderen?

In jedem Menschen findet sich »eine Neigung zur Zauberei«. […] Wenn die »Neigung« bei einem Menschen stärker ist als das Niveau der Magie in seiner Umwelt, dann wächst er zu einem ganz gewöhnlichen Menschen heran! Er wird nicht ins Zwielicht eintreten können […]. Wenn die »Neigung« in einem Menschen jedoch schwächer ist als in seiner Umwelt, wird er sich das Zwielicht zunutze machen können. […] Einmal angenommen, die Temperatur betrüge weltweit 36,5°C. Dann würden die meisten Menschen, deren Körpertemperatur ja höher ist, Wärme abgeben und damit »die Natur aufheizen«. Die wenigen jedoch, deren Körpertemperatur aus irgendeinem Grund unter 36,5° C liegen sollte, würde Wärme aufnehmen. Wenn nun der permanente Strom von Kraft auf sie stößt, können sie diese Kraft nutzen, während die wärmeren Menschen ziellos »die Natur aufheizen«.

Hier hätten wir also eine beinahe wissenschaftliche Art der Erklärung für die Natur der Anderen. Indem sie die Energie um sich herum aktiv nutzen können, bietet sich ihnen die Möglichkeit ins Zwielicht einzutreten.

Das so genannte Zwielicht stellt dabei eine Art siebenschichtige Parallelwelt zu jener der Menschen dar. Ich meine hier Parallelen zu Lawrence Kohlbergs Theorie der stufenweisen Moralentwicklung ziehen zu können. Kohlberg spricht von sechs bzw. sieben Stufen des Moralverständnisses, sowie der Andere sich durch die sieben Schichten des Zwielichts bewegen kann. Den „gewöhnlichen“ Anderen, also Magier eines mittleren Grades, verstehe ich als Person auf der fünften Stufe der Moralentwicklung.

Auf den Stufen 5 und 6 sind alle Forderungen des geschriebenen Rechts oder des moralischen (Natur-) Gesetzes in einem Konzept der Gerechtigkeit begründet, d.h. sie beruhen auf Übereinkommen, Vertrag und der Unvoreingenommenheit (Unparteilichkeit) des Gesetzes und seiner Funktion, die Rechte des Individuums zu bewahren.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des dualistischen Weltbildes ein und stellt die These auf, dass Anton Gorodezki durch eine transkollektive moralische Entwicklung in der Lage ist, Gegensätze als ineinander verwoben zu begreifen.

1. Einige einführende Erklärungen: Dieses Kapitel definiert die Natur der "Anderen" und des "Zwielichts" unter Einbeziehung von Kohlbergs Moralentwicklungstheorie und analysiert die Entstehung der Grenze zwischen Licht und Dunkel.

2. Anton: Der Fokus liegt auf der Charakterentwicklung von Anton Gorodezki, dessen moralischer Instinkt und existenzielle Krisen während seiner Arbeit bei der Nachtwache untersucht werden.

3. Einige Abschließende Überlegungen: Die Schlussbetrachtungen resümieren, dass Gut und Böse als zwei Pole desselben Prinzips zu verstehen sind, und unterstreichen den Appell des Autors zur individuellen moralischen Weiterentwicklung.

Schlüsselwörter

Gut und Böse, Sergej Lukianenko, Wächter-Tetralogie, Zwielicht, Moralentwicklung, Lawrence Kohlberg, dualistisches Weltbild, transkollektive Moral, Anton Gorodezki, Eigenverantwortung, Gewissenskonflikte, Conjunctio oppositorium, Ethik, Fantasy, Existenzielle Krise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das moralische Wertgefüge in Sergej Lukianenkos Wächter-Tetralogie und die Auflösung der klassischen dualistischen Unterscheidung von Gut und Böse.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die moralische Entwicklung des Protagonisten, die Anwendung von Kohlbergs Stufentheorie auf die Romane sowie das Spannungsfeld zwischen kollektiven Regeln und individueller Verantwortung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu verdeutlichen, wie Anton Gorodezki durch seine moralische Reifung ein transkollektives Verständnis erlangt, das die strikte Trennung von Licht und Dunkel als künstlich entlarvt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die psychologische und moralphilosophische Theorien (insbesondere von Lawrence Kohlberg und Friedrich Seifert) auf den fiktionalen Text anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung (Natur der Anderen, Zwielicht), eine detaillierte Analyse der Figur Anton Gorodezki und eine Untersuchung seiner existenziellen Krisen im Kontext ethischer Entscheidungsfindung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie moralische Entwicklung, Zwielicht, Dualismus, individuelle Verantwortung, Ethik und die Wächter-Tetralogie definiert.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Dunklen von der der Lichten?

Die Dunklen begreifen sich selbst als gerecht, unabhängig und frei, während sie die Menschen als Ressourcen nutzen; die Lichten sehen sich als Wächter mit moralischem Instinkt, müssen jedoch für ihre Ziele oft ethische Kompromisse eingehen.

Warum ist die "Abschuss-Debatte" ein zentrales Beispiel in der Analyse?

Sie illustriert das ethische Dilemma, in dem kollektive moralische Lösungen versagen, was die Notwendigkeit unterstreicht, dass das Individuum selbst Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss.

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Details

Title
Sergej Lukianenko: Jenseits von Gut und Böse
College
Free University of Berlin  (Peter-Szondi-Institut für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Schauerlandschaften: Vampire, Hexen und Dämonen in Osteuropa
Grade
1,0
Author
Laura Gemsemer (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V85673
ISBN (eBook)
9783638014557
Language
German
Tags
Sergej Lukianenko Jenseits Böse Schauerlandschaften Vampire Hexen Dämonen Osteuropa Wächter der Nacht Wächter des Tages Wächter des Zwielichts Wächter der Ewigkeit Gut und Böse Moralentwicklung Lawrence Kohlberg Dualismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Gemsemer (Author), 2007, Sergej Lukianenko: Jenseits von Gut und Böse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85673
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