„Dem Monteur Josef Bloch, der früher ein bekannter Tormann gewesen war, wurde, als er sich am Vormittag zur Arbeit meldete, mitgeteilt, dass er entlassen sei. Jedenfalls legte Bloch die Tatsache, dass bei seinem Erscheinen in der Tür der Bauhütte, wo sich die Arbeiter gerade aufhielten, nur der Polier von der Jause aufschaute, als eine solche Mitteilung aus und verließ das Baugelände.“
Mit diesem Ereignis, das nur in der Wahrnehmung des Protagonisten in Peter Handkes Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ stattfindet, zerfällt das wohl geordnete Leben des ehemaligen Torwarts von einem Tag auf den anderen. Er weiß von nun an nichts mit sich anzufangen, lungert herum, sieht nur zu, ohne einzugreifen. Alles stört ihn, denn er scheint eine gesteigerte Sinneswahrnehmung zu haben, die sich allerdings auf Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen beschränkt. Er versucht, das Agieren seines Gegenübers einzuschätzen und vorwegzunehmen, so, wie es auch ein guter Torwart tun sollte, wenn er einem Elfmeterschützen gegenübersteht. Doch offensichtlich nahm Blochs Karriere mit einer solchen Situation ein jähes Ende und er ließ den Ball ins Tor gehen. Seitdem verliert er in zunehmendem Maße den Bezug zur Realität. Die Dinge geschehen, doch sie bedeuten nichts. Die Grenze zwischen Wichtigem und Unwichtigem verwischt, verschwindet letztendlich. Alles ist gleichberechtigt. Aber wenn alles wichtig ist, ist auch alles unwichtig und der Protagonist endet im Chaos.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangssituation des Protagonisten
2.1 Verlust des Realitätsbezugs
2.2 Soziale Isolation und Entfremdung
3. Psychologische Analyse der Handlung
3.1 Die Rolle der Wahrnehmung
3.2 Mord als Flucht vor dem Scheitern
4. Sprachliche Darstellung und Stil
4.1 Auflösung von Syntax und Bedeutung
4.2 Einsatz von Piktogrammen und Entautomatisierung
5. Fazit und Rezeption
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Analyse untersucht die existentiellen Grenzerfahrungen des Protagonisten Josef Bloch in Peter Handkes Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und beleuchtet, wie der fortschreitende Realitätsverlust durch eine spezifische sprachliche Gestaltung erfahrbar gemacht wird.
- Psychologische Darstellung einer schizophrenen Diskrepanz
- Die Auflösung von Sprachstrukturen und Bedeutung
- Existentialistische Entfremdung und Sinnsuche
- Der Einfluss der Wahrnehmung auf soziale Interaktionen
- Literarische Bedeutung der Erzählstruktur
Auszug aus dem Buch
Grenzerfahrungen eines geisteskranken Torwarts lassen über existentielle Zusammenhänge nachdenken
„Dem Monteur Josef Bloch, der früher ein bekannter Tormann gewesen war, wurde, als er sich am Vormittag zur Arbeit meldete, mitgeteilt, dass er entlassen sei. Jedenfalls legte Bloch die Tatsache, dass bei seinem Erscheinen in der Tür der Bauhütte, wo sich die Arbeiter gerade aufhielten, nur der Polier von der Jause aufschaute, als eine solche Mitteilung aus und verließ das Baugelände.“
Mit diesem Ereignis, das nur in der Wahrnehmung des Protagonisten in Peter Handkes Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ stattfindet, zerfällt das wohl geordnete Leben des ehemaligen Torwarts von einem Tag auf den anderen. Er weiß von nun an nichts mit sich anzufangen, lungert herum, sieht nur zu, ohne einzugreifen. Alles stört ihn, denn er scheint eine gesteigerte Sinneswahrnehmung zu haben, die sich allerdings auf Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen beschränkt. Er versucht, das Agieren seines Gegenübers einzuschätzen und vorwegzunehmen, so, wie es auch ein guter Torwart tun sollte, wenn er einem Elfmeterschützen gegenübersteht. Doch offensichtlich nahm Blochs Karriere mit einer solchen Situation ein jähes Ende und er ließ den Ball ins Tor gehen. Seitdem verliert er in zunehmendem Maße den Bezug zur Realität. Die Dinge geschehen, doch sie bedeuten nichts. Die Grenze zwischen Wichtigem und Unwichtigem verwischt, verschwindet letztendlich. Alles ist gleichberechtigt. Aber wenn alles wichtig ist, ist auch alles unwichtig und der Protagonist endet im Chaos.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Ausgangslage des Protagonisten Josef Bloch und den plötzlichen Zusammenbruch seines geordneten Lebens durch die Entlassung.
2. Die Ausgangssituation des Protagonisten: Untersuchung der zunehmenden Entfremdung von der Realität und der sozialen Isolation, in die Bloch nach seinem Karriereende abgleitet.
3. Psychologische Analyse der Handlung: Erörterung der psychologischen Mechanismen, die Bloch dazu bringen, die Welt als existentielle Qual wahrzunehmen, und die ihn schließlich zum Mord treiben.
4. Sprachliche Darstellung und Stil: Analyse von Handkes sprachlicher Gestaltung, insbesondere der Auflösung der Syntax und der Verwendung von Piktogrammen zur Darstellung der Wahrnehmungskrise.
5. Fazit und Rezeption: Einordnung des Werkes als anspruchsvolle Literatur, die den Leser dazu zwingt, die eigene Umwelt durch die Linse der gezeigten Realitätsentfremdung neu zu betrachten.
Schlüsselwörter
Peter Handke, Die Angst des Tormanns beim Elfmeter, Realitätsverlust, Schizophrenie, Existentialismus, Wahrnehmung, Sprachkritik, Entfremdung, Identitätsverlust, Literaturanalyse, Grenzerfahrung, Syntaxauflösung, Entautomatisierung, Protagonist, psychologische Erzählung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von Peter Handke und untersucht die psychologische Dekonstruktion des Protagonisten Josef Bloch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Verlust des Realitätsbezugs, die psychische Entfremdung und die Krise der sprachlichen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Handke eine geisteskranke Innenwelt durch die bewusste Auflösung von Sprache und Handlungslogik für den Rezipienten erfahrbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die narrative Strukturen mit psychologischen Interpretationsansätzen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der psychischen Situation des Protagonisten, die Interpretation seines Handelns sowie eine detaillierte Untersuchung der sprachlichen und stilistischen Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Realitätsverlust, Entfremdung, Sprachkritik, Schizophrenie und die existenzielle Sinnsuche.
Warum spielt das Bild des Torwarts eine so zentrale Rolle für Blochs Charakter?
Das Bild dient als Metapher für sein gescheitertes Leben; er versucht ständig, Situationen vorauszuberechnen, scheitert jedoch wie bei einem Elfmeter an der tatsächlichen Ausführung.
Welche Bedeutung haben die Piktogramme in der Erzählung?
Die Piktogramme markieren den Punkt, an dem die sprachliche Syntax für Bloch nicht mehr ausreicht, um die Welt zu greifen, und symbolisieren somit den totalen Zusammenbruch seiner kognitiven Verbindung zur Außenwelt.
Warum begeht Bloch den Mord an der Kassiererin?
Der Mord ist eine impulsive Flucht vor der drohenden Anforderung, sich mit seiner eigenen, möglicherweise falschen Einschätzung seiner Kündigung auseinanderzusetzen.
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- Bachelor of Arts Isabelle Strohkamp (Author), 2006, Rezension zu Peter Handkes "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" - Grenzerfahrungen eines geisteskranken Torwarts lassen über existentielle Zusammenhänge nachdenken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85489