1. Einleitung
Die Rolle der Frau ist in vielen mittelalterlichen Heldenliedern sehr ähnlich. Ihre Rolle ist meist passiv. Die Frau scheint als Auslöser für die verschiedenen Abenteuer des Helden zu fungieren oder dient als schmückendes Beiwerk. Ein Beispiel ist Konrad Flecks „Flore und Blanscheflur“. Hier reist Flore nach dem Verkauf von Blanscheflur in den Orient um sie zu befreien. Der Frau selbst wird meist keine aktive Handlung zuteil mit der sie ihre Lage verbessern könnte.
Kriemhild und Brünhild dagegen, die weiblichen Protagonisten im Nibelungenlied, scheinen nicht in diese stereotype Frauenrolle zu passen. Ihre Handlungen und Charakterzüge sind wesentlich für die Entwicklung und das Ende des Nibelungenliedes. Zu Beginn erscheint Kriemhild als höfische, angepasste und passive Hofdame. Sie verwandelt sich dann aber im zweiten Teil in eine mörderische Intrigantin, die durch ihr Handeln das Schicksal der Burgunder besiegelt. Sie lockt Gunther und sein Gefolge an Etzels Hof und dort in eine tödliche Falle.
Im Gegensatz zu Kriemhild erfährt Brünhild in ihrem Charakter eine entgegengesetzte Wandlung. Sie hat im ersten Teil einen aktiven Part, scheint aber im Verlauf der Aventiuren eine Charakterveränderung zu einer passiveren Rolle zu durchleben. Um dies mit Bestimmtheit sagen zu können, muss Brünhilds Charakter jedoch genauer untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Brünhilds Auftreten in Island
- Brünhilds Auftreten in Worms
- Königinnenstreit
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Wandlung des weiblichen Protagonisten Brünhild im Nibelungenlied. Im Fokus steht die Frage, wie sich Brünhilds Charakter von einem kämpferischen und selbstbewussten Individuum zu einer passiveren Rolle entwickelt.
- Brünhilds Abweichung vom mittelalterlichen Frauenbild
- Brünhilds Rolle als Herrscherin in Island
- Die Bedeutung von Brünhilds Stärke und Kampfbereitschaft
- Die Veränderung von Brünhilds Charakter im Verlauf des Nibelungenliedes
- Die Darstellung von Brünhilds Transformation von Aktivistin zu passiver Rolle
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt die Rolle der Frau in mittelalterlichen Heldenliedern dar und kontrastiert sie mit den komplexen Charakteren von Kriemhild und Brünhild im Nibelungenlied.
- Das Kapitel „Brünhilds Auftreten in Island“ beschreibt Brünhilds einzigartige Position als Herrscherin in Island und ihre außergewöhnliche Stärke, die sie von dem traditionellen Frauenbild abhebt. Es wird ihr ungewöhnlicher Dreikampf als Eheschließungsbedingung beleuchtet, der ihre Macht demonstriert, aber auch ihren Ruf als grausame Herrscherin festigt.
- Das Kapitel „Brünhilds Auftreten in Worms“ analysiert die Reaktionen der Burgunder auf Brünhilds Ankunft und ihre gewaltigen Waffen, die Angst und Schrecken verbreiten. Der Text zeichnet die Metaphern und Vergleiche auf, die Brünhild mit der Hölle und dem Teufel verbinden, und unterstreicht die unheimliche Wirkung ihrer Präsenz.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Brünhild, Frauenrolle, Mittelalter, Heldenlied, Herrscherin, Stärke, Kampf, Wandlung, Dreikampf, Tradition, Stereotyp, Macht, Angst, Hölle, Teufel.
Häufig gestellte Fragen
Welche Wandlung durchläuft Brünhild im Nibelungenlied?
Brünhild entwickelt sich von einer kämpferischen, selbstbewussten Herrscherin in Island zu einer passiveren Figur am Hof von Worms.
Wie unterscheidet sich Brünhild vom typischen mittelalterlichen Frauenbild?
Während Frauen in Heldenliedern meist passiv sind, agiert Brünhild zu Beginn aktiv, verfügt über außergewöhnliche physische Stärke und stellt Bedingungen für ihre Heirat.
Was war die Bedingung für Brünhilds Eheschließung?
Sie forderte ihre Bewerber zu einem Dreikampf heraus; nur wer sie besiegte, durfte sie heiraten. Dies unterstrich ihre Macht und Unabhängigkeit.
Welche Bedeutung hat der „Königinnenstreit“ in der Arbeit?
Der Streit zwischen Brünhild und Kriemhild ist ein zentrales Kapitel, das die Machtverhältnisse und die weitere Charakterentwicklung der Protagonistinnen beleuchtet.
Wie wird Brünhilds Ankunft in Worms dargestellt?
Ihre Präsenz und ihre gewaltigen Waffen verbreiten Angst unter den Burgundern; literarisch wird sie oft mit unheimlichen Metaphern (Hölle, Teufel) in Verbindung gebracht.
Was ist das Fazit der Untersuchung über Brünhild?
Die Arbeit stellt fest, dass Brünhilds ursprüngliche Stärke im Verlauf der Handlung systematisch gebrochen wird, bis sie in die traditionelle passive Frauenrolle gedrängt wird.
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- Mathias Koch (Author), 2007, Brünhild - Wandlung einer Königin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85421