Viele deutsche Veröffentlichungen zum Thema 'Einarbeitung in der ambulanten Pflege' beschränken sich auf Einarbeitungschecklisten, die eine reibungslose Einarbeitung nicht sicherstellen können. Demgegenüber wird in der anglo-amerikanischen Pflegewissenschaft schon seit vielen Jahren zum Thema: "Employee Orientation in Home Care" geforscht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die bisher umfangreichste Studie zur Einarbeitung in "Home Care" aus den USA stammt. Teri Murray weist darin auf die Folgen defizitärer Einarbeitung hin. Ein häufiges Problem stellt die vermeidbare Kündigung innerhalb der Probezeit dar. Zu einer Kündigung wird es dann kommen, wenn die Überforderung Überhand nimmt, bevor die positiven Aspekte der Arbeit in der ambulanten Pflege ihre Wirkung entfalten können. Das Ziel des Buches ist es, Pflegekräften den Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Pflege zu erleichtern. Dazu gehört, ihnen über mögliche Anfangsschwierigkeiten hinweg zu helfen und ihnen die Erfolgserlebnisse bei der Arbeit in der ambulanten Pflege zugänglich zu machen. Durch die Berücksichtigung der zukunftsweisenden Amerikanischen Literatur wird das Buch dauerhaft aktuell bleiben.
Besonders geeignet ist das Buch für die Leitungen von ambulanten Pflegediensten bzw. deren Qualitätsmanagementbeauftragten. Auch Mentoren und neue Mitarbeiter in ambulanten Pflegediensten werden von der Lektüre profitieren. Darüber hinaus richtet es sich an Studenten von Pflegestudiengängen und kann zur Unterrichtsvorbereitung an Krankenpflegeschulen verwendet werden.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Einleitung
2 Veröffentlichungen zum Thema ‘Einarbeitung in der ambulanten Pflege’
2.1 Deutsche Veröffentlichungen bis 1995 im zeitlichen Kontext
2.1.1 Die Ursprünge der Gemeindepflege
2.1.2 Das Modell ‘Sozialstation’ und private Pflegedienste
2.1.3 Kurzexkurs: Die Fachweiterbildung für die Gemeindekrankenpflege
2.1.4 Veröffentlichungen zum Thema ‘Einarbeitung in der ambulanten Pflege’
2.2 Deutsche Veröffentlichungen von 1995 - 2004 im zeitlichen Kontext
2.2.1 Das Pflegeversicherungsgesetz und seine Folgen
2.2.2 Das Qualitätssicherungsgesetz
2.2.3 Die aktuelle Situation der ambulanten Pflege in Deutschland
2.2.4 Veröffentlichungen zum Thema ‘Einarbeitung in der ambulanten Pflege’
2.3 Perspektiven der ambulanten Pflege in Deutschland nach 2004
2.3.1 Das neue Krankenpflegegesetz
2.3.2 Die Diagnosis – Related – Groups (DRG)
2.4 Zwischenfazit
3 Bildungstheoretische Grundlagen
3.1 Kompetenzbegriffe
3.2 Kompetenzentwicklung in der Pflege
3.2.1 Supervision
3.2.2 Coaching
3.2.3 Mentoring
4 Handlungsfeldspezifische Belastungen, Anforderungen und Kompetenzen
4.1 Belastungen in der ambulanten Pflege
4.1.1 Belastungsbewältigung in der ambulanten Pflege
4.2 Anforderungen in der ambulanten Pflege
4.3 Anforderungen im amerikanischen ‘Home Care’ - Sektor
4.4 Kompetenzen in der ambulanten Pflege
5 Unterstützungsangebote für neue Mitarbeiter in der ambulanten Pflege
5.1 Unterstützungsangebote durch die Leitung
5.1.1 Vorbereitung auf die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters
5.1.2 Durchführung der Einarbeitung
5.2 Unterstützungsangebote durch den Mentor
5.2.1 Vorbereitung auf die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters
5.2.2 Durchführung der Einarbeitung
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel der Arbeit ist es, theoretisch fundierte Vorschläge zur Einarbeitung von Gesundheits- und Krankenpflegern zu erarbeiten, die vom Krankenhaus in die ambulante Pflege wechseln. Dabei soll insbesondere Fachkräften mit wenig Erfahrung in der ambulanten Pflege der Übergang erleichtert werden, indem Führungskräfte und Mentoren befähigt werden, diesen Prozess strukturiert und kompetenzorientiert zu gestalten.
- Analyse der spezifischen Belastungen und Anforderungen der ambulanten Pflege
- Darstellung bildungstheoretischer Grundlagen wie Supervision, Coaching und Mentoring
- Übertragung der Anforderungen in konkrete Kompetenzprofile
- Entwicklung von Unterstützungsangeboten für die Einarbeitungsphasen
- Integration von Erkenntnissen aus dem anglo-amerikanischen "Home Care"-Sektor
Auszug aus dem Buch
Die Ursprünge der Gemeindepflege
„Die Ursprünge der Gemeindepflege liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts [...].“ Ursprünglich forderten Kirchengemeinden und Krankenhäuser bei der evangelischen Diakonie Gemeindeschwestern an. Weil die Diakonie nach dem sogenannten Mutterhausprinzip organisiert war, wurden die Arbeitsverträge zwischen dem Mutterhaus und dem Krankenhaus bzw. der Kirchengemeinde geschlossen. Gemäss des Mutterhausprinzips kehrten die Schwestern nach Ablauf der Verträge in ihr Mutterhaus zurück. Weil teilweise auch katholische Pflegeorden dieses Organisationsprinzip übernahmen, kam es zu einer besonders starken religiösen Bindung der Gemeindepflege. Die Aufgabe der Gemeindeschwester bestand keineswegs nur in der Pflege der Gemeindemitglieder, auch die seelsorgerische Tätigkeit gehörte zu ihrem Aufgabenfeld.
Nach dem zweiten Weltkrieg galten die organisatorisch relativ unabhängigen Mutterhäuser als vom Nationalsozialismus unbelastet. Dieser Umstand führte zunächst zu einem Fortbestehen des bewährten Mutterhausprinzips. „Für die Gemeindepflege der Bundesrepublik Deutschland kann man damit grundsätzlich von einer Kontinuität der Arbeit ausgehen.“ Seit den 50er Jahren nahm die Anzahl von Gemeindepflegestationen jedoch stetig ab. Zwischen 1961 und 1973 ging die Gesamtzahl der in der Gemeindepflege Tätigen von 12.300 auf 8.900 zurück! Der Rückgang der kirchlichen Gemeindepflege führte zu einer Versorgungslücke im ambulanten Pflegesektor. Als erstes Bundesland führte Rheinland-Pfalz 1967 Gespräche mit den Wohlfahrtsverbänden, über die Bündelung kranken- und sozialpflegerischer Dienste. In diesem Zusammenhang wurde erstmals das Modell ‘Sozialstation’ vorgelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, examinierte Pflegekräfte bei ihrem Wechsel vom Krankenhaus in die ambulante Pflege durch strukturierte Einarbeitungskonzepte zu unterstützen.
2 Veröffentlichungen zum Thema ‘Einarbeitung in der ambulanten Pflege’: Analysiert den historischen und gesundheitspolitischen Kontext deutscher Veröffentlichungen zur Einarbeitung und bewertet deren Beitrag für ein neues Einarbeitungskonzept.
3 Bildungstheoretische Grundlagen: Erläutert zentrale Kompetenzbegriffe und Beratungsformen wie Supervision, Coaching und Mentoring als Basis für die berufliche Entwicklung.
4 Handlungsfeldspezifische Belastungen, Anforderungen und Kompetenzen: Leitet aus den Arbeitsbedingungen der ambulanten Pflege spezifische Belastungen sowie Anforderungen ab und ordnet diese notwendigen Kompetenzformen zu.
5 Unterstützungsangebote für neue Mitarbeiter in der ambulanten Pflege: Präsentiert konkrete, phasenorientierte Konzepte für Führungskräfte und Mentoren zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Ergebnisse der Belastungsforschung und unterstreicht die Notwendigkeit von Ressourcenförderung und strukturierter Einarbeitung für den Verbleib von Pflegekräften.
Schlüsselwörter
Ambulante Pflege, Einarbeitung, Gesundheits- und Krankenpfleger, Kompetenzentwicklung, Supervision, Coaching, Mentoring, Organisationssozialisation, Berufsübergang, Pflegemarkt, Belastungsbewältigung, Personalentwicklung, Pflegeversicherungsgesetz, Handlungskompetenz, Gastrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einarbeitung von examinierten Pflegekräften, die vom stationären Krankenhausbereich in die ambulante Pflege wechseln, und entwickelt dafür theoretisch fundierte Konzepte.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Besonderheiten ambulanter Arbeitsbedingungen, die Identifikation von Belastungen, Anforderungen an das Personal und bildungstheoretische Ansätze zur Unterstützung des Einarbeitungsprozesses.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Führungskräften und Mentoren in ambulanten Diensten eine wissenschaftlich fundierte Grundlage zu geben, um neue Mitarbeiter durch gezielte Unterstützung schneller in das neue Arbeitsfeld zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Der Autor führt eine Literatur- und Bestandsanalyse durch, bezieht aktuelle Forschungsergebnisse (insbesondere zu Belastungen und Kompetenzentwicklung) ein und verknüpft diese mit pädagogischen Theorien sowie US-amerikanischen Konzepten (Home Care).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Einarbeitung, die theoretische Grundlegung (Kompetenzbegriffe, Beratungsmethoden), eine detaillierte Erarbeitung der handlungsfeldspezifischen Anforderungen sowie die Ableitung praktischer Einarbeitungsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind ambulante Pflege, Einarbeitung, Kompetenzentwicklung, Supervision, Coaching, Mentoring, organisationale Sozialisation und handlungsfeldspezifische Anforderungen.
Welche Rolle spielt der "Home Care"-Sektor aus den USA?
Der Autor nutzt die US-amerikanische Forschung als Vergleichsfolie, um zu prüfen, welche Erkenntnisse über Anforderungen, Belastungen und Anpassungsleistungen auf die deutschen Verhältnisse übertragbar sind.
Wie unterscheidet sich die Einarbeitung in der ambulanten Pflege vom stationären Bereich?
Der Autor betont, dass in der ambulanten Pflege der soziale Kontext (Privatsphäre des Patienten), der Zeitdruck durch Tourenplanung und das Fehlen unmittelbarer kollegialer Unterstützung im Vergleich zum Krankenhaus deutlich höhere Anforderungen an die Selbstorganisation und psychische Belastbarkeit stellen.
Warum wird das Konzept der "Gastrolle" so hervorgehoben?
Die Pflegekraft agiert im häuslichen Umfeld des Patienten als Gast. Das Einnehmen und Ausfüllen dieser Gastrolle ist eine essenzielle Kompetenz, um die Grenze zwischen professioneller Pflege und der Achtung der Privatsphäre professionell zu managen.
- Quote paper
- Diplom Berufspädagoge Dirk Murmann (Author), 2004, Einarbeitung in der ambulanten Pflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85071