Max Weber (geb. 1864 in Erfurt) hielt am 28. Januar 1919 den Vortrag „Politik als Beruf“. Zu Beginn des Vortrages beschreibt er den Begriff Politik. Er versucht den Zusammenhang von Politik und Macht herzustellen. Macht wird entweder als Mittel im Dienst idealer oder egoistischer Ziele benutzt, oder sie findet Anwendung für das eigene Prestigegefühl, ausschließlich um ihrer selbst willen.
Im Verlauf seiner Rede beschreibt Max Weber die Eigenschaften, die ein Politiker haben muss.
Er als Referent geht sehr emotional an das Thema heran, so dass es mir notwendig erscheint, auch das Buch „der Fürst“ von Niccolò Machiavelli (geb. 1469 in Florenz) heranzuziehen.
Dieser beschreibt Verhaltensweisen, wie sich ein Fürst zu betragen hat, um seine Macht zu erhalten. Politiker und Fürsten sind beides Führungskräfte, die ähnlichen Ziele folgen - nämlich den Erhalt ihrer politischen Macht.
Im Gegensatz zu M. Weber habe ich den Eindruck, dass N. Machiavelli sachlicher an die Thematik herangeht. Dieses mag daran liegen, dass „Der Fürst“ ein Buch und M. Webers Rede „Politik als Beruf“ ein Vortrag ist.
Im Wesentlichen werde ich auf die Thematik eingehen:
Politik als Beruf, Macht als Berufung
„Der <<Berufspolitiker>> aus der Sicht
Max Webers und Niccoló Machiavellis.“
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Max Weber „Politik als Beruf“
2.1 Max Weber in seiner Zeit
2.2 Max Webers Differenzierung der Gesinnungs- und Verantwortungsethik
3 Machiavelli „Der Fürst“: Fähigkeiten und notwendige Eigenschaften, seinem Beruf gerecht zu werden
3.1 Niccoló Machiavelli in seiner Zeit
3.2 „Wie ein Fürst sich zu betragen hat, um Ruhm zu erwerben“: Menschenbild der Fürsten aus der Sicht Niccoló Machiavellis
3.3 „Über die Arten der Herrschaft und Mittel, sie zu erlangen“: Macht und Ethik Machiavellis
4 Max Weber und Niccoló Machiavelli im Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anforderungen und Eigenschaften, die einen Berufspolitiker aus der Sicht von Max Weber und Niccolò Machiavelli ausmachen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie politisch Handelnde Macht erlangen, bewahren und ethisch legitimieren können, insbesondere unter Berücksichtigung von Rationalität, persönlicher Tüchtigkeit und dem Spannungsfeld zwischen idealistischer Gesinnung und pragmatischer Verantwortung.
- Vergleich der politischen Konzepte von Max Weber und Niccolò Machiavelli
- Analyse des Berufspolitikers als Führungspersönlichkeit
- Bedeutung von Rationalität, Charisma und Augenmaß in der Politik
- Die Differenzierung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik
- Einfluss historischer Gegebenheiten auf politisches Handeln
Auszug aus dem Buch
3.2 „Wie ein Fürst sich zu betragen hat, um Ruhm zu erwerben“: Menschenbild der Fürsten aus der Sicht Niccoló Machiavellis
Im Vorfeld der Beschreibung notwendiger Eigenschaften und Fähigkeiten politisch Handelnder aus der Sicht N. Machiavellis, ist es sinnvoll, seine Position gegenüber den Menschen und ihrer Natur zu berücksichtigen. Er geht in seinen Einschätzungen und Empfehlungen von erfahrenen Realitäten aus (historische oder selbst beobachtete) und hält die Menschen „eher zum Bösen als zum Guten bereit ...“. Im „Fürsten“ führt er dies näher aus: „Denn man kann von den Menschen insgemein sagen, dass sie undankbar, wankelmütig, falsch, feig in Gefahren und gewinnsüchtig sind; (...)“. Der englische Staatskanzler Francis Bacon meint über Machiavelli, dass er die Menschen nicht schildert wie sie sein sollten, sondern wie sie sind. Aus Machiavellis Zeit gesehen, ist dieses Menschenbild verständlich: Kriege, Eroberungen, kurzfristige Zweckbündnisse unterschiedlicher Partner, die in schneller Abfolge wechseln. Machiavelli untersucht, unter Einbeziehung von Beispielen aus der Antike, die Strategien großer Eroberer, deren Erfolge oder Misserfolge. Er versucht, „... geltende Regeln, die nicht an Ort und Zeit gebunden sind.“ herauszuarbeiten. Die historische Rückschau hält er für eine unabdingbare Notwendigkeit für erfolgreiches politisches Handeln: „Kluge Männer pflegen nicht grundlos und zu Unrecht zu sagen, wer die Zukunft voraussehen wolle, müsse die Vergangenheit betrachten, denn alle Begebenheiten der Welt haben immer ihr Seitenstück in der Vergangenheit. Dies kommt daher, dass sie von Menschen vollbracht werden, die stets die gleichen Leidenschaften haben oder gehabt haben.“ Er schreibt weiter, dass nur, „Wer sich mit der gegenwärtigen und antiken Geschichte beschäftigt, erkennt ..., dass alle Staaten und alle Völker von jeher die gleichen Wünsche und die gleichen Launen hatten.“ Die Einsicht, dass die menschliche Natur in ihrer Unberechenbarkeit konstant ist und nur die geschichtlichen Abläufe veränderlich sind, ist bei Machiavelli ein zentraler Aspekt: „Das Individuum ist für Machiavelli eine feste Größe, die geschichtliche Situation aber ist fließend.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, skizziert den Zusammenhang von Politik und Macht bei Max Weber und begründet die Hinzuziehung von Niccolò Machiavellis Werk zur Analyse des Berufspolitikers.
2 Max Weber „Politik als Beruf“: Das Kapitel analysiert Webers Vortrag vor dem Hintergrund der deutschen Umbruchsituation um 1918/1919 und diskutiert die notwendigen Charaktereigenschaften wie Leidenschaft, Sachlichkeit und Augenmaß.
3 Machiavelli „Der Fürst“: Fähigkeiten und notwendige Eigenschaften, seinem Beruf gerecht zu werden: Dieses Kapitel beleuchtet Machiavellis Menschenbild, die Bedeutung von Fortuna und Virtù sowie die Legitimierung politischer Mittel im Kontext der Renaissance.
4 Max Weber und Niccoló Machiavelli im Vergleich: Dieser Abschnitt führt die Argumente beider Denker zusammen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Auffassung von politischer Ethik und verantwortungsbewusstem Handeln herauszuarbeiten.
Schlüsselwörter
Politik, Berufspolitiker, Max Weber, Niccolò Machiavelli, Macht, Verantwortungsethik, Gesinnungsethik, Charisma, Virtù, Fortuna, Politikwissenschaft, Staatskunst, Nützlichkeitsethik, politische Führung, Rationalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Anforderungen an politische Führungskräfte durch einen Vergleich der Schriften „Politik als Beruf“ von Max Weber und „Der Fürst“ von Niccolò Machiavelli.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Wesen des Berufspolitikers, die ethische Legitimation politischer Mittel, das Verhältnis von Macht und Moral sowie die Rolle von Rationalität und persönlichen Fähigkeiten in der Politik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politisch Handelnde in spannungsreichen historischen und aktuellen Situationen durch Kompetenz und Reflexion ihre politische Handlungsfähigkeit sichern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende textanalytische Untersuchung, die historische Hintergründe einbezieht, um die Argumentationen von Weber und Machiavelli kritisch gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Darstellung der politischen Modelle beider Autoren sowie deren spezifische Konzepte zur Bewältigung politischer Krisen und zur Wahrung der Macht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Verantwortungsethik, Gesinnungsethik, Virtù, Fortuna, Macht, Rationalität und politische Führung geprägt.
Welche Rolle spielt das Charisma bei Max Weber?
Für Weber ist das Charisma die „Seele“ des Berufspolitikers, die als notwendige Grundlage für die Bindung zwischen einem Führer und seiner Gefolgschaft dient, jedoch auch Gefahren bergen kann.
Wie bewertet Machiavelli die Notwendigkeit von Grausamkeit?
Machiavelli legitimiert den Einsatz von Gewalt und Härte, sofern dieser gezielt, zweckgerichtet und zur Erhaltung der politischen Gemeinschaft erfolgt, lehnt jedoch dauerhafte despotische Tyrannei ab.
Welche wesentliche Differenz besteht zwischen Weber und Machiavelli im Vergleich?
Während Machiavelli die politische Analyse weitgehend rational und distanziert unter dem Aspekt der Nützlichkeit betreibt, ist Webers Werk stärker von einer emotionalen persönlichen Betroffenheit und der Zerrissenheit des Politikers durch ethische Paradoxien geprägt.
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- Dipl. Berufspädagoge/ Dipl. Sozialpädagoge Jörg Stumbrat (Author), 1995, Politik als Beruf, Macht als Berufung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84639