„Als (postmoderne) Industriegesellschaft ist die Bundesrepublik Deutschland ein Volk von Kranken. Dies lässt sich zum einen auf starke Umweltgefährdungen und ungesunde Lebensgewohnheiten zurückführen, zum anderen auch durch bessere Diagnoseverfahren und höhere Lebenserwartung erklären. Immerhin geben die Bundesbürger jährlich etwa 300 Milliarden Mark für ihre Gesundheit aus.“ (BALZ, E.: 1995, S. 135) „Gesundheit ist (...) zur Mangelware und zum Fetisch geworden. Ausgangspunkt dürfte die bedrohliche Tatsache sein, dass in hochtechnisierten Industriegesellschaften die sogenannten Zivilisationskrankheiten souverän die Todesursachen-Statistik anführen, eng verbunden ist diese typische Verwandlung des Krankheitspanoramas mit der insgesamt erschreckenden Kostenexplosion im Gesundheitswesen.“ (BALZ: 1995, S. 11). Als Ursachen für das Auftreten der neuen Zivilisationskrankheiten gelten laut BALZ (ebd.) Bewegungsarmut, Genussmittelmissbrauch, Stressüberlastung und Ernährungsfehler. Bereits im Kindes- und Jugendalter würde das Gefährdungspotenzial sichtbar werden. Übergewicht, Koordinations- und Haltungsschwächen, Kreislaufstörungen, chronische Erkrankungen, geringere körperliche Belastbarkeit, Suchtprobleme und psychosomatische Beeinträchtigungen würden immer häufiger und früher im Entwicklungsverlauf auftreten. (BÖS, K., WOLL, A.: 2001, S. 295)
Was hat nun der Schulsport mit der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu tun? Wie ist die Aufgabe einer Gesundheitserziehung im Schulsport zu verstehen? Unter anderem mit diesen beiden Fragen werde ich mich in meiner Arbeit zum Thema „Gesundheitserziehung“ auf dieser und den folgenden Seiten befassen. Zudem werde ich die Begriffe „Salutogenese“ und „Diätetik“ näher beleuchten. Zum Abschluss versuche ich an einem Praxisbeispiel zu erläutern, wie Komponente der Gesundheitserziehung im Schulsport umgesetzt werden könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Definitionen
1.1 Gesundheit
1.2 Gesundheitserziehung
2 Gesundheitserziehung im Schulsport
2.1 Aufgaben der Gesundheitserziehung
2.2 Wichtigkeit von gesundheitsbewussten Bewegungsaktivitäten im Schulsport
2.3 Ziele der Gesundheitserziehung im Schulsport
2.4 Gesundheitsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen
3 Salutogenese
3.1 Ein gesundheitlicher Paradigmenwechsel
3.2 Was lässt Menschen gesund bleiben?
3.3 Konsequenzen für den erziehenden Schulsport
4 Diätetik
4.1 Was ist Diätetik
4.2 Diätetik und Sport
5 Praxisbeispiel zur Gesundheitserziehung
6 Einbindung des Praxisbeispiels in die Theorie sowie eine kurze Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung der Gesundheitserziehung im Schulsport, mit dem Ziel, Schüler für einen eigenverantwortlichen, gesundheitsbewussten Lebensstil zu sensibilisieren.
- Grundlagen und Definitionen von Gesundheit und Gesundheitserziehung
- Methodische Ansätze im Schulsport (Salutogenese und Diätetik)
- Die Rolle des Sportlehrers bei der Vermittlung gesundheitsrelevanter Kompetenzen
- Praktische Umsetzung in einer Sportstunde für Grundschüler
- Bedeutung der Körperwahrnehmung und Reflexion im Sportunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 Was lässt Menschen gesund bleiben?
ANTONOVSKY sehe die Grundlage dauerhaften Gesundbleibens zum einen im Vorhandensein generalisierter Widerstandsquellen, vor allem aber im Ausprägungsgrad des Kohärenzsinns der Menschen. Das zentrale Element dieses Sinns sei laut BRODTMANN die tiefreichende Überzeugung von der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens; sie werde durch ein generelles Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zum Begreifen und zum Zurechtkommen angesichts noch nicht im einzelnen abzusehender künftiger Anforderungen gestützt (ebd.).
Im Zuge der weiteren Entfaltung der salutogenetischen Fragestellung seien in der Folge zahlreiche weitere Schutzfaktoren für Gesundheit entdeckt worden, die als personale Ressourcen bezeichnet werden. Bei diesen personalen Ressourcen handele es sich um Persönlichkeitseigenschaften, die im Aufgabenhorizont von Erziehung und Unterricht Berücksichtigung finden müssten (ebd.). Zu diesen Schutzfaktoren, zu denen vor allem die Überzeugung des Menschen von der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens und Tuns sowie die Gewissheit eines Menschen zähle, sozial eingebunden zu sein und auf soziale Unterstützung vertrauen zu können, gehört laut BRODTMANN:
- „die Überzeugung, angesichts wichtiger wichtiger Lebensereignisse Kontrolle behalten zu können,
- eine optimistische Grundeinstellung,
- eine generelle Einstellung, Veränderungen im Leben als Herausforderungen zu sehen,
- die Erwartung, dank der verfügbaren Kompetenzen selbst wirksam werden zu können,
- eine grundsätzliche Offenheit für Neues,
- die Bereitschaft, eigene Ziele zu verfolgen,
- die Bereitschaft, sich zu engagieren,
- soziale Beziehungsfähigkeit.“ (1998, S. 416)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definitionen: Erläutert die theoretischen Begrifflichkeiten von Gesundheit als Balancezustand und Gesundheitserziehung als pädagogisches Handlungsfeld.
2 Gesundheitserziehung im Schulsport: Diskutiert die Aufgaben, Ziele und Relevanz der Gesundheitserziehung im schulischen Kontext sowie die speziellen Wahrnehmungen von Kindern.
3 Salutogenese: Stellt den Paradigmenwechsel weg von der reinen Krankheitsvermeidung hin zur Stärkung von Schutzfaktoren und personalen Ressourcen dar.
4 Diätetik: Führt das antike Konzept der präventiven Gesundheitslehre als Modell für eine gesunde Lebensführung und deren Anwendung im Sport ein.
5 Praxisbeispiel zur Gesundheitserziehung: Veranschaulicht anhand einer konkreten Sportstunde, wie theoretische Ansätze in die Praxis umgesetzt werden können.
6 Einbindung des Praxisbeispiels in die Theorie sowie eine kurze Schlussbemerkung: Reflektiert den Bezug zwischen Theorie und Praxis und zieht ein abschließendes Fazit zur Bedeutung im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Gesundheitserziehung, Schulsport, Salutogenese, Diätetik, Bewegungsaktivität, Prävention, Gesundheitsverständnis, ganzheitlicher Ansatz, Kohärenzsinn, Schutzfaktoren, Körperwahrnehmung, Pädagogik, Wohlbefinden, Gesundheitsförderung, Lebensstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle des Sportunterrichts bei der Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch eine gesundheitserzieherische Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die theoretische Fundierung (Gesundheitsbegriffe, Salutogenese, Diätetik) und die praktische Anwendung in einer Sportstunde.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch ganzheitlichen Sportunterricht Schüler zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit ihrer eigenen Gesundheit befähigen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Verwendung?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse aktueller sportpädagogischer Ansätze, ergänzt durch einen reflexiven Praxisentwurf.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Gesundheitserziehung in der Schule definiert ist, welche Rolle die Salutogenese und Diätetik spielen und wie Sport dazu beitragen kann, gesundheitsrelevante Ressourcen zu stärken.
Welche Keywords beschreiben die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Gesundheitserziehung, Schulsport, Salutogenese, Diätetik und gesundheitsbewusste Lebensführung.
Warum ist laut der Arbeit das "Knochenspiel" pädagogisch wertvoll?
Das Knochenspiel fördert durch physische Enge und soziale Interaktion das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Koordination und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitschülern.
Welche Rolle spielt die Reflexion am Ende einer Sportstunde?
Die Reflexion dient dazu, das Erlebte zu verarbeiten, physiologische Zusammenhänge wie Pulsschlag zu verstehen und ein Bewusstsein für den eigenen Körper und gesunde Lebensführung zu entwickeln.
- Quote paper
- Stefan Janssen (Author), 2002, Definitionen von Gesundheit und der Einsatz von Gesundheitserziehung im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83838