Vorwort:
Nahezu alle Jugendliche und Erwachsene haben persönliche Erfahrungen, wie es ist, bewusst oder unbewusst zu bestrafen oder bestraft zu werden. Ein jeder Mensch hat im Verlauf seiner Kindheit eine mehr oder weniger intensive Erfahrung mit Strafe erlebt oder miterlebt, sei es beispielsweise im Elternhaus oder in der Schule.
Doch wie verhält es sich, wenn das eigene Kind auf die Welt kommt? In den meisten Fällen treten früher oder später Erziehungsschwierigkeiten auf und das Verhalten des Kindes steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Eltern wünschen sich, dass sich das Verhalten des Kindes ändert. Aber wie ist das zu erreichen? Auf den ersten Blick scheint gerade das Strafen der natürlichen Zuneigung der Eltern zu ihrem Kind zu widersprechen. Doch ist eine Erziehung ganz ohne Strafen möglich?
Aufgrund meiner eigenen Erfahrung mit dem Thema Strafe und vor allem auch durch die Geburt meiner Tochter, die mir die Brisanz des Themas noch näher gebracht hat, habe ich mich für das Thema: „Sollte / muss ein Erzieher / eine Erzieherin unter Umständen auch strafen? Und wenn ja, wie? Welche Grenzen sind hierbei zu beachten?“ entschieden.
Die Strafe ist die heikelste Arbeit im Bereich des pädagogischen Handelns. Die Thematik der Erziehungsstrafe ist so alt wie die Erziehung, das heißt so alt wie die Menschheit selbst. In jeder Epoche unsere Zeit hat sich die Menschheit mit der Strafe auseinandergesetzt und so wird sie auch heute noch im 21. Jahrhundert häufig diskutiert und nach einer „allgemeinen“ Lösung zur Erziehung gesucht.
Welche Rolle die Strafe in der Erziehung hat und welche Bedeutung ihr als Erziehungsmittel beigemessen wird, werden zentrale Momente dieser Arbeit sein. Zunächst werden die Begriffe „Erziehungsmittel“ und „Strafe“ definiert um somit zu verdeutlichen, wie Strafe als Erziehungsmittel in die Erziehung einzuordnen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Erziehungsmittel und Strafe
2.1 Was sind Erziehungsmittel?
2.2 Der pädagogische Begriff der Strafe
3. Sollte oder muss ein Erzieher unter Umständen auch strafen?
3.1 Der Erzieher und die Strafe
3.2 Kritik und Folgen der Strafe
3.3 Grenzen der Strafe am Beispiel der Prügelstrafe
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Berechtigung von Strafe als Erziehungsmittel. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, ob und unter welchen Umständen ein Erzieher strafen sollte oder muss, und welche pädagogischen Grenzen dabei einzuhalten sind, um das Kindeswohl nicht zu gefährden.
- Definition und Einordnung von Erziehungsmitteln und dem pädagogischen Strafbegriff.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Position des Erziehenden im Strafkontext.
- Analyse der negativen psychischen und sozialen Folgen von unangemessenen Strafen.
- Diskussion über natürliche Konsequenzen als pädagogisch sinnvolle Alternative.
Auszug aus dem Buch
3.1.Der Erzieher und die Strafe
Der Gedanke eine Erziehung ohne Strafe ist richtungsweisend und sollte von jedem Erzieher das mögliche Ziel sein.
Gewöhnlich steht der Erzieher der Strafe mit besonderer Unsicherheit gegenüber. Doch der Gedanke, dass die Strafe aus der Erziehung völlig zu eliminieren sei, ist unrealistisch, weil sich der Tatbestand Strafe in der Erziehung weder genau definieren noch abgrenzen lässt. (vgl. Scheibe, 1972, S.292)
Um eine mögliche Antwort auf die Frage, ob ein Erzieher strafen muss oder nicht, zu bekommen, wird die Position des Erziehers verdeutlicht und in den Kontext der Erziehung gesetzt.
Die Strafe als solches geschieht nicht von selbst, sie ist intentional und gehört zum erzieherischen Handeln. „Ihre Absicht und ihre Wirkung sind auf das engste mit dem Erzieher verbunden.“ (Scheibe, 1972 ,S. 299)
Ob im Einzelfall überhaupt gestraft wird oder ob der Erzieher „Gnade vor Recht“ gelten lässt, liegt einzig in der Beurteilung und Bestimmung des Erziehers. Die Erziehungsstrafe hat keine Bestimmungen sondern nur die freie Wahl des Erziehers. Das heißt die volle Verantwortlichkeit, wie er das Vorkommnis behandelt liegt bei ihm selbst. Er steht selbst vor der schwierigen Aufgabe der Feststellung, der Erklärung und der Beurteilung des Fehlverhaltens. Die Strafe ist ein komplexes Strafgeschehen, das er zu überblicken und zu verantworten hat.
Wobei der Erzieher selbst auch nur strafen darf, wenn er selbst keine Verfehlungen begangen hat. (vgl.Stückelberger, 1954, S.76) So kann ein Erzieher, der selbst Raucher ist, nicht einen Jugendlichen, der beim Rauchen einer Zigarette erwischt wurde, den Jugendlichen dafür Strafen. Dort müssen vom Erzieher andere, aber nicht strafende Erziehungsmittel und Wege gefunden werden, um den Jugendlichen zum Nichtrauchen zu bewegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Einleitung beleuchtet die persönliche Motivation der Autorin und stellt das Thema Strafe in den Kontext historischer sowie aktueller erzieherischer Debatten.
2. Erziehungsmittel und Strafe: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Pädagogik und grenzt positive Erziehungsmittel von negativen wie der Strafe ab.
3. Sollte oder muss ein Erzieher unter Umständen auch strafen?: Dieser Hauptteil analysiert die Verantwortung des Erziehenden, kritisiert mögliche schädliche Folgen von Strafmaßnahmen und diskutiert die Bedeutung natürlicher Konsequenzen.
4. Zusammenfassung: Die Autorin fasst ihre Erkenntnisse zusammen und plädiert für ein erzieherisches Ideal, das Strafe nur als seltene Ausnahme vorsieht und den Fokus auf emotionale Zuwendung und logische Konsequenzen legt.
Schlüsselwörter
Erziehung, Strafe, Erziehungsmittel, Pädagogik, Kindeswohl, Körperliche Strafe, Natürliche Konsequenzen, Erzieher-Kind-Bindung, Gewaltfreie Erziehung, Fehlverhalten, Erziehungsmaßnahme, Persönlichkeitsentwicklung, Machtposition, Autorität, Pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle und Notwendigkeit von Strafen innerhalb der Erziehung von Kindern und Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit beleuchtet Definitionen von Erziehungsmitteln, die moralische Verantwortung des Erziehers, die negativen Auswirkungen von Strafmaßnahmen sowie den Ansatz der natürlichen Konsequenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob ein Erzieher unter Umständen strafen muss und wie dies mit pädagogischer Verantwortung vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener pädagogischer Fachquellen, die im Kontext der Erziehungspraxis reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Position des Erziehers, die psychologischen Folgen von Strafen, die Grenzen pädagogischer Gewalt und das Konzept natürlicher Strafen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erziehungsmittel, Strafe, Kindeswohl, natürliche Konsequenzen und erzieherische Verantwortung.
Warum ist das Thema "Prügelstrafe" ein spezieller Fokus?
Es dient als abschreckendes Beispiel für die Grenzüberschreitung pädagogischen Handelns, da physische Gewalt laut der Autorin keine Erziehung ermöglicht.
Wie steht die Autorin zum straflosen Erziehen?
Die Autorin betrachtet strafloses Erziehen als ein anzustrebendes Ideal, betont jedoch, dass dies nicht mit Grenz- oder Konsequenzlosigkeit gleichzusetzen ist.
- Quote paper
- Nadine Schlimper (Author), 2007, Sollte oder muss ein Erzieher unter Umständen auch strafen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83653