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Die Bedeutung des Benediktinerordens für die Entwicklung der deutschen Volkssprache und Literatur

Title: Die Bedeutung des Benediktinerordens für die Entwicklung der deutschen Volkssprache und Literatur

Seminar Paper , 1999 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: M.A. Sven Stemmer (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Die Entwicklung von Sprache und Literatur muß stets von ihren geschichtlichen Voraussetzungen her verstanden werden. Ihr gesellschaftlicher Rang und Platz zu den verschiedenen Zeiten muß sichtbar gemacht werden. Für die Entwicklung der Volkssprachen des christlichen Abendlandes in der frühen Phase ist der Benediktinerorden von grundlegender Bedeutung.
Man bediente sich der Klöster um Territorien zu erschließen, um die Agrarwirtschaft zu strukturieren, zur Verwaltung und zur Friedenssicherung usw. und als Orte des gelehrten Wissens. Dieses politische und administrative Gewicht, welches ihnen zukam, nutzten sie um ihren religiösen und moralischen Vorstellungen Geltung zu verschaffen. Die Klöster waren, gerade durch die Regel des heiligen Benedikt, in der Lage die Grundlagen zur Entwicklung eines Bildungssystems zu schaffen. Sie bauten Dieses auf, und schufen einen Bedarf an volkssprachlicher Literatur, den sie auch selber deckten.
Um dieser gewaltigen Aufgabe gerecht zu werden, war die devote Haltung der Benediktiner, die die Demut bis zur Selbstaufgabe forderte, ihre Verpflichtung zur körperlichen und auch geistigen Arbeit und ihr geregelter Tagesablauf, der die notwendigen Energien zur Bewältigung dieser Arbeitsleistung freisetzte von großer, wenn nicht entscheidender Bedeutung.
Die Grundlagen für eine volkssprachliche Literatur bis zum Ende der Salierzeit sind fast ausschließlich durch die Abteien des Benediktinerordens geschaffen worden. Sie sind erfüllt von den Idealen dieser Gemeinschaft. Alle folgenden Entwicklungen bauen auf diesen Voraussetzungen auf. Auch die Rezeption neuer Texte, beispielsweise Französischer und Arabischer geschieht vor dem Hintergrund dieser Vorprägung. Daher ist der Zeitraum von den ersten Verschriftlichungen im 8. Jh. bis etwa 1125 nicht einfach als christlich sondern als benediktinisch dominiert zu verstehen. In darauf folgenden Zeit schwindet diese Dominanz in dem Maße, wie der Orden an Gewicht verliert und andere geistige und literarische Strömungen aufkommen. Da diese jedoch nicht isoliert von der Vorarbeit entstehen, läßt sich der benediktinische Einfluß auch dort mit schwindender Tendenz nachweisen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Thesen

2. Gesellschaftliche Voraussetzungen

3. Verschriftlichung der Volkssprache

4. Energetische Grundlagen

5. Einfluß auf höfische Vorstellungen

6. Fragen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die fundamentale Bedeutung des Benediktinerordens für die Genese und Ausgestaltung der deutschen Volkssprache sowie der mittelalterlichen Literatur bis zum Ende der Salierzeit und analysiert, inwieweit benediktinische Lebens- und Denkweisen als Basis für nachfolgende kulturelle Entwicklungen fungierten.

  • Die Rolle der Klöster als soziopolitische Machtzentren und Bildungsinstitutionen.
  • Die benediktinische Regel als Basis für die Entwicklung eines Systems zur Verschriftlichung der Volkssprache.
  • Untersuchung des Konzepts der benediktinischen Abtei als energetische Quelle für kulturelle und literarische Prozesse.
  • Der Einfluss klösterlicher Disziplin- und Erziehungsvorstellungen auf die höfische Kultur.
  • Die Wechselwirkung zwischen klösterlicher Devotion und der Entstehung volkssprachlicher Literatur.

Auszug aus dem Buch

4. Energetische Grundlagen

„O glücklichster Leser, wasche Deine Hände und fasse so das Buch an, drehe die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der, der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, daß dies eine Arbeit sei. O wie schwer ist das Schreiben: es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, der ganze Körper leidet.“

Wenn man die Leistungen der Kulturschaffenden des Mittelalters betrachtet, ist es sehr verwunderlich, daß niemand fragt, woher diese Menschen die Energie nehmen um so etwas zu vollbringen. Es ist eben nicht üblich nach der Energiequelle für geistige Prozesse zu fragen, da dies keine geisteswissenschaftliche Frage zu sein scheint. Geht man aber davon aus, daß es auch in kulturellen Systemen Kreisläufe gibt, in denen Informationen produziert, konsumiert und letztlich auch wieder reduziert werden, bedarf es einer Energiequelle, um diese Kreisläufe aufzubauen, und in Gang zu halten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Thesen: Einführung in die zentrale Annahme, dass der Benediktinerorden als grundlegende Kraft hinter der frühen Entwicklung von Sprache und Literatur im christlichen Abendland stand.

2. Gesellschaftliche Voraussetzungen: Analyse der politischen und administrativen Macht der Klöster sowie ihrer Funktion als Bildungszentren und Stützen der mittelalterlichen Herrschaftsstruktur.

3. Verschriftlichung der Volkssprache: Untersuchung der frühen Sprachdokumente und des Einflusses klösterlicher Schreibkonventionen sowie der Rolle bedeutender Persönlichkeiten wie Notker Labeo.

4. Energetische Grundlagen: Erörterung der klösterlichen Lebensweise, Arbeit und Liturgie als notwendige „Energiequelle“ und logistische Basis für den literarischen Betrieb des Mittelalters.

5. Einfluß auf höfische Vorstellungen: Darstellung, wie klösterliche Ideale von Disziplin und Schicklichkeit die Erziehung und das Idealbild des höfischen Lebens maßgeblich prägten.

6. Fragen: Reflexion über die langfristigen Auswirkungen der benediktinischen Prägung auf spätere literarische Strömungen und das Minnekonzept.

Schlüsselwörter

Benediktinerorden, Mittelalter, deutsche Literatur, Volkssprache, Klosterkultur, Frühmittelalter, Bildungsreform, höfische Kultur, Demut, Liturgie, Schreibkultur, Hirsau, karolingische Zeit, Geistesgeschichte, Disziplinierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle des Benediktinerordens bei der Entwicklung der deutschen Volkssprache und Literatur sowie dessen tiefgreifenden Einfluss auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben im Mittelalter.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf den gesellschaftlichen Voraussetzungen der Klosterkultur, der Herausbildung der Verschriftlichung, der energetischen Basis der klösterlichen Arbeitsproduktivität sowie dem Transfer klösterlicher Ideale in die höfische Welt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, den Benediktinerorden nicht nur als religiöse Institution, sondern als unverzichtbaren „Maschinenraum“ des frühen Mittelalters zu identifizieren, der die Grundlagen für die spätere literarische und kulturelle Entwicklung schuf.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Untersuchung verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der kulturwissenschaftliche, historische und literaturhistorische Perspektiven vereint, um die Entwicklung von Sprache als Ergebnis geschichtlicher Rahmenbedingungen zu begreifen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der politischen Rolle der Klöster, die Anfänge der Verschriftlichung, das Konzept der „energetischen Grundlagen“ der Klosterarbeit sowie die Wirkung klösterlicher Erziehungslehren auf den höfischen Adel.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind benediktinische Regel, Disziplinierung, Volkssprache, hövescheit, klösterliche Reformen und die Rolle der Schriftkultur.

Inwiefern hat die Klosterregel die Arbeitsproduktivität beeinflusst?

Durch die enge Verzahnung von körperlicher Arbeit, Liturgie und der spirituellen Stufe der Demut wurde ein hocheffizientes System geschaffen, das die für den Literaturbetrieb nötigen Leistungen erst ermöglichte.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen klösterlicher Bildung und höfischer Erziehung?

Die Arbeit legt dar, dass didaktische Werke von Geistlichen die Grundlagen für das höfische Ideal von „Zuht und vuoge“ lieferten und dass die höfische Literatur auf dem Fundament dieser benediktinisch geprägten Wertvorstellungen entstand.

Was bedeutet das „Memento Mori“ im Kontext der Hirsauer Reform?

Das Werk wird in der Arbeit nicht bloß als Jenseitswarnung, sondern als Anleitung zum richtigen Leben im Diesseits gedeutet, was die geistige Ausstrahlungskraft Hirsaus auf den Laienadel unterstreicht.

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Details

Title
Die Bedeutung des Benediktinerordens für die Entwicklung der deutschen Volkssprache und Literatur
College
Bielefeld University  (Fakultät für Literatur und Linguistik)
Course
Seminar
Grade
2,0
Author
M.A. Sven Stemmer (Author)
Publication Year
1999
Pages
14
Catalog Number
V82485
ISBN (eBook)
9783638853248
ISBN (Book)
9783638927918
Language
German
Tags
Bedeutung Benediktinerordens Entwicklung Volkssprache Literatur Seminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Sven Stemmer (Author), 1999, Die Bedeutung des Benediktinerordens für die Entwicklung der deutschen Volkssprache und Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82485
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