Wolfgang Eckart hat ein bemerkenswertes Buch der Medizingeschichte vorgelegt.
Insgesamt kann der medizinsoziologische Zusammenhang von Gesellschaft und Gesundheit auf dem Hintergrund der sozialen Konstruktion (Peter L. Berger/Thomas Luckmann) medizinischer Wirklichkeiten außerordentlich gut studiert werden. Insofern ist das Werk auch für Sozialwissenschaftler, insbesondere Gesundheits- und Medizinsoziologen, zu empfehlen.
Hochschuldidaktisch ist es dem Autor in besonderer Weise gelungen, das Projekt Medizin in seiner Entwicklungsgeschichte informativ wie anregend zu vermitteln; auf dem Hintergrund sowohl medizinischer Fakten wie auf dem soziologischen Hintergrund medizingeschichtlich relevanter Denkhaltungen, Grundkonzepte, Leitlinien und sozialer Bewegungen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die frühen Anfänge
- Mittelalter
- Aufklärung
- Grundlagen und Hauptlinien mit der technisch-industriellen Revolution
- Bestimmende Faktoren wie Hygiene, Bakteriologie
- Sozialmedizinische Neuorientierung
- Entwicklung eines neuen Krankenhaustypus mit großen Krankenanstalten
- Einfluss der Naturwissenschaft mit der Anwendung physikalischer und chemischer Untersuchungsmethoden (einschließlich der Einflüsse der Biologie)
- Alternative Heilmethoden
- Medizin im 20. Jahrhundert
- Neue diagnostische und therapeutische Methoden werden aufgezeigt:
- Weiterentwicklung der Röntgentechnik
- elektrographische Methoden (EKG)
- schalldiagnostische Verfahren
- Herzkatheterisierung
- genetische Diagnostik
- Hirn-, Thorax-, Herz-, Transplantations- und prothetische Chirurgie
- Transplantationsmedizin mit Nieren, Leber und Herz
- Karzinomdiagnostik und -therapie
- Hormontherapie und Fertilisationstechniken mit In-vitro-Fertilisation bei unerfülltem Kinderwunsch
- Ferner kommen psychotherapeutische Konzepte zur Sprache:
- Psychoanalyse Sigmund Freuds
- Individualpsychologie Alfred Adlers
- Analytische Psychologie bei Gustav Jungs
- Charakter-Struktur-Theorie Wilhelm Reichs
- Behaviorismus mit den Verhaltenstherapien.
- Sozialhygiene und internationale Organisationen
- Die Interdisziplinarität der Medizin
- Die Entwicklung von Krankheitskonzepten und Behandlungsmethoden
- Die Bedeutung von Sozialhygiene und öffentlicher Gesundheitspflege
- Die Rolle von wissenschaftlichen Erkenntnissen und technologischen Innovationen
- Der Einfluss von gesellschaftlichen Strömungen und Ideologien auf die Medizin
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Wolfgang Eckarts „Geschichte der Medizin“ analysiert die Entwicklung der Medizin von den frühen Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Das Buch beleuchtet den medizinischen Fortschritt im Kontext von gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Entwicklungen.
Zusammenfassung der Kapitel
Die ersten Kapitel des Buches befassen sich mit den frühen Anfängen der Medizin in verschiedenen alten Hochkulturen, von der ägyptischen Heilkunde bis zur griechischen und römischen Antike. Eckart beleuchtet magisch-animistische Krankheitskonzepte und die Entwicklung der hippokratischen Medizin. Die Kapitel über das Mittelalter schildern die Rezeption antiker Heilkunst in der byzantinischen Medizin, die persisch-arabisch-islamische Heilkunst und die Rolle des christlichen Hospitals. Die Entwicklung der ärztlichen Botanik und Zoologie, die anatomischen Studien von Andreas Vesalius und die Neuerungen der Chirurgie und Geburtshilfe im Kontext der Renaissance werden ebenfalls behandelt. In den Kapiteln über die Aufklärung erörtert Eckart die Überwindung alter Autoritäten und den Aufstieg der experimentell-physiologischen Medizin. Er analysiert die Grundlegung der klinischen Medizin im 18. Jahrhundert, den Einfluss des aufgeklärten Absolutismus und die Entwicklung eines öffentlichen Gesundheitswesens im Dienste des Staates. Die Medizin des 19. Jahrhunderts wird im Kontext der technisch-industriellen Revolution und der Entwicklung eines neuen Krankenhaustypus mit großen Krankenanstalten beleuchtet. Eckart widmet ein Kapitel der Entwicklung alternativer Heilmethoden wie der Homöopathie und der Naturheilbewegung. Er analysiert die verschiedenen Strömungen der Außenseitermedizin im Kontext sozialer Bewegungen wie dem Antialkoholismus, der Gymnastik, dem Vegetarismus und der Frauenbewegung. Das letzte Kapitel des Buches befasst sich mit der Medizin im 20. Jahrhundert. Eckart beleuchtet die Bedeutung internationaler Gesundheits- und Hilfsorganisationen und untersucht die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Methoden. Er analysiert die Rolle von Leitwissenschaften und Leitideologien, die Bedeutung von Sozialhygiene und die Einflüsse der nationalsozialistischen Diktatur auf die Medizin.
Schlüsselwörter
Medizingeschichte, Krankheitskonzepte, Behandlungsmethoden, Sozialhygiene, öffentliche Gesundheitspflege, technologische Innovationen, wissenschaftliche Erkenntnisse, gesellschaftliche Strömungen, Ideologien, Homöopathie, Naturheilbewegung, Internationale Organisationen, Rassenideologie, Psychotherapie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Besondere an Wolfgang Eckarts "Geschichte der Medizin"?
Das Werk verknüpft medizinische Fakten mit soziologischen Hintergründen und der sozialen Konstruktion medizinischer Wirklichkeiten.
Wie entwickelte sich das Krankenhauswesen im 19. Jahrhundert?
Im Zuge der technisch-industriellen Revolution entstanden große Krankenanstalten, die durch Hygiene, Bakteriologie und naturwissenschaftliche Methoden geprägt waren.
Welche Rolle spielten alternative Heilmethoden?
Eckart beleuchtet Strömungen wie Homöopathie und Naturheilkunde im Kontext von sozialen Bewegungen wie dem Vegetarismus oder der Frauenbewegung.
Welche diagnostischen Fortschritte gab es im 20. Jahrhundert?
Nennenswert sind die Weiterentwicklung der Röntgentechnik, das EKG, Ultraschallverfahren sowie die Herzkatheterisierung.
Thematisiert das Buch auch psychotherapeutische Konzepte?
Ja, es werden unter anderem die Psychoanalyse Freuds, die Individualpsychologie Adlers und behavioristische Verhaltenstherapien behandelt.
Warum ist das Werk für Sozialwissenschaftler relevant?
Es zeigt auf, wie Gesundheit und Krankheit stets im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Denkhaltungen und Machtstrukturen stehen.
- Quote paper
- Bernhard Mann (Author), 2003, Medizin zwischen Naturwissenschaften, Philosophie und Soziologie - Wolfgang U. Eckarts Geschichte der Medizin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82261