„Die Bilanz ist ein Geschäftsbericht in Zahlen, ein Bericht, der mit Willen und Wissen des Berichtserstatters gefärbt, geschönt, frisiert sein kann, wichtige wirtschaftliche Verhältnisse verdecken, verheimlichen, verschleiern, die Vermögensverhältnisse falsch darstellen kann oder fälscht“ schreibt Friedrich Leitner im Jahre 1929 in seinem Buch „Bilanztechnik und Bilanzkritik“. Heute findet man in der Literatur vergleichbare Aussagen, die häufig mit Begriffen „Bilanzpolitik“, „Bilanzlifting“ oder „Windowdressing“ betitelt werden.
Auf der anderen Seite sind Kreditinstitute laut Gesetz über das Kreditwesen (KWG) ab einer bestimmten Kreditsumme von 750.000 EUR verpflichtet, sich die wirtschaftlichen Verhältnisse anhand des Jahresabschlusses des Kreditnehmers offen legen zu lassen, um somit Informationen über die gegenwärtige und künftige Lage des Kreditnehmers zu gewinnen.
Aus dieser Problematik stellt sich die Frage, welche Aussagekraft der Jahresabschluss und die daraus resultierende Analyse haben können.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 1.1 Problemstellung
- 1.2 Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit
- 1.3 Definitionen
- 2 Bilanz und Bilanzanalyse
- 2.1 Adressaten der Bilanz
- 2.1.1 Anteilseigner, Gesellschafter und potentielle Anleger
- 2.1.2 Kreditgeber und Lieferanten
- 2.1.3 Arbeitnehmer und Gewerkschaften
- 2.1.4 Kunden
- 2.2 Zielsetzung der Bilanzanalyse
- 3 Methodik der Bilanzanalyse
- 3.1 Analyseziele
- 3.2 Methodenauswahl
- 4 Aussagefähigkeit und Grenzen der Bilanzanalyse
- 4.1 Mangelhaftigkeit der Informationsquelle Jahresabschluss
- 4.2 Vergangenheitsbezogenheit
- 4.3 Stichtagsbezogenheit
- 4.4 Verzerrung durch Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
- 4.5 Verfälschung durch bilanzpolitische Maßnahmen
- 5 Kritische Würdigung
- 6 Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der externen Bilanzanalyse und analysiert die Möglichkeiten und Grenzen dieses Instruments der Unternehmensbeurteilung. Die Arbeit untersucht insbesondere die Aussagekraft der Bilanzanalyse in Bezug auf die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens und beleuchtet die Limitationen der Jahresabschlussanalyse.
- Adressaten der Bilanz und ihre Interessen
- Zielsetzung und Methodik der Bilanzanalyse
- Aussagefähigkeit und Grenzen der Bilanzanalyse
- Verzerrungspotenziale durch Bilanzpolitik
- Kritische Würdigung der Bilanzanalyse
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problemstellung der Bilanzanalyse dar, die aus der Diskrepanz zwischen der Notwendigkeit einer objektiven Unternehmensbeurteilung und der Manipulierbarkeit von Bilanzinformationen resultiert. Die Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit werden definiert, die sich auf die Bilanzanalyse nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches konzentriert. Definitionen wichtiger Begriffe wie Bilanz im engeren und weiteren Sinne sowie Bilanzanalyse werden erläutert.
Kapitel 2 beleuchtet die Adressaten der Bilanz, die unterschiedliche Interessen an den Informationen des Jahresabschlusses haben. Die Zielsetzung der Bilanzanalyse wird im Hinblick auf die Gewinnung von Erkenntnissen über Finanz- und Ertragslage des Unternehmens dargestellt.
Kapitel 3 behandelt die Methodik der Bilanzanalyse, die verschiedene Analyseziele und Methoden zur Auswertung von Bilanzinformationen beinhaltet.
Kapitel 4 analysiert die Aussagefähigkeit und Grenzen der Bilanzanalyse. Die mangelhafte Informationsqualität des Jahresabschlusses, die Vergangenheitsbezogenheit, die Stichtagsbezogenheit und die Verzerrungsmöglichkeiten durch bilanzpolitische Maßnahmen werden als wichtige Limitationen der Bilanzanalyse identifiziert.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter dieser Arbeit sind Bilanzanalyse, Jahresabschluss, Unternehmensbeurteilung, Aussagefähigkeit, Grenzen, Bilanzpolitik, Adressaten, Methodik, Handelsgesetzbuch.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Grenzen der externen Bilanzanalyse?
Die Analyse ist durch die Vergangenheitsbezogenheit der Daten, die Stichtagsbezogenheit der Bilanz und die Möglichkeiten der Bilanzpolitik (z. B. Windowdressing) in ihrer Aussagekraft begrenzt.
Warum sind Banken zur Bilanzanalyse verpflichtet?
Laut Kreditwesengesetz (KWG) müssen Kreditinstitute ab einer Kreditsumme von 750.000 EUR die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers anhand des Jahresabschlusses prüfen.
Was versteht man unter „Bilanzpolitik“?
Bilanzpolitik umfasst alle Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen den Jahresabschluss im Rahmen der gesetzlichen Wahlrechte bewusst gestaltet, um die Darstellung der Ertrags- oder Vermögenslage zu beeinflussen.
Wer sind die Adressaten einer Bilanz?
Zu den Adressaten gehören Anteilseigner, potenzielle Anleger, Kreditgeber, Lieferanten, Arbeitnehmer, Gewerkschaften sowie Kunden und das Finanzamt.
Wie verzerren die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) das Bild?
Vorsichtsprinzipien wie das Imparitätsprinzip führen oft dazu, dass Vermögenswerte eher zu niedrig und Schulden eher zu hoch ausgewiesen werden (stille Reserven), was die tatsächliche wirtschaftliche Lage verschleiern kann.
- Quote paper
- Florian Ogrzewalla (Author), 2007, Möglichkeiten und Grenzen der externen Bilanzanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82037