1. Einleitung
„Tut uns Leid, du bist nicht wie wir.
Du bist irgendwie anders.
Du gehörst nicht dazu.“
(Cave & Riddel, 1994)
Dieses aus dem Textbilderbuch „Irgendwie Anders“ entnommene Zitat spiegelt die Problematik der Minderheiten beziehungsweise der Außenseiter in unserer Gesellschaft wider. Sie werden ausgegrenzt, da sie „irgendwie anders“ sind und nicht dazu gehören.
Zahlreiche Staaten haben verfassungs- und völkerrechtliche Bestimmungen erlassen, die dem Schutz der in diesen Ländern lebenden Minderheiten dienen sollen. Dieser so genannte Minderheitenschutz ist im deutschen Recht durch den Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz und dem Diskriminierungsverbot in Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz begründet.
Die Literatur, die "stets Ausnahmefälle [behandelt]“ (Mayer, 2007), hat sich dieser Außenseiterthematik ebenfalls angenommen. Zu den wohl bekanntesten Außenseitergestalten der Weltliteratur zählen Don Quijote de la Mancha, Shylock, Doktor Faustus und Prinz Hamlet.
Aber auch in der Kinder- und Jugendliteratur gewinnt das realistisch-zeitgemäße Problembuch, das sich mit Themen wie Sexualität, Umweltschutz, Drogensucht, Behinderung, Außenseitertum und Jugendarbeitslosigkeit beschäftigt, zunehmend an Bedeutung. Den Kindern und Jugendlichen wird anhand dieser Literatur die Möglichkeit eröffnet, sich kritisch mit diesen Themen auseinander zu setzen und einen Einblick in die entsprechende Problematik zu erhalten.
Nach einer Einführung in die Thematik der problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur werde ich darstellen, welche Bedeutung der literarischen Auseinandersetzung mit der Außenseiterproblematik für die kindlichen und jugendlichen Rezipienten zukommt. Im Anschluss daran folgt eine Gegenüberstellung der negativen und positiven Außenseitergestalten in der Kinder- und Jugendliteratur. Die Wirkung dieser literarischen Figuren auf Kinder und Jugendliche werde ich anschließend verdeutlichen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den gewonnen Erkenntnissen sowie ein Resümee schließen die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur
3. Außenseiter als Thema der Kinder- und Jugendliteratur
3.1 Negative Außenseitergestalten
3.1.1 Ethnische Minderheiten
3.1.2 Soziale Minderheiten
3.1.3 Neue in einer Gruppe
3.2 Pippi Langstrumpf – eine positive Außenseitergestalt
4. Wirkung der Außenseitergestalten auf Kinder und Jugendliche
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Darstellung und Wirkung von Außenseitergestalten in der Kinder- und Jugendliteratur, um aufzuzeigen, wie diese literarischen Figuren Kindern und Jugendlichen als Orientierungshilfe dienen und zur Reflexion über gesellschaftliche Normen anregen können.
- Charakteristika der problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur
- Differenzierung zwischen negativen und positiven Außenseitergestalten
- Analyse der Wirkung literarischer Figuren auf die Identitätsfindung von Rezipienten
- Bedeutung von Literatur als Mittel gegen Vorurteile und Ausgrenzung
- Die Rolle der sozialen Integration in der Kinder- und Jugendliteratur
Auszug aus dem Buch
Pippi Langstrumpf – eine positive Außenseitergestalt
Die neunjährige Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstocher Langstrumpf, kurz Pippi Langstrumpf genannt, lebt am Rande einer kleinen Stadt in einem alten Haus mit einem verwahrlosten Garten: der Villa Kunterbunt. Ihre Mutter starb, als Pippi „noch ganz klein war“ und ihr Vater, Kapitän Efraim Langstrumpf, kenterte bei einem Sturm mit seinem Schiff. Jedoch ist Pippi der festen Überzeugung, dass er den Schiffbruch überlebt hat und auf einer Insel als König der Neger regiert. Herr Nilsson, eine kleine Meerkatze mit blauen Hosen, gelber Jacke und einem weißen Strohhut, und ein Pferd, das in Lindgrens Werken keinen Namen besitzt, leben mit Pippi zusammen in der Villa Kunterbunt. Seit Pippi in die Villa Kunterbunt eingezogen ist, gibt es auch für die beiden Nachbarskinder Thomas und Annika keine Langeweile mehr. Sie bestreiten mit Pippi ein Abenteuer nach dem anderen.
Pippi Langstrumpf ist eine Außenseiterin, wie sie im Buche steht. Sie widerspricht in allem den gesellschaftlichen Normen und Regeln. Bereits die Beschreibung ihres Aussehens zeigt, dass Pippi nicht so ist wie andere Kinder: „Ihr Haar hatte dieselbe Farbe wie eine Möhre und war in zwei feste Zöpfe geflochten, die vom Kopf abstanden. Ihre Nase hatte dieselbe Form wie eine ganz kleine Kartoffel und war völlig von Sommersprossen übersät. Unter der Nase saß ein wirklich riesig breiter Mund mit gesunden weißen Zähnen. Ihr Kleid war sehr komisch. Pippi hatte es selbst genäht. Es war wunderschön gelb; aber weil der Stoff nicht gereicht hatte, war es zu kurz, und so guckte eine blaue Hose mit weißen Punkten darunter hervor. An ihren langen dünnen Beinen hatte sie ein Paar lange Strümpfe, einen geringelten und einen schwarzen. Und dann trug sie ein Paar schwarze Schuhe, die genau doppelt so groß waren wie ihre Füße. Die Schuhe hatte ihr Vater in Südamerika gekauft, damit sie etwas hätte, in das sie hineinwachsen könnte, und Pippi wollte niemals andere haben“ (Lindgren, 1986, S. 14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Problematik von Außenseitern ein und verdeutlicht die Relevanz der literarischen Auseinandersetzung mit diesem Thema für Kinder und Jugendliche.
2. Die problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur: Hier werden Definitionen und Ziele der problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur erläutert, insbesondere ihre Funktion als Orientierungs- und Lebenshilfe.
3. Außenseiter als Thema der Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel klassifiziert Außenseiter in negative und positive Gestalten und analysiert, wie diese Kategorien in literarischen Werken behandelt werden.
4. Wirkung der Außenseitergestalten auf Kinder und Jugendliche: Es wird untersucht, wie die Identifikation mit Außenseiterfiguren zu einer Reflexion über gesellschaftliche Normen und zur Identitätsentwicklung beitragen kann.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung der Außenseiterliteratur und unterstreicht die Notwendigkeit der pädagogischen Begleitung, um den Lesern den Zugang zu diesen Themen zu erleichtern.
Schlüsselwörter
Außenseiter, Kinderliteratur, Jugendliteratur, problemorientierte Literatur, Minderheitenschutz, soziale Integration, Identitätsfindung, Vorurteile, Normen, Erziehung, Toleranz, Pippi Langstrumpf, Gesellschaft, Ausgrenzung, Rezipienten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit primär?
Die Arbeit analysiert, wie Außenseitergestalten in der Kinder- und Jugendliteratur dargestellt werden und welche psychologischen sowie sozialen Wirkungen diese Figuren auf junge Leser haben können.
Welche Themenfelder stehen dabei im Vordergrund?
Zentral sind die problemorientierte Literatur, die Kategorisierung von Außenseitern sowie die Auswirkungen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Integration auf Kinder und Jugendliche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Literatur dazu beitragen kann, Vorurteile abzubauen und Kindern sowie Jugendlichen Perspektiven für ein tolerantes Miteinander zu eröffnen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der aktuelle Werke der Kinder- und Jugendliteratur unter der Fragestellung der Außenseiterproblematik untersucht und interpretiert werden.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der problemorientierten Literatur, die detaillierte Analyse negativer Außenseiter (z.B. durch ethnische oder soziale Minderheiten) und den Kontrast dazu durch die positive Außenseitergestalt Pippi Langstrumpf.
Welche Begriffe charakterisieren den Inhalt der Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Außenseiter, soziale Integration, Toleranz, Identitätsfindung und das Konzept der problemorientierten Literatur.
Welche Rolle spielen Eltern und Pädagogen laut der Arbeit?
Die Arbeit betont, dass Eltern und Lehrer eine essenzielle Rolle spielen, da sie das Interesse an problemorientierter Literatur wecken und helfen müssen, die teils komplexen gesellschaftlichen Zusammenhänge zu erschließen.
Warum ist Pippi Langstrumpf eine "positive" Außenseiterin?
Im Gegensatz zu anderen Außenseitern, die unter ihrer Position leiden oder ausgegrenzt werden, genießt Pippi ihre Eigenständigkeit und lebt frei von gesellschaftlichen Zwängen, wodurch sie den Kindern ein positives, selbstbestimmtes Bild vermittelt.
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- Nicole Herzog (Author), 2007, Außenseitergestalten der Kinder- und Jugendliteratur und ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81655