Vom Balkan über Djibouti bis Afghanistan, von der Beobachtermission bis zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus: In Krisenregionen auf drei Kontinenten sind derzeit Soldaten der Bundeswehr aktiv. Nach den Vereinigten Staaten von Amerika stellt Deutschland die meisten Soldaten für internationale Einsätze.
Im Gegensatz zu beispielsweise den Armeen der USA, Frankreichs oder Großbritanniens ist die Bundeswehr im internationalen Krisenmanagement jedoch noch ein „Newcomer“, der sich auf die Herausforderungen auf globalem Parkett erst einzustellen hat. Ein umfangreicher Umstrukturierungsprozess der Streitkräfte wurde hierfür angestoßen.
Gleichzeitig wertet die Bundeswehr die Erfahrungen der Rückkehrer aus dem Einsatz aus, um etwa Mängel in der Versorgung, Betreuung oder Organisation zu erkennen und diesen entgegenzusteuern. Auf diese Weise können Motivationseffekte erzielt und die Arbeit im Einsatz effizienter gestaltet werden.
Nicht Nachgegangen wurde bisher allerdings der Frage, welche Auswirkungen der Auslandseinsatz auf die Einstellung zum Soldat-Sein insgesamt, also zum beruflichen Selbstverständnis der Soldaten besitzt. Mit dieser Studie soll ein Beitrag geleistet werden, um diese Lücke zu schließen: Mittels eines Fragebogens wird das berufliche Selbstverständnis von Bundeswehrsoldaten mit bzw. ohne Einsatzerfahrung erhoben und vergleichend gegenüber gestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1 EINORDNUNG UND BEGRÜNDUNG DER ARBEIT
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
2. VON DER VERTEIDIGUNGS- ZUR EINSATZARMEE
2.1 NEUE AUFGABEN DER BUNDESWEHR
2.2 ZUR ANPASSUNG AUF DER MAKROEBENE
2.3 ZUR ANPASSUNG AUF DER MIKROEBENE
3. ZUR MILITÄR- UND ORGANISATIONSSOZIOLOGIE
3.1 MILITÄRSOZIOLOGIE – EIN ÜBERBLICK
3.2 ZUR SUBJEKTPERSPEKTIVE IN DER ORGANISATIONSSOZIOLOGIE
3.3 DIE BUNDESWEHR ALS ORGANISATION
3.4 ZUM BÜROKRATISCHEN CHARAKTER DER BUNDESWEHR
4. DIE ABHÄNGIGE VARIABLE: DAS BERUFLICHE SELBSTVERSTÄNDNIS
4.1 ZUM BEGRIFF DER EINSTELLUNG
4.2 DREI EBENEN DES BERUFLICHEN SELBSTVERSTÄNDNISSES
4.3 ZUR IDENTITÄTSFUNKTION DES BERUFES
4.4 DREI TYPEN DES BERUFSVERSTÄNDNISSES
5. EINFLUSSFAKTOREN
5.1 ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNGEN
5.2 LOHN
5.3 ANERKENNUNG
5.4 SELBSTVERWIRKLICHUNG
5.5 BEFÖRDERUNGEN
5.6 INHALT DER ARBEIT
5.7 ARBEITSPRINZIPIEN
5.8 BEWERTUNG DES BUNDESWEHR
5.9 WERTEBEWUßTSEIN
5.10 IDENTIFIKATION MIT DER ROLLE
6. EMPIRISCHE ERGEBNISSE
6.1 ENTWICKLUNG DES FRAGEBOGENS
6.2 EIGENSCHAFTEN DER ANTWORTGRUPPEN
6.3 ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESEN
6.3.1 Zwischenmenschliche Beziehungen
6.3.2 Lohn
6.3.3 Anerkennung
6.3.4 Selbstverwirklichung
6.3.5 Beförderungen
6.3.6 Inhalt der Arbeit
6.3.7 Arbeitsprinzipien
6.3.8 Bewertung der Bundeswehr
6.3.9 Wertebewußtsein
6.3.10 Identifikation mit der Rolle
6.4 ZUR BERUFSZUFRIEDENHEIT
6.5 ZUR AKTIONALEN EBENE DES BERUFLICHEN SELBSTVERSTÄNDNISSES
6.6 ARBEITSMOTIVATION
6.8 JOB ODER BERUFUNG
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss Auslandseinsätze auf das berufliche Selbstverständnis von Bundeswehrsoldaten haben. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich Einsatzerfahrungen auf die kognitive Einstellung zum Soldatsein auswirken und inwieweit sie das Selbstbild sowie die Berufszufriedenheit der Soldaten prägen.
- Wandel der Bundeswehr von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee
- Organisationssoziologische Einordnung der Bundeswehr
- Analyse des beruflichen Selbstverständnisses als Einstellungskonstrukt
- Einflussfaktoren wie Kameradschaft, Lohn, Anerkennung und Selbstverwirklichung
- Empirische Untersuchung mittels standardisierter Fragebögen
Auszug aus dem Buch
3.4 Zum bürokratischen Charakter der Bundeswehr
Je größer eine Organisation ist, desto wichtiger ist es, dass die Handlungen der einzelnen Mitglieder weithin berechenbar sind, damit die Funktionssicherheit der Organisation als Ganzes gewährleistet werden kann. Traut man Max Weber, so gibt es genau eine Strukturform, die diese Funktionssicherheit am besten gewährleistet: Die Bürokratie. In seinen Ausführungen über die Bürokratie beschreibt Weber bürokratische Strukturen aus der dimensionalen Perspektive. Das heißt, er zählt eine Reihe von Organisationsmerkmalen auf, die die bürokratische Organisation ausmachen und entwirft somit in der für ihn typischen Weise einen Idealtypus der Bürokratie.
Im Anschluss an Weber haben zahlreiche Soziologen sich in ihren Erörterungen über die Bürokratie entweder direkt auf die Weberschen Formulierungen berufen, oder sie haben von ausgewählten Dimensionen Gebrauch gemacht, die auf dem Weberschen Modell beruhen. Sechs Merkmale von bürokratischen Organisationen sind bei fast allen Autoren zu finden: 1. Eine Arbeitsteilung, die auf funktioneller Spezialisierung beruht. 2. Eine genau fixierte Autoritätshierachie. 3. Ein System von Regeln, das die Rechte und Pflichten der Positionsinhaber festlegt. 4. Ein System von Verfahrensweisen zur Bewältigung von Arbeitssituationen. 5. Unpersönlichkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen. 6. Beförderung und Auslese, die auf fachlicher Kompetenz beruhen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung skizziert die neue Rolle der Bundeswehr im internationalen Krisenmanagement und begründet die Notwendigkeit, das berufliche Selbstverständnis der Soldaten in diesem Kontext zu untersuchen.
2. VON DER VERTEIDIGUNGS- ZUR EINSATZARMEE: Dieses Kapitel beschreibt die geostrategischen Veränderungen nach 1990 und die daraus resultierenden strukturellen und organisatorischen Anpassungen innerhalb der Bundeswehr.
3. ZUR MILITÄR- UND ORGANISATIONSSOZIOLOGIE: Hier wird der theoretische Rahmen gesteckt, indem die Bundeswehr als bürokratische Organisation aus militärsoziologischer und subjektorientierter Perspektive analysiert wird.
4. DIE ABHÄNGIGE VARIABLE: DAS BERUFLICHE SELBSTVERSTÄNDNIS: In diesem Teil wird der Einstellungsbegriff definiert und als Basis für die Identitätsfunktion des Berufs sowie für drei grundlegende Berufsverständnistypen genutzt.
5. EINFLUSSFAKTOREN: Dieses Kapitel leitet aus verschiedenen theoretischen Ansätzen Hypothesen über Faktoren ab, die das berufliche Selbstverständnis von Soldaten mit und ohne Auslandseinsatz beeinflussen könnten.
6. EMPIRISCHE ERGEBNISSE: Hier werden die Ergebnisse der Fragebogenstudie präsentiert, die Hypothesen überprüft und die Auswirkungen der Einsatzerfahrung auf das Selbstverständnis und die Arbeitsmotivation detailliert dargelegt.
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Studie zusammen und diskutiert Anknüpfungspunkte für künftige militärsoziologische Forschung.
Schlüsselwörter
Bundeswehr, Auslandseinsatz, Berufsverständnis, Organisationssoziologie, Militärsoziologie, Arbeitszufriedenheit, Einsatzarmee, Identität, Bürokratie, Motivation, Soldaten, Einstellungsforschung, Kameradschaft, Selbstverwirklichung, Reformprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Teilnahme an Auslandseinsätzen auf das berufliche Selbstverständnis und die Einstellung zum Dienst bei Soldaten der Bundeswehr auswirkt.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentral sind der Wandel zur Einsatzarmee, organisationssoziologische Merkmale der Bundeswehr sowie psychologische Einstellungsfaktoren wie Berufszufriedenheit und Identität.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Studie zielt darauf ab, zu klären, ob Soldaten mit Auslandseinsatzerfahrung eine andere Einstellung zu ihrem Beruf haben als Soldaten ohne eine solche Erfahrung, und ob diese Erfahrung zur Entwicklung eines ausgeprägteren beruflichen Selbstverständnisses beiträgt.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit nutzt einen quantitativen Forschungsansatz, basierend auf einer schriftlichen Befragung mittels standardisierter Fragebögen innerhalb eines Pionierbataillons.
Was wird im umfangreichen Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Bürokratie, Einstellungstheorien) und einen empirischen Teil, der die Auswertung der Fragebögen hinsichtlich verschiedener Einflussfaktoren wie Gehalt, Anerkennung und Sinnhaftigkeit enthält.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Berufung, Job, Profession, bürokratische Organisation, Einsatzerfahrung und Arbeitszufriedenheit.
Welche Rolle spielt die „Bürokratie“ für das Selbstverständnis der Soldaten?
Die Autorin betrachtet die Bundeswehr als hochbürokratische Organisation, deren starre Regeln und Hierarchien das Handeln der Soldaten in der Heimat prägen, während der Auslandseinsatz diese bürokratische Sichtweise durch Notwendigkeiten der Improvisation und Zweckorientierung teilweise aufbricht.
Wie bewerten die Soldaten ihren Arbeitgeber im internationalen Vergleich?
Es zeigt sich, dass Soldaten mit Einsatzerfahrung die Bundeswehr im Vergleich zu anderen NATO-Armeen positiver bewerten, was mit einer exklusiveren Identifikation durch den Einsatz zu erklären ist.
- Quote paper
- Andree Martens (Author), 2005, Die Bedeutung des Auslandseinsatzes für das berufliche Selbstverständnis von Soldaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81376