Ziel dieser Arbeit ist, einen Einblick in die Projektfinanzierungstechnik unter Berücksichtigung der Koordination der Projektbeteiligten und der Risikosteuerung zu gewähren. Zur Umsetzung dieser Zielsetzung werden daher zunächst sowohl die wesentlichen Merkmale der Projektfinanzierung als auch die prägnanten Unterschiede dieser Finanzierungstechnik zu den traditionellen Finanzierungsformen beschrieben. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Ertragsanalyse und die Erfolgsbeteiligung im Rahmen der Anreiz-Beitrags-Struktur, die in der Wissenschaft als entscheidender Erfolgsfaktor für das Zustandekommen von Projektfinanzierungsvorhaben angesehen wird. Der folgende Kapitel 5 befasst sich mit dem heterogenen Spektrum potentieller Projektrisiken, ihrer Auswirkung auf den Projekterfolg und ihrer Handhabung mit Hilfe eines umfassenden risikopolitischen Instrumentariums. Im Fazit werden die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchung genannt und einen Ausblick über die zukünftgie Bedeutung der Projektfinanzierung gegeben.
Struktur der Seminararbeit
4. Einleitung
5. Traditionelle Finanzierungsformen
5.1 Eigenkapitalfinanzierung
5.2 2.2. Fremdkapitalfinanzierung
6. Zur Terminologie der Projektfinanzierung
6.1 Begriff und Anwendungsbereich
6.2 Charakteristische Merkmale der Projektfinanzierung
6.2.1 Cash Flow Related Lending
6.2.2 Risk Sharing
6.2.3 Off Balance Sheet Financing
6.3 Beteiligte der Projektfinanzierung
6.3.1 Projektsponsoren
6.3.2 Projektersteller (Contractors)
6.3.3 Fremdkapitalgeber
6.3.4 Projektlieferanten
6.3.5 Abnehmer
6.3.6 Betreiber- und Managementgesellschaften
6.3.7 Staatliche Instanzen
6.3.8 Internationale Organisationen
6.3.9 Versicherer
7. Ertragsanalyse und Erfolgsbeteiligung
7.1 Relevante Prognoseverfahren
7.2 Ermittlung der Plandaten
7.2.1 Freier Cash Flow als Zielvariable von Projektanalysen
7.2.2 Einflußfaktoren auf den Cash Flow
7.3 Koordination und Erfolgsbeteiligung
8. Risikoanalyse und Risikoverteilung
8.1 Risikobegriff und risikopolitische Grundlagen
8.2 Relevante Risiken
8.2.1 Technische Risiken
8.2.2 Wirtschaftliche Risiken
8.2.3 Länderrisiken
8.2.4 Force Majeure Risiken
8.3 Risikoquantifizierung
8.3.1 Statische Risikoquantifizierung
8.3.2 Dynamische Risikoquantifizierung
8.4 Verträge zur Verteilung der Projektrisiken
8.4.1 Garantieverträge
8.4.2 Abnahmeverträge
8.4.3 Zulieferverträge
8.4.4 Versicherungen
9. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit analysiert die Technik der Projektfinanzierung mit Fokus auf die Koordination der beteiligten Parteien und die effektive Risikosteuerung. Dabei wird untersucht, wie durch vertragliche Ausgestaltungen und Cash-Flow-basierte Ansätze eine Realisierung komplexer Großprojekte ermöglicht wird, bei denen nicht die Bonität des Schuldners, sondern die des Projekts im Vordergrund steht.
- Vergleich zwischen traditionellen Finanzierungsformen und der Projektfinanzierung
- Strukturierung der Anreiz-Beitrags-Beziehungen der beteiligten Stakeholder
- Methoden der Cash-Flow-Prognose und Projektbewertung
- Systematisierung und Quantifizierung projektspezifischer Risiken
- Instrumente der Risikoallokation durch vertragliche Sicherungen
Auszug aus dem Buch
6.2.2 Risk Sharing
Im Projektfinanzierungsgeschäft liegt im Vergleich zu konventionellen Unternehmensfinanzierungen ein anderes Risikotragfähigkeitsprinzip vor. Projektfinanzierungsvorhaben sind durch hohe Investitiosvolumina gekennzeichent, die größtenteils nur durch die Aufnahme von Fremdkapital finanziert werden können. Der Veräußerungswert, den die Vermögensgegenstände der Projektgesellschaften im Verwertungsfall besitzen, ist vielfach aufgrund der Standortspezifikationen und Merkmalsbesonderheiten zu gering, um eine ausreichende Haftungsbasis für Gläubiger bei eventuell eintretenden Forderungsausfällen darzustellen. Aus risikopolitischen Überlegungen muß daher der Kreis der Haftungsverpflichteten erweitert werden.
Dies erfolgt durch die Verteilung genau spezifizierter Projektrisiken auf die übrigen Projektbeteiligten. Hierfür werden Verträge mit entsprechenden Haftungsklauseln abgeschlossen. Darüber hinaus übernehmen auch Gläubiger in Abhängigkeit ihrer individuellen Risikoneigung Projektrisiken, in dem sie sich z.B. bereit erklären, ihren Anspruch auf fristgerechte Zins- und Tilgungszahlungen unter gewissen Bedingungen einzuschränken, gänzlich aufzugeben oder zusätzliche Mittel für die Schließung von Deckungslücken bereitzustellen. Dieses Prinzip der Risikoverteilung wird als Risk Sharing bezeichnet. Erst mit der Verteilung der Projektrisiken auf verschiedene Projektbeteiligte entsteht eine tragfähige Finanzierungstruktur, die eine Projektfortführung selbst beim Eintreten bestimmter Projektrisiken gewährleistet. Die Projektrisikoverteilung ist eine grundlegende Voraussetzung für das Zustandekommen von Projektfinanzierungsvorhaben, weshalb das Risk Sharing als das wichtigste Merkmal der Projektfinanzierung angesehen wird.
Kapitelübersicht
4. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Projektfinanzierung bei der Realisierung von Großprojekten ein und definiert den Zweck der Untersuchung hinsichtlich Koordination und Risikomanagement.
5. Traditionelle Finanzierungsformen: Das Kapitel erläutert kurz die Merkmale von Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung und stellt ihre Eignung sowie die Unterschiede zur Projektfinanzierung dar.
6. Zur Terminologie der Projektfinanzierung: Hier werden der Begriff der Projektfinanzierung, ihre Merkmale wie Cash Flow Related Lending und Risk Sharing sowie die beteiligten Akteure detailliert definiert.
7. Ertragsanalyse und Erfolgsbeteiligung: Dieses Kapitel behandelt die Prognoseverfahren zur Ermittlung von Plandaten, die Bedeutung des Freien Cash Flows und die Koordination der Beteiligten im Rahmen von Anreiz-Beitrags-Strukturen.
8. Risikoanalyse und Risikoverteilung: Der Hauptteil widmet sich der Systematisierung von Projektrisiken (technisch, wirtschaftlich, Länder- und Force Majeure Risiken) und den Instrumenten zur Quantifizierung sowie vertraglichen Absicherung dieser Risiken.
9. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Vorteile der Projektfinanzierung zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung dieser Finanzierungstechnik für internationale Großprojekte.
Schlüsselwörter
Projektfinanzierung, Cash Flow, Risk Sharing, Risikosteuerung, Projektbeteiligte, Finanzierungskonditionen, Vertragsgestaltung, Garantieverträge, Abnahmeverträge, Investitionsvorhaben, Projektgesellschaft, Risikoanalyse, Erfolgsbeteiligung, Anreiz-Beitrags-Theorie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Konzept einer Projektfinanzierung?
Bei der Projektfinanzierung basiert die Finanzierung nicht auf der Bonität des Unternehmens, sondern auf der Bonität und dem zukünftigen Cash Flow des Projektes selbst.
Welche Akteure sind maßgeblich an einer Projektfinanzierung beteiligt?
Wesentliche Beteiligte sind unter anderem Projektsponsoren, Kreditgeber, Abnehmer, Zulieferer, Betreibergesellschaften, staatliche Instanzen und Versicherer.
Was ist das primäre Ziel dieser Seminararbeit?
Ziel ist es, einen Einblick in die Technik der Projektfinanzierung zu geben, wobei insbesondere die Koordination der Beteiligten und die Methoden der Risikosteuerung im Mittelpunkt stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Risikoquantifizierung beschrieben?
Die Arbeit unterscheidet zwischen statischen Methoden, wie verschiedenen Coverage Ratios (DSCR, LLCR, PLCR), und dynamischen Methoden, wie Sensitivitäts- und Szenarioanalysen.
Welche Rolle spielen Verträge bei der Risikoverteilung?
Verträge wie Garantie-, Abnahme- und Zulieferverträge dienen als Risikoallokationsinstrumente, um bestimmte Projektrisiken auf die jeweiligen Partner zu übertragen und die Finanzierungsgrundlage zu stabilisieren.
Welche Rolle spielt die Anreiz-Beitrags-Theorie in dieser Arbeit?
Sie dient als theoretisches Fundament, um zu erklären, wie die Bindung der Prämien der Beteiligten an ihren jeweiligen Beitrag zum Gesamterfolg koordiniertes Handeln und Überlebensfähigkeit des Projekts sichert.
Warum wird beim „Risk Sharing“ der Kreis der Haftenden erweitert?
Da die Vermögenswerte einer Projektgesellschaft bei Ausfällen oft nicht ausreichen, um die Kreditgeber zu decken, werden durch das Risk Sharing andere Parteien vertraglich verpflichtet, um die Haftung auf mehrere Schultern zu verteilen.
Welche Bedeutung haben „Off Balance Sheet Financing“-Effekte?
Diese erlauben es Sponsoren, großvolumige Investitionen über Projektgesellschaften zu realisieren, ohne die eigene Bilanz oder die Bonitätsbeurteilung des Mutterunternehmens negativ zu belasten.
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- Dipl. Kaufmann Orlin Alexandrov (Author), 2000, Projektfinanzierung vs. traditionelle Finanzierungsformen - eine Analyse unter besonderer Berücksichtung der Koordination der Projektbeteiligten und der Risikosteuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80884