Arthur Schopenhauer führt in seiner >Preisschrift: Über die Freiheit des Willens< aus, dass die Handlungen der Menschen nicht frei sind. Menschen mögen sich für frei halten und annehmen, dass sie ihr Leben in jedem Augenblick ändern können, letztlich müssen sie erschreckend erkennen, dass der Mensch
„...nicht frei ist, sondern der Notwendigkeit unterworfen, daß er [...] sein Tun nicht ändert, und vom Anfang seines Lebens bis zum Ende denselben von ihm selbst mißbilligten Charakter durchführen und gleichsam die übernommene Rolle bis zu Ende spielen muß.“
Für Schopenhauer gehören die Menschen als physische Wesen zur Welt der Erscheinungen. Sie sind an die Formen der Erscheinung und damit an Zeit, Raum und Kausalität gebunden. Schopenhauer resümiert, dass die Freiheit im Sein liegen muss, da sie im Handeln nicht aufzufinden ist.
„Es kommt alles darauf an, was einer ist: was er thut, wird sich daraus von selbst ergeben...“
Die Schopenhauer`sche Argumentation der Freiheitsproblematik basiert vor allem auf drei Darlegungen: Erstens der Kausalität, zweitens der unaufhebbaren Grenze zwischen Erscheinung und dem Willen und drittens dem angeborenen und unveränder-lichen Charakter.
Diese Arbeit leistet eine kritische Auseinandersetzung mit der Problematik der Willensfreiheit im Hinblick auf aktuelle Diskurse. Die angestrebte Aktualisierung führt im ersten Gedanken, auf der Grundlage der Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft, von der Kausalität zur Wahrscheinlichkeit. Es folgen Überlegungen zum Zusammenhang der Willensfreiheit mit ethischen Fragen, insbesondere die Frage nach der Verantwortlichkeit der Menschen für ihre Taten wird in diesem Kontext erörtert. Im Anschluss an die Kriterien für verantwortliches Handeln wird die Vermutung einer Traditionslinie des Unbewussten erörtert. Hier wird die Hypothese diskutiert, ob das Unbewusste bei Sigmund Freud dem Willen bei Arthur Schopenhauer entspricht. Der vierte und letzte aktuelle Diskurs, der in dieser Untersuchung verhandelt wird, geht der Frage nach der Möglichkeit der Veränderung des menschlichen Charakters durch Einsicht nach.
Die Analyse und die aus ihr gewonnenen Ergebnisse führen zu der Auffassung, dass den Menschen Willensfreiheit und Handlungsfreiheit zuzusprechen ist. Diese Freiheit ist die beängstigende Erkenntnis, dass unser Handeln nicht vorbestimmte ist, dass wir es sind, die mit allen unseren Handlungen, mit jeder Geste und allem was wir sagen unser Leben selbst bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Arthur Schopenhauer: Über die Freiheit des Willens
1.1. Begriffsbestimmungen
1.1.1 Was heißt Freiheit?
1.1.2 Was heißt Selbstbewusstsein?
1.2. Der Wille vor dem Selbstbewusstsein
1.2.1 Motiv und Reaktion
1.2.2 Wille und Wollen
1.3 Der Wille vor dem Bewusstsein anderer Dinge
1.3.1 Kausalität und Notwendigkeit
1.3.2 Der Charakter der Menschen
1.4 Schluss und höhere Ansicht
1.4.1 Verantwortlichkeit und Zurechnungsfähigkeit
2. Versuch einer Aktualisierung: Über die Freiheit des Willens
2.1 Kausalität und Willensfreiheit
2.1.1 Von der Kausalität zur Wahrscheinlichkeit
2.1.2 Willensfreiheit und Verantwortlichkeit
2.2 Der Charakter der Menschen
2.2.1 Der Wille und das Unbewusste
2.2.2 Veränderung des Charakters durch Einsicht
3. Schluss
3.1 Zusammenfassung
3.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Willensfreiheitsproblematik basierend auf Arthur Schopenhauers „Preisschrift: Über die Freiheit des Willens“ und versucht eine Aktualisierung dieser Thesen vor dem Hintergrund moderner naturwissenschaftlicher Erkenntnisse sowie psychoanalytischer Ansätze.
- Kritische Analyse von Schopenhauers Freiheitsbegriff und dem Determinismus.
- Übergang von klassischer Kausalität hin zu probabilistischen Ansätzen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Willensfreiheit und ethischer Verantwortlichkeit.
- Vergleich zwischen Schopenhauers Konzept des Willens und Freuds Unbewusstem.
- Diskussion der Modifizierbarkeit des Charakters durch menschliche Einsicht.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Von der Kausalität zur Wahrscheinlichkeit
Kausalität ist für Schopenhauer die wesentliche Kategorie der Erkenntnis für die Menschen. Der Ursprung des Kausalgesetzes liegt nach Kant im Verstande. Gleichwohl ist das Kausalgesetz nur im Bereich möglicher Erfahrung, im Bereich der Erscheinungen gültig. Analog gibt es für Kant jedoch auch im Bereich der „Dinge an sich“ eine Kausalität, die ‚Kausalität aus Freiheit‘, aufgrund dieser Kausalität kann der freie Wille als möglich angenommen werden.
Nach Schopenhauer und Kant stellt sich die Frage: Gibt es einen hinreichenden Grund anzunehmen, dass die Kategorien Raum, Zeit und Kausalität Gültigkeit besitzen? Ich meine, dass sich mit der modernen Naturwissenschaft diese drei Kategorien als nicht mehr gültig erwiesen haben. Durch die Relativitätstheorie von Albert Einstein verlieren Raum und Zeit ihre Absolutheit. Der Raum ist gekrümmt und nicht mehr euklidisch, dass heißt, er widerspricht den geometrischen Axiomen der Geometrie Euklids. Die Zeit ist durch das Zwillingsparadoxon erwiesenermaßen relativ. Kausalität geht davon aus, dass jedes Ereignis in notwendiger und gesetzmäßiger Weise von einem anderen Ereignis abhängt. Durch die Heisenbergsche Unschärfetheorie ergibt sich, dass es keine lückenlose Kette der Kausalität gibt und nicht alles mit Notwendigkeit folgt. Die Wissenschaft ist in der Folge von Albert Einstein und Werner Heisenberg zur der Annahme gelangt, dass die Wirkungen aus Ursachen nicht lückenlos kausal sind, sondern mit Wahrscheinlichkeit folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Arthur Schopenhauer: Über die Freiheit des Willens: Detaillierte Darlegung von Schopenhauers Metaphysik, in der der Wille als metaphysischer Kern und als nicht frei in der Erscheinungswelt (aufgrund von Kausalität und festem Charakter) definiert wird.
2. Versuch einer Aktualisierung: Über die Freiheit des Willens: Eine kritische Reinterpretation der Schopenhauerschen Thesen durch moderne Naturwissenschaft, die Kausalität durch Wahrscheinlichkeit ersetzt und Parallelen zum Unbewussten bei Freud zieht.
3. Schluss: Resümee der Arbeit, welches die Möglichkeit menschlicher Freiheit und Verantwortung trotz einer nicht vollständig kausal determinierten Welt bekräftigt.
Schlüsselwörter
Arthur Schopenhauer, Willensfreiheit, Kausalität, Determinismus, Wahrscheinlichkeit, Charakter, Unbewusstes, Sigmund Freud, Verantwortlichkeit, Ethik, Erkenntnisvermögen, Handlungsfreiheit, Vernunft, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem philosophischen Problem der Willensfreiheit, insbesondere auf der Basis der Schriften von Arthur Schopenhauer, und versucht diese Positionen durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu ergänzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Kausalität, den Begriff des Charakters, die moralische Verantwortlichkeit sowie die Brücke zwischen klassischer Philosophie und moderner Psychoanalyse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine Aktualisierung der Schopenhauerschen Willensfreiheitsproblematik unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Wahrscheinlichkeit und zur psychologischen Dynamik des Unbewussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung, die textkritische Analyse mit einer interdisziplinären Verknüpfung aus moderner Naturwissenschaft und Psychoanalyse verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Exegese der Schopenhauerschen Freiheitslehre sowie einen zweiten Teil, der diese mit Konzepten wie Quantenphysik und Freuds Unbewusstem in Dialog bringt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Willensfreiheit, Determinismus, Kausalität, Unbewusstes und moralische Verantwortlichkeit.
Wie verhält sich nach Schopenhauer der Charakter zum Handeln?
Der Charakter ist bei Schopenhauer angeboren und unveränderlich; jede Handlung ist das notwendige Resultat aus der Interaktion dieses Charakters mit einem äußeren Motiv.
Inwiefern korreliert Schopenhauers „Wille“ mit Freuds „Unbewusstem“?
Der Autor argumentiert, dass das Schopenhauersche Konzept des Willens eine historische Vorläuferrolle für das Freudsche Unbewusste einnimmt, da beide Konzepte als maßgebliche, wenn auch verborgene Antriebskräfte menschlichen Verhaltens fungieren.
- Arbeit zitieren
- Monika Skolud (Autor:in), 2006, Zu Arthur Schopenhauers "Über die Freiheit des Willens", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80400