1. Einleitung
"Nichts ist so unerträglich für den Menschen, als sich in einer vollkommenen Ruhe zu befinden, ohne Leidenschaft, ohne Geschäfte, ohne Zerstreuung, ohne Beschäftigung. Er wird dann sein Nichts fühlen, seine Preisgegebenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere. Unaufhörlich wird aus dem Grund seiner Seele der Ennui aufsteigen, die Schwärze, die Traurigkeit, der Kummer, der Verzicht, die Verzweiflung" – so definierte Blaise Pascal einmal das Wesen der Langeweile. Bereits dieses kürzere Zitat lässt erahnen, in welch vielfältiger Weise das Motiv der Langeweile in vielen Lebens- und Wissenschaftsbereichen seinen Platz gefunden hat.
In dieser Arbeit möchte ich das literarische Motiv der ,Langeweile' näher bestimmen. Dazu habe ich ein Werk Arthur Schnitzlers, das "Episodendrama" "Anatol" , ausgewählt. Dieser Einakterzyklus erscheint mir im Zusammenhang mit der Untersuchung der ,Langeweile' als besonders interessant, da "[...] im Einakter aus der – meist nur noch rudimentären – Handlung so gut wie nichts mehr [folgt], vielmehr konzentriert sich in ihm alles auf die psychologische Analyse der vorgegebenen, im wesentlichen nicht mehr veränderbaren Situation" . Diese vorgegebene Situation ist im "Anatol" wesentlich durch die ,Langeweile' geprägt, aus der der Protagonist Anatol – wie ich im Laufe meiner Arbeit zeigen werde – bis zuletzt keinen Ausweg findet, vielleicht sogar aus noch zu untersuchenden Gründen nicht finden kann.[...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- ,Langeweile' als Begriff
- Definition(en)
- Die Entstehung des Wortes und dessen Gebrauch
- Aspekte der ,Langeweile' im Anatol
- Aspekt der Passivität
- Aspekt der wechselnden Beziehungen
- Aspekt der Austauschbarkeit
- Aspekt der verdrängten Vergangenheit
- Aspekt der Unehrlichkeit
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit dem literarischen Motiv der ,Langeweile' und analysiert, wie dieses in Arthur Schnitzlers „Episodendrama“ „Anatol“ zum Tragen kommt. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung der verschiedenen Aspekte, die mit der ,Langeweile' im Werk verbunden sind.
- Die Definition und Entstehung des Begriffs ,Langeweile'
- Die Bedeutung von Passivität und Untätigkeit im Zusammenhang mit der ,Langeweile' im Werk „Anatol“
- Der Einfluss wechselnder Beziehungen auf die Erfahrung der ,Langeweile' im Kontext der Handlung
- Die Rolle der Austauschbarkeit und der verdrängten Vergangenheit in der Darstellung der ,Langeweile'
- Der Aspekt der Unehrlichkeit als Ausdruck der ,Langeweile' in Schnitzlers Werk.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung erläutert die Relevanz des Motivs ,Langeweile' und wählt das Werk „Anatol“ von Arthur Schnitzler als Untersuchungsobjekt. Es wird die zentrale Rolle der ,Langeweile' in diesem Einakterzyklus hervorgehoben und der methodische Ansatz der Arbeit skizziert.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Begriff ,Langeweile' an sich, indem es verschiedene Definitionen aus Lexika und Handbüchern betrachtet. Anschließend wird die Entstehung und Entwicklung des Wortes und dessen Gebrauch im Laufe der Zeit untersucht.
Kapitel drei analysiert die Aspekte der ,Langeweile' im „Anatol“ genauer. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Aspekt der Passivität und zeigt auf, wie Anatol durch sein Untätigsein die ,Langeweile' verstärkt.
Schlüsselwörter
Langeweile, Arthur Schnitzler, Anatol, Passivität, Beziehungen, Austauschbarkeit, verdrängte Vergangenheit, Unehrlichkeit, literarisches Motiv, psychologischer Aspekt.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird das Motiv der Langeweile bei Arthur Schnitzler definiert?
Langeweile wird hier als „Ennui“ verstanden – ein Zustand der inneren Leere, Passivität und Unzulänglichkeit, aus dem die Protagonisten oft keinen Ausweg finden.
Warum eignet sich das Werk „Anatol“ besonders für diese Untersuchung?
Im Einakterzyklus „Anatol“ konzentriert sich alles auf die psychologische Analyse einer statischen Situation, die wesentlich durch die Langeweile und Untätigkeit des Protagonisten geprägt ist.
Welche Rolle spielt die Passivität im „Anatol“?
Passivität ist ein zentraler Aspekt der Langeweile. Anatol verharrt in Untätigkeit, was seine existentielle Leere verstärkt und ihn unfähig macht, echte Veränderungen herbeizuführen.
Wie hängen wechselnde Beziehungen mit der Langeweile zusammen?
Die ständigen Beziehungswechsel dienen als gescheiterte Versuche, der Langeweile zu entfliehen. Die Austauschbarkeit der Partnerinnen unterstreicht dabei die Gleichgültigkeit und Leere Anatols.
Was bedeutet der Aspekt der „Unehrlichkeit“ in diesem Kontext?
Unehrlichkeit – sowohl gegenüber anderen als auch sich selbst – wird als Ausdruck der Langeweile gedeutet, um die eigene Unzulänglichkeit und das Gefühl des „Nichts“ zu überspielen.
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- Britta Krümpelmann (Author), 2006, Das Motiv der Langeweile bei Schnitzler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80364