Ivan der Schreckliche - Inbegriff des brutalen, unmenschlichen, ja, des bösen Herrschers überhaupt! Ivan war Russe - und deshalb automatisch schrecklich? Sicherlich nicht - aber wie erklärt sich das westliche Bild eines Herrschers, der in der russischen Geschichte einen bedeutenden Platz einnimmt und Russlands Entwicklung entscheidend mitgeprägt hat? In der vorliegenden Arbeit wird ein besonderer Ansatz diskutiert: War Ivan der Schreckliche krank und aus diesem Grunde so brutal? War er dies überhaupt in einem Maße, das ihn von anderen Herrschern dieser Zeit unterscheidet? Und wurde er schon zu Lebzeiten als Ivan der Schreckliche bezeichnet? Wer hat ihm diesen Namen gegeben? Diesen und weiteren spannenden Fragen geht die vorliegende Arbeit nach.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Das Bild Ivan Groznyjs im westlichen Ausland seiner Zeit
2.2 Medizinischer Befund von Ivans Leichnam nach dessen Exhumierung
2.3 „Kranksein im Zwiespalt der Macht – Ivan IV. als kranker Herrscher“
2.4 Richard Hellie: „What happened? How did he get away with it?: Ivan Groznyi`s Paranoia and the problem of institutional restraints”
3. Bündelung der Untersuchungsergebnisse und Schlussbetrachtung
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven, ob der russische Zar Ivan IV., bekannt als "der Schreckliche", tatsächlich psychisch krank war und inwieweit dieses Leiden sein oft als grausam und zerstörerisch wahrgenommenes Verhalten beeinflusste.
- Analyse des negativen Fremdbildes Ivans IV. in zeitgenössischen westeuropäischen Druckschriften.
- Auswertung des medizinischen Befundes des exhumierten Leichnams zur Klärung physischer Leiden.
- Untersuchung psychologischer Erklärungsmodelle für das Herrscherverhalten, insbesondere unter Berücksichtigung frühkindlicher Traumata.
- Diskussion der Auswirkungen von Überforderung und fehlenden institutionellen Kontrollmechanismen auf die Psyche des Zaren.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Denn er war ein grawsamer / frecher / wilder / gewaltsamer Tyrann / Nam ander Leuten das jrige / War Geldtsüchtig / Rauberisch / Schunde die Unthertanen / War stoltz / prechtig / Liess nicht gerne mit sich reden / Liess sich selten antreffen und ansprechen / Unfreundtlich im Gesprech / Bosshafftig / Liess sich leicht entrüsten / War schrecklich / unruhig / ein Knecht der Wollust / unbendig / unbedechtig / undfreuntlich / störrisch / ungerecht / Von keinem Rath / Gottloss / unbesonnen / leichtfertig / unbestendig / unmild / Gab den Adfecten zu viel nach / Liess sich nicht weisen / schmecht und lesterte ander Leute / Stifftete Krieg und Blutvergiessen / War verdriesslich / beschwerlich / ungezogen / unleidlich / und liess sich nicht lenken.“
Ivan der Schreckliche – eine Gestalt, deren Andenken sich auf eine äußerst bemerkenswerte Art bis in die heutige Zeit bewahrt hat und die selbst die allgemeine Bekanntheit Peters des Großen wohl noch übertrifft. Die ungestellte Frage, welche geschichtliche Person im Allgemeinen mit Russland in Verbindung gebracht wird, findet eine rasche Antwort: es ist Ivan Groznyj. Wenngleich die Übersetzung des Beinamens der Schreckliche unzutreffend ist, da groznyj eher mit streng, gestreng oder unnachgiebig zu übersetzen wäre, ist es just dieser Beiname, der schier untrennbar mit dem ersten Zaren Russlands verquickt ist. Ivan IV. war der erste russische Herrscher, der im Bewusstsein des europäischen Auslands zu einem Prototyp wurde, zu einem Sinnbild für die barbarische, grausame Seite des russischen Wesens, für die unberechenbare Macht und Gefährlichkeit des fremden, ja mehr: des feindlichen Großreiches.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die historische Figur Ivan IV. vor, skizziert dessen Wahrnehmung als Inbegriff des grausamen russischen Zaren und führt in die zentrale Forschungsfrage nach dessen möglicher psychischer Erkrankung ein.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert das historische Fremdbild Ivans, wertet medizinische Befunde zu seinen körperlichen Leiden aus und diskutiert detailliert die psychiatrischen Interpretationen seiner Herrschaftsweise durch die Forscher Hans Hecker und Richard Hellie.
3. Bündelung der Untersuchungsergebnisse und Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Ivan IV. zwar nachweislich krank war, die Ursachen für sein Verhalten jedoch in einem komplexen Zusammenspiel aus physischen Schmerzen, psychischer Überforderung und dem Fehlen institutioneller Schranken liegen.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Ivan der Schreckliche, Ivan IV., Russland, Zarentum, Psychopathologie, Paranoia, Opricnina, Historische Psychologie, Krankheitsgeschichte, Medizinischer Befund, Herrschaftskritik, Fremdbild, Politische Geschichte, Stressfaktoren, Autokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der psychischen Verfassung des russischen Zaren Ivan IV. und der Frage, ob sein Verhalten durch eine Krankheit erklärt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die historische Wahrnehmung des Zaren im Ausland, medizinische Analysen seines Skeletts und psychologische Erklärungen für sein Handeln als Herrscher.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu erörtern, ob Ivan der Schreckliche tatsächlich psychisch krank war und ob seine Krankheit die direkte Ursache für seine extreme Grausamkeit und seine zerstörerischen politischen Entscheidungen war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Literaturanalyse und der Auswertung medizinischer Befunde, die durch die Exhumierung des Leichnams 1953 gewonnen wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des westlichen Russlandbildes, die medizinische Diagnose körperlicher Leiden sowie die detaillierte Analyse der Thesen von Hans Hecker und Richard Hellie zur psychischen Verfassung des Zaren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird insbesondere durch Begriffe wie Ivan der Schreckliche, Psychopathologie, Paranoia, Opricnina und historische Herrscheranalyse charakterisiert.
Welche Rolle spielt die "Dynastische Krise" von 1553 für die These der Autoren?
Sie wird von Hecker und Hellie als einschneidendes, traumatisches Erlebnis identifiziert, das Ivans Misstrauen gegenüber dem Adel massiv verstärkte und den Ausbruch seiner psychischen Instabilität begünstigte.
Wie bewerten die Autoren das Fehlen "institutioneller Schranken"?
Hecker und Hellie sind sich einig, dass der völlige Mangel an unabhängigen kirchlichen oder politischen Institutionen, die den Zaren hätten bremsen können, das Ausleben seiner psychischen Störungen erst in diesem extremen Maße ermöglichte.
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- Martin Kragans (Author), 2001, Ivan der Schreckliche - ein kranker Zar!?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80079