Menschen, die täglich lange arbeiten und sich auch am Wochenende kaum Freizeit gönnen, genießen in unserer heutigen Leistungsgesellschaft ein hohes Ansehen. Überstunden und Arbeitsmitnahme in den Urlaub werden mit Karriere und Leistungsfähigkeit assoziiert. Die negativen Begleiterscheinungen dieses Verhaltens werden in der Öffentlichkeit hingegen völlig ausgeblendet. Übermäßiges Arbeiten kann sich zur Arbeitssucht entwickeln und stellt wie z. B. die Alkohol- oder die Spielsucht eine Krankheit dar, die sich für die Betroffenen lebensbedrohlich entwickeln kann. Aber auch die Wirtschaftsorganisationen, die auf den ersten Blick von dem Arbeitseifer ihrer Mitarbeiter zu profitieren scheinen, sind hohen Risiken ausgesetzt. Die Sucht nach Arbeit einzudämmen, sollte daher ein erklärtes Ziel des Personalmanagements sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konzeptionelle Grundlagen
2.1. Zum Begriff der Arbeitssucht
2.2. Ursachen und Auslöser der Arbeitssucht
2.3. Folgen der Arbeitssucht
3. Ausgewählte Maßnahmen zur Prävention und Intervention
3.1. Präventive Möglichkeiten zur Vermeidung von Arbeitssucht
3.1.1. Frühzeitige Identifikation potenziell betroffener Mitarbeiter und Bewerber
3.1.2. Prävention mittels Personalentwicklung
3.1.3. Unternehmensinterne Führungsstrategie als präventiver Faktor
3.1.4. Vorbeugende Maßnahmen außerhalb der betrieblichen Umgebung
3.2. Interventionsmaßnahmen nach Feststellung der Sucht
3.2.1. Einflussmöglichkeiten der Kollegen und Vorgesetzen
3.2.2. Wechsel der Arbeitsumgebung
3.2.3. Sabbaticals und Austritt aus dem Arbeitsleben
3.2.4. Außerbetriebliche Behandlungsmöglichkeiten
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Phänomen der Arbeitssucht in der modernen Leistungsgesellschaft. Das primäre Ziel ist es, vorbeugende Maßnahmen zu identifizieren, die eine Entstehung der Sucht verhindern, sowie Interventionsstrategien aufzuzeigen, um betroffenen Mitarbeitern effektiv zu helfen und den negativen Folgen für Individuum und Organisation entgegenzuwirken.
- Definition und Symptomatik der Arbeitssucht als Prozesssucht
- Ursachenforschung in frühkindlichen Prägungen und Unternehmensstrategien
- Präventionsansätze durch Personalmanagement und Führungskräfte
- Betriebliche und außerbetriebliche Interventionsmöglichkeiten bei bestehender Sucht
- Bedeutung der sozialen Unterstützung und therapeutischer Interventionen
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Frühzeitige Identifikation potenziell betroffener Mitarbeiter und Bewerber
Eine wichtige Präventionsmaßnahme stellt die frühzeitige Erkennung von Personen dar, die arbeitssuchtgefährdet sind. Die Identifikation von potenziell Arbeitssüchtigen kann schon bei der Personalauswahl ansetzen. Es sollte anhand einer präzisen Stellenbeschreibung die Stellenausschreibung erfolgen. Oftmals werden Stellenausschreibungen zu allgemein gefasst und enthalten Qualifikationsanforderungen, die weit über den tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsplatzes liegen. Dies kann dazu führen, dass sich insbesondere arbeitssüchtige Personen oder Personen, bei denen die Anlagen für ein solches Verhalten latent vorliegen, um die Stelle bewerben.
Um potenziell Arbeitsüchtige zu identifizieren, die bereits im Unternehmen tätig sind, können sogenannte Personalinformationsgespräche zwischen den Fachabteilungen und dem Personalmanagement erfolgen. Hierbei wird ein Stärken-Schwächen-Profil jedes Mitarbeiters erstellt. In dieses Profil fließt die Risikoeinschätzung der Arbeitssucht für jeden einzelnen Mitarbeiter mit ein. Die Risikoeinschätzung wird folgendermaßen durchgeführt. Bei verschiedenen Items eines Fragebogens sollen die direkten Vorgesetzten die Stärke der Ausprägung bei dem jeweiligen Mitarbeiter angeben. Weisen die Items Perfektionismus, Termineinhaltung, Leistungsbereitschaft und Arbeitsqualität hohe Werte und die Items, die das zwischenmenschliche Verhalten betreffen, wie der Umgang mit Kollegen und die Teamarbeit negative Werte auf, sind starke Indizien dafür gegeben, dass sich bei dem Mitarbeiter Arbeitssucht entwickeln kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Akzeptanz von Überstunden und führt die Arbeitssucht als ernstzunehmende, krankhafte Prozesssucht ein, deren Eindämmung eine zentrale Aufgabe des Personalmanagements darstellt.
2. Konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Arbeitssucht, differenziert sie von anderen Suchtformen und analysiert sowohl die zugrunde liegenden Ursachen in der Biografie und Arbeitswelt als auch die physischen und psychischen Folgen.
3. Ausgewählte Maßnahmen zur Prävention und Intervention: Hier werden praxisnahe Strategien vorgestellt, um Arbeitssucht frühzeitig zu vermeiden sowie Interventionen einzuleiten, sobald eine Suchterkrankung bei Mitarbeitern festgestellt wurde.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und plädiert für eine intensivere wissenschaftliche Erforschung der Thematik sowie ein Umdenken bezüglich des hohen Stellenwerts von Arbeit in westlichen Industriegesellschaften.
Schlüsselwörter
Arbeitssucht, Workaholism, Prozesssucht, Prävention, Intervention, Personalmanagement, Führungsstrategie, Gesundheitsförderung, Leistungsgesellschaft, Überarbeitung, Stressbewältigung, Unternehmenskultur, Diagnose, Suchtberatung, Leistungsdruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation, Prävention und Intervention von Arbeitssucht im betrieblichen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition und Ursachen von Arbeitssucht, präventive Maßnahmen durch Führungskräfte sowie Interventionsstrategien bei bereits bestehender Sucht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Arbeitssucht vermieden werden kann und welche effektiven Schritte Unternehmen unternehmen können, um betroffenen Mitarbeitern zu helfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender personalwirtschaftlicher und psychologischer Forschungsergebnisse zum Thema Arbeitssucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die betriebliche Prävention, wie etwa durch Personalentwicklung und Führungskräfteberatung, sowie auf konkrete Interventionsmaßnahmen bei Arbeitssüchtigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Arbeitssucht, Prävention, Intervention, Personalmanagement und Unternehmenskultur.
Warum ist die Diagnose von Arbeitssucht so schwierig?
Die Diagnose erschwert sich durch die gesellschaftliche Anerkennung von Vielarbeitern, die oft als besonders belastbar wahrgenommen werden, sowie durch das Fehlen einer einheitlichen klinischen Definition.
Welche Rolle spielen Vorgesetzte bei der Intervention?
Vorgesetzte können eine entscheidende Rolle in Interventionsgruppen spielen, indem sie Betroffene wertfrei auf ihr Verhalten ansprechen und durch klare Konsequenzen sowie Unterstützung bei der Therapie zur Genesung beitragen.
- Quote paper
- Marietta Sophia Dieckmann (Author), 2007, Möglichkeiten zur Prävention und Intervention bei Arbeitssucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79664