Die Klosterkirche St. Anna im Lehel gilt als erste Rokokokirche in München, wahrscheinlich in ganz Altbayern. Am 19. März 1725 genehmigte Kurfürst Max Emanuel den Bau der Kirche. Genau zwei Jahre später erfolgte die Grundsteinlegung durch die Kurfürstin Maria Amalia. Die Funktion von St. Anna war die einer Dankvotivkirche, aufgrund der Geburt des Thronfolgers Kurprinz Max Joseph. Die Fertigstellung des Rohbaus erfolgte in nur drei Jahren. Ursprünglich wurde die Kirche von Johann Michael Fischer in den Jahren von 1727 bis 1733 erbaut. Er beschreitet bei der Raumauffassung dieser Kirche ganz neue Wege. Was die Grundrissdisposition betrifft, findet bei Fischer eine Abkehr von den italienischen „Regeln“ statt.
Inhaltsverzeichnis
I. Die Geschichte der Klosterkirche St. Anna im Lehel
II. Die Wandlung der Raumauffassung bei St. Anna im Lehel
III. Die Außenfassade von St. Anna im Lehel
IV. Der Grundriss von St. Anna im Lehel
V. Die Innenraumbeschreibung von St. Anna im Lehel
VI. Die Verbindung von Raum und Verzierung
6.1. Die Altäre
6.1.1. Der Hochaltar
6.1.2. Die Seitenaltäre
VII. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Innenraum der Klosterkirche St. Anna im Lehel in München als bedeutendes Beispiel der bayerischen Sakralarchitektur des Rokoko. Ziel ist es, die spezifische Raumkonzeption von Johann Michael Fischer sowie die enge Verzahnung von architektonischer Struktur und dekorativer Ausstattung herauszuarbeiten.
- Baugeschichte und historische Entwicklung der Klosterkirche
- Wandel der Raumauffassung und Abkehr von traditionellen italienischen Regeln
- Analyse des Grundrisses und der Raumdisposition
- Detailbetrachtung des Innenraums und der Einbindung von Altären und Verzierung
- Die Rolle der Kirche als Gesamtkunstwerk im Rokoko
Auszug aus dem Buch
II. Die Wandlung der Raumauffassung bei St. Anna im Lehel
Johann Michael Fischer, beschreitet bei der Raumauffassung dieser Kirche ganz neue Wege. Was die Grundrissdisposition betrifft, findet bei Fischer eine Abkehr von den italienischen „Regeln“ statt. Dies bedeutet, dass Fischer auf Wandsäulen verzichtet, kein durchgehendes Gebälk errichtet, sowie keine Halbkugelkuppel, ebene Begrenzungen und rechte Winkel benutzt. Zudem neu ist „…eine geschmeidige Innenverbindung…“ von Längs- und Zentralbau.
Von der geometrischen Form des Grundrisses: in diesem Fall einem Rechteck, kann man nicht auf das Kircheninnere schließen, das Oval im Inneren lässt im Umkehrschluss keinen Schluss auf ein Rechteck zu. Auch dies ist eine Neuerung des Rokoko. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der „…Zweischaligkeit…“, d. h. „…Innen- und Außenraum stimmen nicht überein…“. Es kann nur vermutet werden, was genau sich im Inneren befindet, es kann von außen jedoch nicht eindeutig auf die Form des Innenraumes geschlossen werden.
Dieser Sachverhalt ist exemplarisch an den Wandpfeilern zu sehen, die nicht mehr als solche ausgebildet sind, sondern nur das statisch absolut Notwendige stützen. Die Pilaster treffen sich nirgends im rechten Winkel, daraus resultiert, dass keine kubischen Formen entstehen. Es wird ein optischer Zusammenhalt durch das zarte Architravband erreicht, das den gesamten Raum umschließt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die Geschichte der Klosterkirche St. Anna im Lehel: Das Kapitel skizziert die Entstehungsgeschichte der Kirche als Dankvotivkirche, den Bau durch Johann Michael Fischer und die späteren Zerstörungen sowie Rekonstruktionen.
II. Die Wandlung der Raumauffassung bei St. Anna im Lehel: Hier wird der Bruch mit traditionellen italienischen Architekturregeln und die Entwicklung einer neuen, geschmeidigen Raumverbindung im Rokoko analysiert.
III. Die Außenfassade von St. Anna im Lehel: Die Beschreibung fokussiert auf die Gestaltung der Fassade nach ihrer Rekonstruktion unter Berücksichtigung der originalen Entwürfe Fischers.
IV. Der Grundriss von St. Anna im Lehel: Dieses Kapitel erläutert die besondere Grundrissfigur, die an eine Geige erinnert, und die Anordnung der Wandpfeiler.
V. Die Innenraumbeschreibung von St. Anna im Lehel: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Raumteile, der Orgelempore und der Pilasterordnung im Innenraum.
VI. Die Verbindung von Raum und Verzierung: Das Kapitel beleuchtet das Zusammenspiel von Architektur und Stuck sowie die Funktion der Kirche als Gesamtkunstwerk.
6.1. Die Altäre: Fokus auf die formale und funktionale Integration des Hochaltars und der Seitenaltäre in das Raumgefüge.
VII. Schlussbemerkung: Zusammenfassung der architektonischen Bedeutung Fischers und Reflexion über den Zustand der rekonstruierten Kirche.
Schlüsselwörter
St. Anna im Lehel, Johann Michael Fischer, Sakralbau, Rokoko, Innenraum, Raumauffassung, Grundrissdisposition, Wandpfeiler, Gesamtkunstwerk, Klosterkirche, Architektur, Rokokofassade, Stuck, Barock, München.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert den Innenraum der Klosterkirche St. Anna im Lehel in München und untersucht die architektonischen Besonderheiten, die Johann Michael Fischer bei diesem Bauwerk umgesetzt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Baugeschichte, die Entwicklung der Raumauffassung, die Analyse des Grundrisses sowie die enge Verbindung von architektonischer Struktur und dekorativer Ausstattung.
Was ist das Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Status von St. Anna im Lehel als Pionierbau des Rokoko und als Gesamtkunstwerk aufzuzeigen, in dem architektonische und künstlerische Elemente verschmelzen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer architekturgeschichtlichen Analyse, bei der vorliegende Baupläne und historische Quellen mit dem baulichen Befund (nach der Rekonstruktion) abgeglichen werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine baugeschichtliche Einordnung, eine Untersuchung der Raumauffassung, Fassadenanalyse, Grundrisserläuterung und eine detaillierte Innenraum- und Altarausstattung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind St. Anna im Lehel, Johann Michael Fischer, Rokoko, Raumauffassung, Grundriss, Gesamtkunstwerk und Architektur.
Warum wird der Grundriss der Kirche als „geigenförmig“ bezeichnet?
Aufgrund der speziellen Anordnung des Ovals, in das der Altarraum und der Eingangsbereich einschneiden, ergibt sich eine Grundrissform, die in der Fachliteratur an eine Geige erinnert.
Welche Rolle spielt das Stuckband bei der Raumwirkung?
Das Stuckband trägt laut der Autorin maßgeblich zur Dynamisierung und zur optischen Vereinheitlichung des gesamten Kirchenraums bei.
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- Magister Artium Johanna Hartmann (Author), 2003, Sakralbau: München, St. Anna im Lehel (Innenraum), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79275